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| 19:34 Uhr

Saison der Waldbrandstifter
Jeder fünfte Waldbrand ist mit Absicht gelegt

 Getreide- und Waldbrand zwischen Theisa und Schadewitz auf drei Hektar, 140 Kameraden aus 16 Ortsfeuerwehren im Einsatz
Getreide- und Waldbrand zwischen Theisa und Schadewitz auf drei Hektar, 140 Kameraden aus 16 Ortsfeuerwehren im Einsatz FOTO: LR / Jens Berger
Cottbus. Trockenheit und Hitze der vergangenen Wochen haben die Lausitz wieder einmal zum Waldbrandland gemacht. Doch nicht nur das Wetter ist schuld. Mindestens jeder fünfte Brand wird absichtlich gelegt. Von Bodo Baumert

Während in Mecklenburg der Riesenwaldbrand um Lübtheen wütet, kommt auch die Lausitz nicht zur Ruhe. Täglich müssen Wehren der Region zu kleineren und größeren Flächenbränden ausrücken. Auch das Feuer in der Lieberoser Heide ist noch nicht gelöscht.

 Was die Brandstifter oft nicht sehen: Für die Freiwilligen der Feuerwehren bedeutet ihr Zündeln harte und gefährliche Arbeit.
Was die Brandstifter oft nicht sehen: Für die Freiwilligen der Feuerwehren bedeutet ihr Zündeln harte und gefährliche Arbeit. FOTO: dpa / Jens Büttner

172 Waldbrandstifter 2018

Grund für die Einsätze der Lausitzer Wehren ist oft der Mensch. Denn mindestens jeder fünfte Brand wird absichtlich gelegt. Das belegen Zahlen der Landespolizei. 172 Brandstiftungsfälle „Wald“ sind dort für das Jahr 2018 registriert. Noch 34 davon wurden fahrlässig ausgelöst. das heißt: In 138 Fällen haben Brandstifter mutwillig agiert. Bei 512 Waldbränden, die des Landesbetrieb Forst 2018 insgesamt gezählt hat, ist das eine beachtliche Summe.

Bestätigt wir die Erkenntnis der Polizei auch durch die zahlen der Landesregierung. So berichtete der Waldbrandschutzbeauftragte Raimund Engel dem RBB für das laufende Jahr von 277 Waldbränden. 49 davon sollen nach bisherigen Erkenntnissen auf Brandstiftung zurückgehen.

 Seit anderthalb Wochen sind Lausitzer Wehren in der Lieberoser Heide im Einsatz.
Seit anderthalb Wochen sind Lausitzer Wehren in der Lieberoser Heide im Einsatz. FOTO: dpa / Bernd Settnik

Immer wieder Waldbrände in Elbe-Elster

Die jüngsten Einsätze in der Lausitz scheinen diese Einschätzung zu bestätigen. So hat die Polizei etwa nach dem Brand mehrere Strohballen bei Frankena (Elbe-Elster) Ermittlungen aufgenommen. Auch die Waldbraände bei Thesa und Rückersdorf am Samstag wirft Fragen auf. In beiden Fällen gehen Polizei und Feuerwehr von Brandstiftung aus.

Dass Elbe-Elster ein Schwerpunktgebiet ist, ist auch in den zhaln der Polizei erkennbar. Die meisten strafrechtlich relevanten Waldbrände verzeichnete demnach 2018 der Landkreis Oberhavel (32 Fälle), gefolgt von Elbe-Elster (23 Fälle) und Teltow-Fläming (22 Fälle).

Calauer Feuerwehrmann als Brandstifter

In Calau hat jüngst ein 18-jähriger Kamerad der Freiwilligen Feuerwehr gestanden, mehrere Brände gelegt zu haben. Unter anderem war er verantwortlich für 1500 Quadratmeter Waldboden zwischen Werchow und Plieskendorf, die in Flammen standen.

Um die Brandursache zu klären, sind Experten der Polizei gefragt. Die Brandursachenermittler wissen, worauf sie zu achten haben. „Brandstifter zu überführen ist schwierig, gerade bei Serientätern braucht man viel Geduld“, sagt Kriminalhauptkommissar Frank Höer, einer der Brandursachenermittler in Cottbus.

Schon eine Zigarette kann einen Waldbrand auslösen

 Hinweise auf Brandstiftung können zum Beispiel Brandbeschleuniger sein. Aber oft reicht schon eine Zigarette aus, um einen Waldbrand zu entzünden.

Engel mahnte deshalb zur Vorsicht. Spaziergänger sollten nicht so tief im Wald wandern und auch ein Handy dabei haben. Wenn ein Brand entdeckt werde, sollte sofort die Feuerwehr alarmiert werden. Menschen, die im Wald Feuer machen oder rauchen, sollten angesprochen werden. „Da kann jeder Zivilcourage zeigen“.

Waldbrandgefahr bleibt hoch

Ein Ende der Waldbrandgefahr ist übrigens nicht in Sicht. „Es muss ganz, ganz viel regnen, bis die Gefahr gebannt ist“, sagt der Sprecher des Landesbetriebes Forst. 30 Liter pro Quadratmeter wären nötig.

(mit dpa)