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| 17:44 Uhr

Verbraucherschutz
Alarmstufe Rot: Afrikanische Schweinepest auf Vormarsch

Mehr Wildschweinen geht es in Deutschland an den Kragen.
Mehr Wildschweinen geht es in Deutschland an den Kragen. FOTO: Franziska Kraufmann / dpa
Cottbus. In Osteuropa werden stetig neue Fälle der Tierseuche registriert, Polen und Tschechien kämpfen gegen die Ausbreitung. Prävention ist das A und O, sagen Experten. Von Verena Ufer

Von Georgien aus, wo die für Menschen ungefährliche Krankheit 2007 das erste Mal auftrat, über Russland, die Ukraine und das Baltikum nähert  sich die Seuche Westeuropa. In Polen und Tschechien ist sie bereits 2014 angekommen. Das Risiko, sie nach Deutschland einzuschleppen, sei sehr hoch, betont die FLI-Sprecherin. Dabei gehe Gefahr besonders von Menschen aus, erläutert Reinking. ASP könne bereits sehr schnell durch infizierte Essensreste mit rohem Schweinefleisch, die an Raststellen entsorgt werden, nach Deutschland eingetragen werden. So soll eine infizierte Wurststulle  Auslöser für den jüngsten Krankheitsausbruch in Tschechien gewesen sein. Denn Wildschweine suchen im Abfall nach Nahrung und können sich so anstecken. Auch Schuhe, Kleidung oder Jagdausrüstung mit Blut der Tiere seien eine Gefahr, das Virus zu verbreiten.

„Prävention ist das A und O“, sagt die Sprecherin des Bundesforschungsinstitutes. Dazu zählen Informationsveranstaltungen von Bundes- und Landesbehörden sowie der Landkreise, um Übertragungswege sowie Möglichkeiten des Schutzes aufzuzeigen.

Auch die Jagd auf die in Deutschland vielerorts sehr große Schwarzkittelpopulation wurde intensiviert. Abschussprämien, wie sie in Brandenburg und anderen Bundesländern gezahlt werden, sind ein Weg, dem Seuchenausbruch entgegenzuwirken. Weniger Wildschweine, die Virenüberträger sind, bedeute auch eine geringere Ansteckungsgefahr.

In Brandenburg neu ist seit Jahresbeginn außerdem das Zahlen einer Aufwandsentschädigung von 30 Euro für jede Probe, die Jäger von toten Wildschweinen nehmen und an das zuständige Untersuchungslabor senden, erklärt Landestierarzt Dr. Stephan Nickisch gegenüber der RUNDSCHAU. Wichtig sei es, so viel Untersuchungsmaterial wie möglich zu bekommen. Denn durch eine große Anzahl Proben stiegen die Chancen für eine Früherkennung der Krankheit und schnelles Handeln, um den Schaden zu begrenzen, erklärt Nickisch.

Im November 2017 habe sich das Land – wie auch der Freistaat Sachsen – an einer bundesweiten Übung beteiligt, bei der Maßnahmepläne und die Kommunikation zwischen Behörden von Bund, Ländern und Landkreisen bei einem Schweinepest-Fall getestet wurden, berichtet Nickisch. Dabei ging man von einem fiktiven Fund eines mit Schweinepest infizierten Wild­schweins bei Burg (Spree-Neiße-Kreis), aus. Zudem sei die länderübergreifende Kooperation auf die Probe gestellt worden. Ein simulierter Fall in Mecklenburg-Vorpommern stellte den Landkreis Prignitz im Norden vor Herausforderungen. Die Übung sei erfolgreich verlaufen, sagt Nickisch. Doch in Brandenburg sei wie in ganz Deutschland die Sorge vor dem Ernstfall groß. Bereits ein infiziertes Tier würde den Handel mit Schweinen außerhalb der EU zum Erliegen bringen, mit dramatischen wirtschaftlichen Folgen.

Zuletzt hatten Ende vergangenen Jahres neue Fälle in der Nähe von Warschau und im tschechischen Zlin an der Grenze zur Slowakei – nur wenige Hundert Kilometer von der deutschen Grenze entfernt –  in Deutschland die Alarmglocken schrillen lassen und Präventionsaktivitäten intensiviert.

Die Nachbarländer forcieren ebenfalls bereits seit Monaten den Kampf gegen die Ausbreitung der Seuche. Wie das Fachmagazin „top agrar online“ berichtete, habe der polnische Präsident Andrzej Duda zum Jahreswechsel eine „Sondermaßnahme zur wirksamen Bekämpfung der ASP“ unterzeichnet. Danach sollen Jäger sechs Tage Sonderurlaub für die Jagd auf Wildschweine bekommen. Teil des Pakets seien auch zusätzliche Kompetenzen für die Behörden bei der Bekämpfung der Krankheit sowie bei der Kontrolle und bei Sanktionen gegen die Unternehmen.

Zu höchst ungewöhnlichen Mitteln hat man schon Anfang November 2017 in Tschechien gegriffen. Hier wurden Scharfschützen zur Jagd auf Schwarzkittel verpflichtet. 16 Polizisten gingen mit Nachtsichtgeräten und Wärmebildkameras ausgerüstet auf die Pirsch. Bis Ende Januar soll dieser Einsatz nach Informationen des Nachrichtenportals „agrarheute“ noch dauern. In Tschechien war die Krankheit erstmals im Juni des vergangenen Jahres ausgebrochen.

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) bezeichnete die Lage in dieser Woche als „durchaus ernst“. „Wir versuchen, uns bestmöglich vorzubereiten“, sagte Schmidt gegenüber der „Passauer Neuen Presse“. Der Minister rief zu strikten Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen auf. „Vom Schweinehalter über den Händler bis zum Reisenden muss jeder helfen, die Ausbreitung zu verhindern.“ Mit Plakaten und Warnhinweisen werden bereits seit einiger Zeit Handel, Jäger und Transportunternehmen zu erhöhter Sensibilität aufgerufen.

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist laut Friedrich-Löffler-Institut eine anzeigepflichtige Tierseuche, die für Haus- und Wildschweine nahezu immer tödlich verläuft. Der ASP-Erreger ist für den Menschen ungefährlich. Ein Impfstoff gegen die Seuche existiert nicht. Eine Einschleppung in Zuchtbetriebe könnte deshalb zu großen wirtschaftlichen Schäden führen.

Umfassende Informationen zu ASP und Prävention auf www.fli.de

Auf der Autobahn 19 bei Lalendorf (Mecklenburg-Vorpommern) warnen Aushänge des Bundes-Landwirtschaftsministeriums vor der Seuche, die auch durch Lebensmittel übertragen werden kann.
Auf der Autobahn 19 bei Lalendorf (Mecklenburg-Vorpommern) warnen Aushänge des Bundes-Landwirtschaftsministeriums vor der Seuche, die auch durch Lebensmittel übertragen werden kann. FOTO: Bernd Wüstneck / dpa