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| 19:03 Uhr

Mast
Mal eben 1,1 Millionen Hühner mehr. . .

 Tierschützer machen sich immer wieder stark gegen Massentierhaltung.
Tierschützer machen sich immer wieder stark gegen Massentierhaltung. FOTO: dpa / Jan Woitas
Potsdam. Das Potsdamer Landwirtschafts- ministerium korrigiert eine Parlamentarische Anfrage – und es entsteht ein schlimmer Verdacht. Von Benjamin Lassiwe

Es ist eines der wichtigsten Themen für die Brandenburger Grünen: Der Kampf gegen die Massentierhaltung. Jahr für Jahr stellt der Spreewälder Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke deswegen eine „Kleine Anfrage“ im Potsdamer Landtag. Er will wissen, wie viele Tiere es wo gibt, und erkundigt sich deswegen nach den für große Ställe nötigen Genehmigungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Und aus den Antworten ist dann ersichtlich, dass zum Beispiel in Biesenthal im Barnim in einem Stall rund 402 000 Stück Mastgeflügel gehalten werden dürfen. Oder dass in Möckern 1♦022♦000♦Masthähnchen in ein- und demselben Komplex untergebracht sind, während die meisten Agrargenossenschaften und landwirtschaftlichen Betriebe im Land eher eine mittlere Größe haben. Mehr als 1000♦Rinder oder mehr als 5000 Schweine werden von den wenigsten Unternehmen an einem Ort gehalten.

Zuletzt hatte Raschke seine Anfrage im vergangenen Sommer gestellt, für diesen Sommer ist sie bereits in Vorbereitung. Um so erstaunter war der Abgeordnete, als er am Donnerstag eine Aktualisierung der Antworten aus dem vergangenen Jahr in der Parlamentsdokumentation des Potsdamer Landtags fand. „Ich bin vom Ministerium nicht benachrichtigt worden und habe das einfach durch Zufall gesehen“, sagt Raschke.

Und bei näherem Hinsehen stellte sich heraus: Das Potsdamer Landwirtschaftsministerium hat die Antworten aus dem vergangenen  Jahr ergänzt. In einer Tabelle wurden eine Reihe von Tierhaltungsanlagen ergänzt, die man bis dahin wohl vergessen hatte: Konkret handelt es sich um zwei Betriebe in Bestensee, die Plätze für 1,1 Millionen und 700♦000♦Hennen vorhalten. Außerdem fehlten eine Rinderhaltung in Pretschen, eine Ferkelaufzucht in Drahnsdorf und eine Sauenhaltung in Lubolz in der Übersicht. Das Potsdamer Landwirtschaftsministerium bestätigte auf Anfrage der RUNDSCHAU die Fehler: „Bei der Übersendung der Anlage 1 sind fünf Zeilen der Excel-Tabelle abhanden gekommen, deshalb haben wir die Datei nochmals übermittelt“, sagte der Sprecher des Ministeriums, Jens-Uwe Schade. „Der Landtag hat das dann als Neudruck indiziert.“

Allerdings geschah das Missgeschick bereits vor annähernd einem Jahr. Raschke selbst musste die originale Antwort erst einmal im Archiv der Grünen suchen lassen. Warum der Fehler ausgerechnet jetzt bemerkt und die geänderte Anfrage an den Landtag geschickt wird, ohne dass der betreffende Abgeordnete darüber informiert wird? Benjamin Raschke ist das ein Rätsel. „Auch ein Mitarbeiter im Ministerium ist nur ein Mensch und darf mal Fehler machen“, sagte Raschke. „Aber die Frage ist dann, wie man mit den Fehlern umgeht.“ Denn wenn ein Ministerium einfach so Antworten auf Parlamentarische Anfragen in der Datenbank des Brandenburger Landtags austauschen könne, müsse man „sicherstellen, dass da nicht einfach Antworten frisiert werden“. Immerhin sei die Zahl der Tiere in der korrigierten Antwort um mehr als eine Million gewachsen. „Dem werden wir nachgehen“, sagte Raschke.

Am Thema Massentierhaltung will der Spreewälder Landtagsabgeordnete ohnehin dran bleiben. „Mir geht es darum, regelmäßig zu überprüfen, ob der Landtagsbeschluss zum Volksbegehren zur Massentierhaltung umgesetzt wird“, sagte Raschke „Mir geht es darum, ob wir uns von einer Haltung von vielen Tieren in wenigen Ställen weg entwickeln zu einer dezentralen bäuerlichen, regional verträglichen Landwirtschaft.“

Doch bisher laute das Prüfungsergebnis jedes Jahr: „Nein“.