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| 02:40 Uhr

Innere Sicherheit und innerparteiliche Kritik

Macht es einer der "Berliner" Kandidaten Cem Özdemir (l.) und Anton Hofreiter oder das Nordlicht Robert Habeck (r.)?
Macht es einer der "Berliner" Kandidaten Cem Özdemir (l.) und Anton Hofreiter oder das Nordlicht Robert Habeck (r.)? FOTO: dpa
Berlin. Die Grünen suchen derzeit ihre Topleute für die Bundestagswahl: eine Frau – Katrin Göring-Eckardt ist die einzige Kandidatin und somit gesetzt. Um den anderen Platz ringen drei Männer: Anton Hofreiter, Cem Özdemir und Robert Habeck. Die letzte Wahlkampfrunde galt Berlin-Brandenburg. Benjamin Lassiwe / iwe1

"Bei den Grünen ist die Basis der Boss", sagt Petra Budke. Die Landesvorsitzende der Brandenburger Grünen steht in der brechend vollen Kalkscheune, einem Veranstaltungszentrum in der Nähe der Berliner Friedrichstraße, und begrüßt das Publikum. Mehrere Hundert Parteimitglieder aus Berlin, und einige aus Brandenburg, sind auf Einladung der beiden Landesverbände zum letzten Urwahlforum ihrer Partei erschienen. Die vier Kandidaten, aus denen die Parteimitglieder die Doppelspitze der Grünen für den Bundestagswahlkampf wählen sollen, wollen sich zum letzten Mal der Parteibasis vorstellen. Und auch der Lübbener Architekt Andreas Rieger, der Kreisvorsitzender der Grünen in Dahme-Spreewald ist, war deswegen nach Berlin gekommen. "Mich interessiert, wie die Kandidaten bei den Menschen ankommen", sagt Rieger. "Für mich sind Ökologie, Nachhaltigkeit und Umweltschutz die zentralen Themen der Grünen. Die sollten wir ganz vorn anstellen."

Mit der Industrie anlegen

Doch als sich die vier Kandidaten Katrin Göring-Eckardt, Robert Habeck, Anton Hofreiter und Cem Özdemir an den Stehtischen platziert hatten, ging es vor allem um zwei Themen: die innere Sicherheit und das öffentliche Bild der Grünen. In "schwierigen Zeiten" seien "Mut und Optimismus" nötig, sagte Göring-Eckardt. Sie mahnte eine bessere Ausstattung der Polizei an - und erinnerte daran, dass die CDU seit elf Jahren den Bundesinnenminister stelle. "Jetzt rennen sie rum, und rufen: Haltet den Dieb!" Und auch Özdemir und Hofreiter betonten, dass den Grünen die innere Sicherheit wichtig sei. "Ich will nicht, dass die sozial Schwachen das Gefühl haben, dass sich nur Reiche Sicherheit leisten können", sagte Özdemir. Den Terrorismus des islamischen Staats müsse man auch militärisch bekämpfen, zudem seien Frühwarnsysteme in Familien, Moscheen und Schulen nötig. Hofreiter wiederum wandte sich gegen die Vorratsdatenspeicherung und erinnerte daran, dass die "Klimakrise nicht dadurch weggeht, dass sie nicht auf den ersten Seiten der Schlagzeilen steht." Die Grünen müssten es sich trauen, sich "mit der Autoindustrie, der Kohleindustrie und der Agrarindustrie anzulegen." Habeck freilich platzte schon in der Vorstellungsrunde der Kragen. Er erinnerte daran, dass die Grünen in den vergangenen zwei Monaten fast vier Prozent in Umfragen verloren hätten. "Wenn wir glauben, wir machen alles richtig, wenn uns möglichst viele doof finden, dann brauchen wir keinen Wahlkampf führen", sagte Habeck und appellierte an die Geschlossenheit der Spitze. "Diese Partei hat es nicht verdient, mit einer zerstrittenen Führung in die Wahl geführt zu werden."

Kohleausstieg als allererstes

In der folgenden Fragerunde kamen dann auch Themen zu Wort, die in den vergangenen Monaten in Brandenburg eine Rolle spielten. "Man muss sich im Klaren darüber sein, dass Strom produziert werden muss", sagte etwa Anton Hofreiter zur Frage nach neuen Windrändern. "Es ist richtig, Windräder töten Vögel - aber das kriegt man durch gute naturfachliche Planungen in den Griff." Und als Göring-Eckardt gefragt wurde, welches Thema sie sofort angehen würde, "wenn die Grünen 51 Prozent bei einer Bundestagswahl erhielten", nannte sie als allererstes den Kohleausstieg. "Uns ist am Wichtigsten, dass der Klimaschutz wieder ins Zentrum der Debatte kommt", sagte die Fraktionsvorsitzende. Und Andreas Rieger? Der Kreisvorsitzende aus Dahme-Spreewald sagt, dass Anton Hofreiter den besten Eindruck hinterlassen habe, was die klassischen grünen Themen betreffe. "Ich glaube aber, dass für die Wirkung nach außen, und für die Frage, wie wir wieder diskursfähig werden, Robert Habeck besser wäre."