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| 02:40 Uhr

Kein Geständnis, keine Reue – lange Haft

Die zu fünf bis sechs Jahren Haft verurteilen Denny M. , Markus W. und Andre S. wollen Revision beantragen.
Die zu fünf bis sechs Jahren Haft verurteilen Denny M. , Markus W. und Andre S. wollen Revision beantragen. FOTO: M. Helbig/mih1
Cottbus. Sie hatten auf Freispruch gehofft. Doch das Landgericht Cottbus verurteilte drei Männer, darunter einen Deutschen Meister im Kickboxen, wegen schwerer Körperverletzung zu mehrjähriger Haft. Sie werden Revision einlegen. Simone Wendler

Für das Gericht war es nach fünf Monaten Verhandlung erwiesen, dass Markus W. die treibende Kraft der blutigen Attacke auf einen Cottbuser Hells Angel war. Er habe, um sich an dem Rocker zu rächen, an einem Freitagnachmittag im Februar 2013 in der Cottbuser Innenstadt eine größere Gruppe von Männern zusammengetrommelt und das spätere Opfer mit einem Anruf auf die Straße gelockt.

Dem zurückweichenden Rocker seien die drei Angeklagten dann gefolgt, hätten ihn mit Schlägen und Tritten traktiert, ihm zwölf Messerstiche beigebracht, wovon einer die Schlagader im Oberschenkel durchtrennte. Markus W. und Denny M. müssen dafür fünf Jahre Haft verbüßen, der mehrfach vorbestrafte Andre S. noch ein Jahr mehr. Die Staatsanwaltschaft hatte jeweils noch eineinhalb Jahre mehr Gefängnis gefordert und eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags. Denn nur der schnellen Hilfe durch Anwohner war es zu verdanken, dass der lebensgefährlich verletzte Rocker überlebte.

"Sie können sich bei diesen Zeugen bedanken, sonst säßen sie wegen eines Tötungsdeliktes hier", sagte der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer, Frank Schollbach, in der sehr ausführlichen Urteilsbegründung zu den Verurteilten. Dem Vorwurf eines versuchten Totschlags folgte das Gericht jedoch nicht.

Es bewertete das blutige Geschehen als eine gemeinschaftliche schwere Körperverletzung. Die Täter hätten den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen, jedoch nicht von vornherein geplant.

Als erwiesen sah das Gericht die Schuld der Angeklagten durch zahlreiche Zeugenaussagen, die Auswertung von Handydaten und DNA-Spuren sowie ihr Untertauchen nach der Tat. Strafverschärfend wertete die Kammer, dass keiner der drei Angeklagten ein Geständnis abgelegt und Reue gezeigt habe.

Als völlig unglaubwürdig wertete die Schwurgerichtskammer zwei Zeugen, die erst während des Prozesses auftauchten. Einer hatte Markus W. ein scheinbar perfektes Alibi geliefert. Der andere behauptete, gerade zur Tatzeit mit dem Handy von W. in der Tasche in Tatortnähe unterwegs gewesen zu sein.

Begleitet wurde die Urteilsverkündung von der "Ehrbezeugung" von etwa 40 Sympathisanten der Angeklagten. Sie standen jeweils demonstrativ auf, als die Männer in Handschellen einzeln in den Saal geführt wurden. Zu Beginn der Urteilsverkündung blieben sie dagegen demonstrativ sitzen und erhoben sich erst nach Aufforderung des Vorsitzenden Richters von den Stühlen.

Unter den Sympathisanten waren Mitglieder der Vereinsspitze des Cottbuser Kickbox-Teams (KBTC). Der verurteilte Markus W., laut Verfassungsschutz ein gefährlicher Neonazi, war Mitbegründer des Vereins und jahrelang einer seiner Spitzenkämpfer und Deutscher Meister im Kickboxen. Weil sich der KBTC nicht glaubhaft von ihm distanzierte, wurde der Verein inzwischen aus dem Stadt- und aus dem Landessportbund ausgeschlossen.