Brände, Böller, Bambule: Die Berliner Feuerwehr hat zum Jahreswechsel mehr als 1.700 Einsätze gefahren, fast 700 mehr als vor einem Jahr während der Corona-Beschränkungen. Das geht aus einer vorläufigen Bilanz vom Neujahrsmorgen hervor. Von Knallern und Raketen wurden demnach 22 Menschen verletzt.
In 38 Fällen seien Einsatzkräfte angegriffen und 15 von ihnen verletzt worden. Einer der verletzten Retter musste sogar ins Krankenhaus. „Dieses Verhalten ist durch nichts zu rechtfertigen und ich kann es nur auf das Schärfste verurteilen“, sagte Landesbranddirektor Karsten Homrighausen.
Auch in Frankfurt (Oder) wurde die Polizei mit Feuerwerk angegriffen. Zunächst beschossen sie einen Einsatzwagen der Bereitschaftspolizei mit Pyrotechnik. Als Polizisten die drei Männer stellen wollten, feuerten diese weitere Böller gegen die Polizei ab. Verletzt wurde bei der Attacke niemand, wie die Polizei am Sonntag weiter mitteilte. Die Tatverdächtigen seien zunächst unerkannt entkommen.
Einer der Unbekannten verlor weiteren Angaben nach auf der Flucht einen Beutel, in dem sich unerlaubte Pyrotechnik der Klasse F3 befand. Erworben werden durfte in Deutschland Feuerwerk der Gefahrenklassen F1 und F2. Alles darüber hinaus ist nur ausgebildeten Feuerwerkern erlaubt.
In Prenzlau in der Uckermark zündete den Angaben zufolge ein 36-Jähriger am Silvesterabend mehrfach Raketen in Richtung Polizeiinspektion. Zudem warf der Mann mehrfach Böller in Richtung der abgestellten Dienstwagen. Als ihn zwei Polizisten daraufhin ansprachen, wurde der Mann aggressiv, schlug auf die Beamten ein und beleidigte sie. Die Polizei nahm ihn zum Jahreswechsel in Gewahrsam.
Als Reaktion auf die Angriffe mit Böllern und Raketen auf Polizisten und Feuerwehrleute fordert die Gewerkschaft der Polizei Berlin ein weitgehendes Böllerverbot. „Wir haben deutschlandweit gesehen, dass Pyrotechnik ganz gezielt als Waffe gegen Menschen eingesetzt wird“, kritisierte GdP-Landeschef Stephan Weh am Neujahrsmorgen. Das müsse ein Ende haben.
Die Feuerwehr hatte wie üblich den „Ausnahmezustand Silvester“ ausgerufen, um Führungsdienste und Personal für die „arbeitsreichste Nacht des Jahres“ aufzustocken. Insgesamt waren 1.471 Kräfte mit 395 Fahrzeugen im Dienst, wie es hieß. Sie wurden den Angaben zufolge zwischen 19 Uhr am Silvesterabend und 6 Uhr am Neujahrsmorgen 1.717 Mal gerufen - unter anderem zu 749 Bränden und zu 825 anderen Rettungsdiensteinsätzen.
Zum Vergleich: In der Silvesternacht vor einem Jahr, für die offiziell kein Feuerwerk verkauft werden durfte, waren es in der gleichen Zeit insgesamt 1026 Einsätze. Üblich sind 1.400 Einsätze binnen 24 Stunden. Zu den größten Lagen dieses Jahr zählten drei größere Brände in Wittenau, Alt-Hohenschönhausen und Britz. In Britz etwa stand der Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses auf 200 Quadratmetern in Vollbrand. Mehr als 80 Kräfte waren im Einsatz.
Die Feuerwehr selbst zog als Fazit, man sei auf die Neujahrsnacht gut vorbereitet gewesen, aber überrascht „von der Masse und der Intensität der Angriffe auf unsere Einsatzkräfte“. So seien unter anderem Bierkisten und Feuerlöscher auf Fahrzeuge geworfen worden, Retter seien beim Löschen mit Pyrotechnik beschossen oder Einsatzfahrzeuge geplündert worden. Branddirektor Homrighausen kündigte an, alle Fälle anzuzeigen.

Diese schweren Unfälle ereigneten sich in der Silvesternacht 2022 in Deutschland:

  • In Leipzig ist in der Silvesternacht ein 17-Jähriger während des Hantierens mit Feuerwerk tödlich verletzt worden. Der junge Mann sei im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen, teilte die Leipziger Polizei am Sonntag mit. Ein Fremdverschulden sei in dem Fall bislang auszuschließen. Weitere Details nannten die Beamten zunächst nicht.
  • Im nordrhein-westfälischen Unna ist ein zweijähriges Kind in der Silvesternacht durch Feuerwerk schwer verletzt worden. Der Junge war gegen Mitternacht mit seinen Eltern auf der Straße, um den Jahreswechsel zu feiern, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Dabei sei "ein pyrotechnischer Gegenstand in die Kapuze" des Kindes gelangt. Noch bevor die Eltern den Böller herausholen konnten, explodierte dieser. Der Junge wurde schwer verletzt in eine Unfallklinik verlegt.
  • Ein Mann aus Weißenfels in Sachsen-Anhalt hat sich in der Silvesternacht schwere Verletzungen beim Zünden eines Böllers zugezogen. Er habe sich „die linke Hand komplett weggesprengt, da war nichts mehr zu retten“, sagte der Leitende Oberarzt der Spezialklinik für Handchirurgie und Brandverletzungen des BG Klinikums Bergmannstrost, Cord Corterier, am Sonntag, 1. Januar. Außerdem sei er auch an der rechten Hand verletzt und habe das linke Augenlicht verloren.

Stand am frühen Neujahrsmorgen:

In Berlin ist es rund um den Jahreswechsel zu mehreren Zwischenfällen mit Silvesterfeuerwerk gekommen. Wie die Polizei der Hauptstadt in der Nacht zum Sonntag im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb, wurden Polizisten und Feuerwehrleute beim Löschen eines brennenden Autos „massiv mit Böllern angegriffen“.
„Wir sichern die Brandbekämpfung jetzt mit zusätzlichen Einsatzkräften.“ Im Stadtteil Tempelhof sei ein Linienbus mit Pyrotechnik und einem Feuerlöscher beworfen worden. Dabei sei die Frontscheibe zerstört worden. Im Stadtteil Lichtenrade versuchten laut Polizei 60 bis 80 Menschen, ein Fahrzeug mit Feuerwerk anzuzünden.
Ebenfalls in der Hauptstadt wurden die Scheiben eines Ladens „weggeböllert“. „Unsere Kolleg. kamen schnell und wurden dann sprichwörtlich unter Beschuss genommen“, twitterte die Polizei. Ein Beamter habe Verletzungen erlitten. In Mitte sei eine Frau durch einen Böller am Hals verletzt worden. Auch aus anderen Stadtteilen meldete die Polizei Einsätze im Zusammenhang mit Feuerwerk: „Idioten schießen gezielt mit Pyro auf Passanten in #Moabit.“
Die Berliner Feuerwehr war in der Neujahrsnacht unter anderem zu drei größeren Bränden in Wittenau, Alt-Hohenschönhausen und Britz ausgerückt. Im Bernshausener Ring in Wittenau brannten demnach eine Wohnung und mehrere Balkone, wie die Feuerwehr in der Nacht zum Sonntag auf Twitter mitteilte. Vier Menschen hätten sich selbst gerettet, eine weitere Person sei ins Krankenhaus gekommen. Details wurden zunächst nicht bekannt.
In Britz wiederum stand demnach der Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses auf 200 Quadratmetern in Vollbrand. Mehr als 80 Einsatzkräfte waren dort am frühen Sonntagmorgen vor Ort oder auf der Anfahrt. Angaben zu Verletzten machte die Feuerwehr zunächst nicht.
Auch auf der Landsberger Allee in Alt-Hohenschönhausen war die Feuerwehr im Einsatz. Dort brannten demnach mehrere Balkone an einem Hochhaus.
Die Feuerwehr in Berlin war in der Silvesternacht teilweise innerhalb von einer Stunde zu mehr als 40 Brandeinsätzen ausgerückt. Allein rund 60 Einsatzkräfte waren mit einem größeren Kellerbrand in der Urbanstraße in Berlin-Kreuzberg beschäftigt, sagte ein Feuerwehrsprecher gegen 21.30 Uhr.
Seit 19.00 Uhr am Samstagabend befand sich die Feuerwehr im „Ausnahmezustand Silvester“. Das heißt, dass etwa dreimal so viele Einsatzkräfte unterwegs waren wie normalerweise. Laut Feuerwehr sind mehr als 1200 Kräfte im Einsatz.

Polizei in Berlin Silvester 2022 im Ausnahmezustand

Im Ausnahmezustand war auch die Berliner Polizei. Auf Twitter informierte sie über zahlreiche Schlägereien, beschlagnahmte Schreckschusspistolen, Raketenschüsse auf Gebäude und Passanten und einen Balkonbrand.
Im Stadtteil Tiergarten waren vier Menschen in den Zoo geklettert und mussten von den Beamten herausgeholt werden.
„Auf der Sonnenallee in #Neukölln scheint bereits 0 Uhr zu sein. Man hat sich in größeren Gruppen auf ihr versammelt und begrüßt knallend das neue Jahr“, twitterte die Polizei.
Auf der Straße des 17. Juni hinter dem Brandenburger Tor hat die Polizei in der Silvesternacht mehrere Menschen festgenommen. Dies sei etwa wegen des Feuerns von Pyrotechnik, Körperverletzungen oder wegen des Gebrauchs von Schreckschusspistolen geschehen, sagte ein Polizeisprecher. Näheres wurde zunächst nicht bekannt.
Die ZDF-Silvesterparty war rund eine Stunde nach Mitternacht beendet. Die Polizei habe dann begonnen, die Menschen rund um das Brandenburger Tor zu ermuntern, nach Hause zu gehen. Die ZDF-Silvesterfeier am Brandenburger Tor war deutlich kleiner angelegt als in früheren Jahren. Die rund 2500 Karten für die Show waren alle vergriffen. Gekommen waren laut Polizei am Ende aber nur rund 1.300 Menschen, die über Stunden friedlich und ausgelassen zu DJ Bobo, Sasha oder Laurell schunkelten und klatschten.
Bei einem Kellerbrand in Berlin-Lichtenrade sind in der Silvesternacht drei Menschen verletzt worden. Es brannten Kellerräume in einem Mehrfamilienhaus, wie die Feuerwehr mitteilte. Zur Brandursache und zur Schwere der Verletzungen wurde zunächst nichts bekannt. Die Feuerwehr konnte den Einsatz schnell abschließen.
In einem Wohnhaus in Teupitz im Süden Brandenburgs im Landkreis Dahme-Spreewald gab es eine Explosion und zwei Verletzte. Die Polizei geht von Feuerwerk als Ursache aus. Im Keller machte sie einen weiteren Fund.

Deutlich mehr Einsätze der Polizei in Brandenburg

Die Polizei in Brandenburg ist zum Jahreswechsel zu deutlich mehr Einsätzen ausgerückt als in den vergangenen beiden Corona-Jahren. Sie zählte nach eigenen Angaben 600 Einsätze in der Silvesternacht, im Jahr davor waren es 507. Zum Jahreswechsel 2020 / 2021 hatte die Zahl der Einsätze bei 573 gelegen.
Allein 74 Mal ging es um Körperverletzung, 59 Einsätze wurden im Zusammenhang mit Pyrotechnik gezählt. Bei 14 Einsätzen drehte es sich um Sachbeschädigung, 27 Mal rückten die Beamten wegen Ruhestörung aus.
Nach Angaben des Sprechers des Polizeipräsidiums Brandenburg, Mario Heinemann, waren Hunderte Polizisten in 150 Streifenwagen in der Silvesternacht unterwegs, darunter auch Kräfte der Bereitschaftspolizei. Sonst seien es durchschnittlich 100 Wagen.
Anders als in der Hauptstadt Berlin ist die Polizei in Brandenburg auch verstärkt in der Fläche präsent: Das bedeutet Einsätze in vierzehn Landkreisen - von Uckermark und Prignitz bis in den südlichen Kreis Elbe-Elster. Regionale Schwerpunkte bei den Einsätzen in der Silvesternacht gab es dem Sprecher zufolge nicht.
Zum Jahreswechsel hätten auch deutlich mehr Menschen den Notruf gewählt. Dabei habe Ruhestörung eine untergeordnete Rolle gespielt, sagte Heinemann. Bis Sonntagmorgen wurden 855 Anrufe registriert, im vergangenen Jahr waren es den Angaben zufolge 688.