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| 02:38 Uhr

Kirchentag will Zusammenhalt stärken

Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Kirchentagspräsidentin Christina aus der Au (M.) und Generalsekretärin Ellen Ueberschär werben für das Programm.
Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Kirchentagspräsidentin Christina aus der Au (M.) und Generalsekretärin Ellen Ueberschär werben für das Programm. FOTO: dpa
Potsdam. Besucher des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Berlin, Potsdam und Wittenberg erwarten mehr als 2000 Veranstaltungen. Anders als beim Katholischen Kirchentag, ist auch die AfD bei Diskussionsrunden dabei. Benjamin Lassiwe / iwe1

Zwei große weiße Glubschaugen blicken vom Umschlag der 576 Seiten dicken, orangefarbenen Broschüre. Darunter steht der Slogan des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentags, der vom 24. bis 28. Mai mit rund 140 000 erwarteten Besuchern in Berlin, Potsdam und Wittenberg stattfinden soll: "Du siehst mich!"

Am Dienstag stellten Kirchentagspräsidentin Christina aus der Au, Generalsekretärin Ellen Ueberschär und der Berliner Bischof Markus Dröge das Programm der Großveranstaltung vor. "Dialog ist die Grundhaltung dieses Kirchentags", sagte aus der Au. Neben zahlreichen Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum steht vor allem der Zusammenhalt der Gesellschaft im Jahr der Bundestagswahl im Zentrum des Programms.

Zu den prominentesten Gästen des Protestantentreffens zählen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Nahezu das gesamte Bundeskabinett und mehrere Ministerpräsidenten, etwa Winfried Kretschmann (Grüne) aus Baden-Württemberg, Malu Dreyer (SPD) aus Rheinland-Pfalz und Bodo Ramelow (Linke) aus Thüringen, beteiligen sich an den Podiumsdiskussionen. Und auch Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) wird während des Kirchentags eine Bibelarbeit leiten. Nicht dabei ist dagegen Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der nach Auskunft der Kirchentagsverantwortlichen zwar eingeladen war, aber absagte. Wie ein Sprecher der Staatskanzlei auf Anfrage mitteilte, werde Woidke am Himmelfahrtstag die Brandenburger Landwirtschaftsausstellung Brala und den Landesbauerntag besuchen. Am Tag danach begleite er in der Lutherstadt Eisleben die Ministerpräsidenten von Sachsen, Stanislaw Tillich, und Sachsen-Anhalt, Rainer Haseloff (beide CDU), durch die dortige Andreaskirche. Als Student hatte er hier im Lutherjahr 1983 Führungen angeboten.

"Dieser Kirchentag wird im Vorfeld einer wichtigen Bundestagswahl zeigen, wie stark die Kräfte des liberalen Protestantismus sind", sagte Kirchentagsgeneralsekretärin Ellen Ueberschär. Wozu auch gehört, kritische Gäste auszuhalten: So wird Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) auf einem Podium mit dem Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Moschee, Ahmad Mohammed al-Tayyeb über das Thema religiöse Toleranz diskutieren. Was pikant ist, denn al-Tayyeb hat sich zwar deutlich gegen den islamischen Staat positioniert, rechtfertigt aber immer wieder Selbstmordattentate gegen Israel.

In einem "Zentrum Weltanschauungen" treffen der Berliner Bischof Markus Dröge, die als scharfe Kritikerin der neurechten Szene geltende Juristin Liane Bednarz und die Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft "Christen in der AfD", Annette Schultner, aufeinander. Sie diskutieren die Frage, ob es für Christen überhaupt möglich ist, sich in einer rechten Partei zu engagieren.

Damit bezieht der evangelische Kirchentag eine andere Position als der Katholikentag im vergangenen Jahr in Leipzig, der grundsätzlich keine AfD-Vertreter auf seinen Podien duldete. "Es ist nicht sehr christlich, zu sagen, es gibt eine Gruppe von Menschen, mit denen reden wir überhaupt nicht", sagte Kirchentagspräsidentin aus der Au. Man sei nicht einer Meinung, suche aber das Gespräch. "Wir haben keine Angst."

In Potsdam werden zwei Themen im Zentrum des Programms stehen: der Klimawandel und die Partnerschaft mit Polen. So wird es in der Nikolaikirche eine Podiumsdiskussion zum Strukturwandel in der Lausitz geben, bei der Brandenburgs Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer, die Direktorin des Cottbuser Dieselkraftwerks, Ulrike Kremeier und die Cottbuser Superintendentin Ulrike Menzel miteinander debattieren werden.

Am Sonntag, 28. Mai, werden dann alle Teilnehmer des Kirchentags und der parallel in Leipzig, Dessau und weiteren Städten stattfindenden "Kirchentage auf dem Weg" auf den Elbwiesen von Wittenberg zusammenkommen, um dort in einem großen Abschlussgottesdienst des 500. Jahrestags der Reformation zu gedenken.