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| 15:24 Uhr

Industriepark-Chef: In Braunkohle steckt mehr als nur Strom

Spremberg. Die Karten für die Braunkohleverstromung in Deutschland stehen schlecht, denn der politische Druck wächst. Am Industriestandort Schwarze Pumpe in der Lausitz wird überlegt, wie man den fossilen Energieträger anders nutzen kann. Von Anna Ringle, dpa

Der Standort Schwarze Pumpe war einer der größten Industriekomplexe in der DDR. Das Industriegebiet, das auf der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen liegt, gibt es immer noch. Nach wie vor ist Braunkohle dort präsent. Auch langfristig plant der Industriepark mit dem fossilen Energieträger, allerdings nicht mit seiner Verstromung, wie der neue Geschäftsführer des Industriepark-Managements ASG Spremberg GmbH, Roland Peine, der Deutschen Presse-Agentur im Interview sagte.

Herr Peine, das Braunkohle-Land Brandenburg steht vor einem großen Wandel, denn der Druck auf den fossilen Energieträger wächst. Vor kurzem wurde die Innovationsregion Lausitz GmbH gegründet, die Konzepte für die Zeit nach der Braunkohle entwickeln will. Ist der Industriepark Teil der Gesellschaft?

Wir sind nicht direkter Teil der Gesellschaft, aber wir stehen in engem Kontakt mit den Gründern der Gesellschaft. Es ist von allen der Wunsch, dass wir zusammenarbeiten.

Wie hat es der Industriestandort geschafft, nach der DDR nicht von der Landkarte zu verschwinden?

Wir hatten das Glück, dass sich hier eine Papierfabrik angesiedelt hat. Das war wie eine Initialzündung für uns: So dass wir ein neues Standbein am Industriestandort etablieren konnten und nicht mehr nur dieses eine Standbein Braunkohle und Energiewirtschaft hatten.

Trotzdem ist die Braunkohle hier noch stark präsent. Es gibt etwa Brikettherstellung und das Kraftwerk von Vattenfall. Für die Braunkohlenverstromung wird die Luft aber immer dünner in Deutschland.

Wir müssen weg von der Braunkohlenverstromung über kurz oder lang, das ist sicherlich unstrittig. Aber in der Braunkohle steckt wesentlich mehr als nur Strom. Dort kann man mit stofflicher Weiterverwertung andere Dinge machen.

Welche?

Im Moment verfolgen wir zwei Projekte: Das ist einmal die Herstellung von Stückkoks und dann gibt es schon Untersuchungen zur Herstellung von Feinkoks aus Braunkohle. Koks wird zum Beispiel bei der chemischen Industrie eingesetzt, aber Koks ist auch sehr begehrt bei Stahlwerken. Die Stahlerzeugung braucht beide Sorten Koks und im Moment wird Steinkohlenkoks aus Brasilien und von weit her transportiert. Der Braunkohlenkoks ist hochreaktiv und in der Stahlindustrie sehr gefragt.

Wie weit sind diese Ideen für den hiesigen Standort schon gediehen?

Wir brauchen sicherlich Vattenfall dazu, oder denjenigen, dem die Gruben mal gehören werden. Wir brauchen Fachplanungsbüros und wir brauchen Umweltspezialisten. Das Projekt ist gerade im Entstehen. An Forschungsinstituten laufen schon erste Untersuchungen zu dem Thema. Zu DDR-Zeiten wurde an diesem Standort Koks hergestellt, aber natürlich mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Umwelt. Jeder assoziiert mit dem Wort „Koks“ Dreck und genau das darf nicht mehr sein in Zukunft. Das muss den Umweltauflagen entsprechen. Und das ist im Grunde genommen die Herausforderung: Wirtschaftlich und umweltgerecht Koks-Herstellung hinzukriegen.

Roland Peine ist seit 1. Januar Geschäftsführer der ASG Spremberg GmbH, die für das Management des Industrieparks Schwarze Pumpe zuständig ist. Der studierte Bauingenieur Peine ist seit 2003 im Unternehmen. Der 50-Jährige gebürtige Cottbuser war unter anderem in der Firma bereits als Bauleiter tätig.