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Flüchtlingshilfe
Jesiden werden mit einer Million Euro unterstützt

Potsdam. Brandenburg will in diesem Sommer mit seinem Aufnahmeprogramm beginnen. Staatssekretär Martin Gorholt reist in den Irak. Von Benjamin Lassiwe

Mehr als 400 Menschen sollen ums Leben gekommen sein, 150 000 befinden sich auf der Flucht. Seit türkische Truppen die Stadt Afrin im Norden Syriens eingenommen haben, ist in einem bislang relativ sicheren Landesteil der Krieg zurückgekehrt. Besonders davon betroffen ist die religiöse Minderheit der Jesiden: Wieder werden ihre Frauen und Mädchen verschleppt, wieder werden Heiligtümer geschändet. Denn unter den mit den Türken verbündeten, oft aus Islamisten bestehenden Truppen der Freien Syrischen Armee gelten Jesiden als Ungläubige, sagt Melav Bari. Die Medizinerin ist Mitglied im Bundesvorstand des Verbandes jesidischer Akademiker in Deutschland.

Gestern berichtete sie in der Brandenburger Landespressekonferenz von der Situation in ihrem Heimatland – und verglich die Lage in Afrin mit dem Anfang des Genozids, dem 2014 in dem vom IS eroberten Nordirak tausende Jesiden zum Opfer fielen. Unterstützt wurde die Jesidin von der Landtagsabgeordneten Andrea Johlige (Linke): Iim Norden Syriens schicke „ein Nato-Staat islamistische Söldner vor, um Menschen abzuschlachten.“ Man könne davon ausgehen, dass dort „schwerste Menschenrechtsverletzungen stattfinden“, sagte Johlige. In den sozialen Medien kursiere das Bild eines Leopard-Panzers, der aus Deutschland geliefert wurde, vor dem Rathaus in Afrin. „Wenn dort wieder ein Völkermord geschieht, ist die Bundesregierung in Mithaftung.“ Johlige gehört ebenso wie Landtagsvizepräsident Dieter Dombrowski (CDU), Axel Vogel (Grüne) und Ursula Nonnemacher (Grüne) zu einer Gruppe von Abgeordneten, die sich nachhaltig dafür einsetzen, dass das Land Brandenburg ein eigenes Aufnahmeprogramm für jesidische Flüchtlinge schafft. Mehrfach hatte der Landtag entsprechende Beschlüsse gefasst.

Und wie der Beauftragte für internationale Beziehungen des Landes Brandenburg, Staatssekretär Martin Gorholt (SPD) erklärte, gehe es nun auch voran: Das Land wolle ab dem Sommer bis zu sechzig jesidische Flüchtlinge aus dem Nordirak aufnehmen. Im Nachtragshaushalt habe der Landtag 500 000 Euro für Hilfe vor Ort und 500 000 Euro für die Aufnahme von Jesiden in Brandenburg bewilligt. Im Nordirak wolle man eine Unterkunft für aus der IS-Gefangenschaft entkommene Frauen schaffen sowie mit der Organisation „Mission East“ ein Gemeinschaftszentrum in der Region Sindschar schaffen. Die Aufnahme von Flüchtlingen in Brandenburg solle in Kooperation mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR geschehen. Dabei soll es sich vorrangig um Frauen und ihre in IS-Gefangenschaft geborenen Kinder handeln. Gorholt kündigte an, Anfang Mai zu diesem Thema  selbst in den Irak zu reisen. „Wir in Brandenburg tun etwas, während sich der Bund und die anderen Bundesländer zurückhalten“, sagte Johlige.