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Kapitänin lenkt jetzt Brandenburgs Piraten

Ein Piratenparteitag kann auch an die Substanz gehen. Im Saal stand an mehreren Stellen Popcorn als Nervennahrung.
Ein Piratenparteitag kann auch an die Substanz gehen. Im Saal stand an mehreren Stellen Popcorn als Nervennahrung. FOTO: Frank Claus
Bad Liebenwerda. Die Bundestagskandidatin Anke Domscheit-Berg ist neue Landeschefin der brandenburgischen Piratenpartei. Sie setzte sich auf einem Landesparteitag in Bad Liebenwerda (Elbe-Elster) durch, als ihr Stellvertreter wurde Cornelius Everding gewählt. Benjamin Lassiwe

Brandenburgs Piraten haben ihre Landesspitze neu gewählt. Auf einem von gerade einmal 65 Parteimitgliedern nur schwach besuchten Parteitag in Bad Liebenwerda bestimmten die Politfreibeuter die bundesweit bekannte Internetaktivistin Anke Domscheit-Berg zu ihrer Landesvorsitzenden. Sie erhielt 32 von 63 gültig abgegebenen Stimmen. Im Herbst 2012 war Domscheit-Berg noch auf einem Parteitag der Brandenburger Piraten gescheitert: Bei der Aufstellung der Landesliste für die Bundestagswahl 2013 errang sie lediglich Listenplatz 2. Der bisherige Landesvorsitzende Michael Hensel war im Frühjahr zurückgetreten.

"Mein wichtigstes Ziel ist es, etwas mehr Einheit im Landesverband herzustellen", sagte die neue Landesvorsitzende am Sonntag der RUNDSCHAU.

Schatzmeister in der Kritik

Und das wird auch nötig sein: Denn der erste Tag des zweitägigen Parteitags war von stundenlangen Diskussionen über die Arbeit des Schatzmeisters geprägt. Dass Buchungen nicht im System der Bundespartei vorgenommen wurden, erregte die Brandenburger Piraten. "Wir sind ein überdurchschnittlich kritisches Volk", so Domscheit-Berg. "Aber die Energie, die wir auf uns selbst, nach innen, verwenden, fehlt uns bei Gesprächen mit Wählerinnen und Wählern." Angesichts zahlreicher anstehender Wahlen sei es eine wichtige Aufgabe der Partei, die eigenen Inhalte so zu vermitteln, dass die Wähler die Piraten als eine echte Alternative zur etablierten Politik ansehen. Bis zur Bundestagswahl will Domscheit-Berg vor allem den NSA-Abhörskandal und Überwachungstendenzen durch in- und ausländische Geheimdienste in Deutschland thematisieren.

Politik am und vom Küchentisch

Viel künftige Vorstandsarbeit der Piraten wird Domscheit-Berg dabei künftig am heimischen Küchentisch erledigen können: Zum Politischen Geschäftsführer des Landesverbands wählten die Delegierten des Parteitags ihren Gatten, den früheren Greenpeace-Sprecher Daniel Domscheit-Berg. Stellvertretender Landesvorsitzender wurde der Potsdamer Cornelius Everding. "Wir werden dadurch aber nicht zur Familienpartei", so Domscheit-Berg. "Im vorherigen Landesvorstand war auch ein Pärchen, aber vielleicht hat man das nach außen nicht so sehr gemerkt."

Die brandenburgischen Piraten haben derzeit 1060, davon 241 zahlende Mitglieder.