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Jeder fünfte Brandenburger macht sich nach Unfall aus dem Staub

Beim Gewerbegebietsfest Mitte September 2012 im Senftenberger Laugkfeld soll er, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Menschen durch seine unangemessene Geschwindigkeit genötigt haben.
Beim Gewerbegebietsfest Mitte September 2012 im Senftenberger Laugkfeld soll er, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Menschen durch seine unangemessene Geschwindigkeit genötigt haben. FOTO: Fotolia
Potsdam. Einen Außenspiegel abgeknickt: Bestenfalls ist es nur ärgerlich, wenn der Verursacher nach einem Verkehrsunfall einfach abhaut. Manchmal hat es auch schlimme Folgen. dpa/bb

Fast jeder fünfte Brandenburger Autofahrer macht sich nach einem Verkehrsunfall einfach aus dem Staub. Damit liegt Brandenburg weit über dem Bundesdurchschnitt, wo im vergangenen Jahr etwa bei jedem zehnten Unfall (10,6 Prozent) ein Beteiligter Fahrerflucht beging. In der überwiegenden Zahl der Fälle handele es sich um kleinere Blechschäden innerhalb geschlossener Ortschaften, sagte der Sprecher des Brandenburger Polizeipräsidiums, Mario Heinemann, auf Anfrage. Im vergangenen Jahr gab es nach der amtlichen Statistik 82 611 Verkehrsunfälle. In 16 701 Fällen fuhr einer der Beteiligten unerlaubt davon. Diese Zahl ist seit 2010 weitgehend stabil.

„Diese insgesamt hohe Zahl im Vergleich zur Gesamtzahl der Verkehrsunfälle könnte damit begründet sein, dass bei vielen Bürgern eine Unfallflucht als "Kavaliersdelikt" gilt und auch ein gewisses Unrechtsbewusstsein fehlt“, sagte Heinemann. Genauere Erhebungen lägen dazu aber nicht vor. Häufig vorgebrachte Ausreden der erwischten Verursacher seien etwa „Da war noch Platz. Ich bin nicht dagegen gefahren“, „Es war nichts zu sehen“, „Ich habe nichts gemerkt“ oder „Das andere Auto war bereits beschädigt“.

Im vergangenen Jahr konnten knapp 6600 Fahrer nach ihrer Flucht von der Polizei gestellt werden, gut 1500 mehr als noch 2010. Nicht immer ging es dabei um Bagatellschäden: 2016 wurden 5 Menschen bei einer Unfallflucht getötet, gegenüber jeweils 2 Toten im Vorjahr und im Jahr 2010. Größere Sachschäden über 5000 Euro hatten die flüchtigen Verursacher im vergangenen Jahr bei 420 Unfällen angerichtet.