Das geplante neue Brandenburger Jagdgesetz sorgt für kontroverse Debatten zwischen Jagdverbänden und Naturschützern. Beide Seiten gaben am Freitag ihre Stellungnahmen zum Jagdgesetzentwurf des zuständigen Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz ab. Bei mit der Jagd befassten Organisationen und Verbänden stößt der Entwurf auf massive Kritik. In einem Positionspapier lehnen sie ihn als „wildtierfeindlich“ ab. Naturschutzverbände, Vereine und Waldwirtschaftler stellten sich hingegen hinter den Entwurf von Umwelt- und Agrarminister Axel Vogel (Grüne) und sehen eine Herstellung der Einheit von Wald und Wild.
Vogel will mit der Veränderung des Jagdgesetzes eine bessere Regulierung des Wildbestandes bei höherem Tierschutz erreichen. Der Wald leide unter den Folgen der Klimakrise, hatte er bei Vorstellung des Entwurfs gesagt. Dieser sieht unter anderem vor, dass Waldeigentümer mit mindestens zehn Hektar eigene Jagdbezirke gründen können - nicht mehr nur ab 150 Hektar oder im Ausnahmefall die Hälfte.

Monokultur bei Kiefernwäldern in Mischkultur umwandeln

Damit erhielten Bewirtschafter von kleineren Flächen mehr Mitsprache und könnten bestimmen, wie auf ihrem Terrain gejagt werde, sagte Enno Rosenthal, Vorsitzender des Waldbauernverbandes Brandenburg e.V. am Freitag bei einer Online-Pressekonferenz. Denn ab 150 Hektar seien 99 Prozent der Grundeigentümer von der Jagd auf eigenem Grund und Boden ausgeschlossen. Seine Mitglieder wollten einen gepflegten Wald und müssten die Gelegenheit bekommen, Monokultur bei Kiefernwäldern in Mischwälder umzuwandeln. Das sei nur möglich, wenn das Schalenwild - etwa Damwild oder Rehe - begrenzt werde.
Hohe Schalenwildbestände behinderten die natürliche Regeneration der Wälder und führten zu drastischem Rückgang der Artenvielfalt, warnte Eckhard Fuhr, Vize-Vorsitzender des Ökologischen Jagdvereins Berlin-Brandenburg. Der Klimawandel erhöhe den Handlungsdruck. Hinter der Neuausrichtung der Jagd stünden drei Leitideen. „Das sind die Stärkung der Eigentümer durch drastische Reduzierung der Mindestgröße für Eigenjagden, eine weitgehende Entbürokratisierung der Jagd durch Abschaffung aller Abschusspläne und die Stärkung des Tierschutzes.“

„Grober Verstoß“ gegen das Tierschutzgesetz

Der Waldumbau solle allein durch den verstärkten Abschuss von Pflanzenfressern gelingen, kritisieren dagegen sechs Organisationen, darunter der Deutsche Jagdverband (DJV), der Bundesverband Deutscher Berufsjäger (BDB) und die Deutsche Wildtier Stiftung in dem gemeinsamen Papier. Minister Vogel werfen sie einen fachlich schlecht formulierten Jagdgesetzentwurf vor, der ausschließlich den Wald im Fokus habe. Das seien gerade einmal 35 Prozent der Landesfläche.
Die Reduzierung der eigenen Jagdbezirke auf mindestens zehn Hektar halten die Jäger aus wildbiologischer Sicht für einen „groben Verstoß“ gegen das Tierschutzgesetz. Die Gefahr sei groß, dass dadurch Sozialstrukturen von Rudel bildenden Wildtieren mit großem Raumanspruch wie etwa dem Rothirsch zerstört würden.
Fuhr warf dem Landesjagdverband „Konfrontationspolitik“ und das Operieren mit „Halbwahrheiten“ vor. Ähnlich äußerte sich der Naturschutzbund Nabu. „Wir sollten uns einig sein, dass der Gesetzentwurf dafür da ist, dass wir unsere Natur erhalten“, sagte Verbandsvertreter Karl-Heinz Marschka.

Senftenberg / Calau

Die Organisationen und Verbände der Jäger wiesen in ihrem Positionspapier darauf hin, dass die Landesforstanstalt 2021 in einem Abschlussbericht zur Evaluierung des Waldumbaus festgestellt habe, dass 90 Prozent der Verjüngung auf den untersuchten Waldumbauflächen keine oder geringe Verbissschäden von Schalenwild aufwiesen. Naturschützer Peter Schendel von der Grünen Liga wies darauf hin, dass der Fakt, dass ein Großteil der untersuchten Fläche eingezäunt gewesen sei, von den Jagdverbänden nicht genannt worden sei.
Für wichtig hält der bekennende Jäger Neuerungen zur Stärkung des Tierschutzes im Rahmen der Jagdausübung. Dazu zähle die Einführung eines regelmäßigen qualifizierten Schießleistungsnachweises. „Wenn wir es schaffen, jagdlich die Wildbestände erstmal anzupassen, so dass sich die Lebensräume wieder verbessern, vertragen diese Ökosysteme auch höhere Wilddichten, zum anderen geht es diesen Tierarten sichtbar besser“, so Schendel. Seitdem er „waldangepasst“ jage, seien die Rehe vitaler geworden.