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| 18:52 Uhr

Mauerbau
Gedenken mit Zwischentönen

 Ein Kreuz steht auf dem Gelände der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße. Am 13. August 1961 begann der Bau der Berliner Mauer.
Ein Kreuz steht auf dem Gelände der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße. Am 13. August 1961 begann der Bau der Berliner Mauer. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger
Potsdam. In Potsdam erinnerte man an den Mauerbau 1961 – doch andere Themen schwebten über den Gedenkveranstaltungen. Von Benjamin Lassiwe

„Ratschläge haben ja manchmal auch etwas mit Schlägen zu tun“, sagte Christian Hirte. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung stand vor der Glienicker Brücke in Potsdam. Vor ihm saßen die Honoratioren der Landesverbände der CDU von Berlin und Brandenburg, vom CDU-Ehrenvorsitzenden Jörg Schönbohm über den CDU-Parlamentsvizepräsidenten Dieter Dombrowski bis zum Landesvorsitzenden Ingo Senftleben. Es war der 13.♦August, der Tag des Baus der Berliner Mauer. So wie in jedem Jahr wurde er auch in Potsdam begangen. Doch anders als in den Jahren zuvor, waren es 2018 vor allem die Nebenschauplätze, die für Aufmerksamkeit sorgten.

Denn über der Veranstaltung der CDU schwebte natürlich unausgesprochen auch immer das Streitthema, ob die Partei nach der Landtagswahl 2019 Gespräche mit den Linken führen sollte. Doch der Landesvorsitzende Ingo Senftleben erwähnte das in seiner Rede nicht. „Die Mauer trennte Familien, über Nacht und meist auf viele Jahrzehnte“, sagte Senftleben vielmehr. Sie sei ein Verbrechen der Politik und der SED-Diktatur gewesen. „Das muss jede Partei anerkennen“, sagte Senftleben und sprach sich für eine stärkere Unterstützung der DDR-Opfer aus. So sollten etwa die 31 Millionen Euro, die das Land aus dem SED-Vermögen erhalten habe, nicht nur für Infrastrukturprojekte, sondern auch für einen Fonds für SED-Opfer verwandt werden.

Christian Hirte indes wurde bei der Frage des Umgangs mit den Linken deutlich. „Uns eint uneingeschränkt in ganz Deutschland, dass wir der festen Überzeugung sind, dass jeder Tag, an dem die Linke nicht in Regierungsverantwortung ist, ein guter Tag für unser Land und unsere Bundesländer ist“, teilte der Staatssekretär nur wenige Minuten nach Senftlebens Rede aus.

Und noch deutlicher wurde Alexandra Hildebrandt vom Berliner Mauermuseum „Haus am Checkpoint Charlie“. Ungefragt ergriff sie das Mikrofon: „Ich fordere die CDU auf, die Verhandlungen mit den Linken, den Mördern, sofort zu stoppen.“ Unterstützung erhielt der CDU-Chef indes von einem prominenten ehemaligen politischen Gefangenen: „Wenn der Ruf, wir sind ein Volk, richtig ist“, müsse man 28♦Jahre nach der Wiedervereinigung auch miteinander reden können, sagte Landtagsvizepräsident Dieter Dombrowski.

Doch die Veranstaltung der CDU war nicht die einzige Veranstaltung zum Gedenken an die Maueropfer, die am Montag an der Glienicker Brücke stattfand. Eine Stunde nach den Christdemokraten hatten die Gedenkstätte Leistikowstraße, die Landesregierung und der Landtag zu einer weiteren Gedenkstunde, dem „Potsdamer Mauerverlauf“, an dieselbe Stelle wie die CDU geladen. Und auch hier gab es ein Thema, das unausgesprochen über der Veranstaltung lag: Der Medikamentenskandal rund um die glücklose Ministerin Diana Golze (Linke). Sie war mit ihrem silbernen Audi vorgefahren. Etwas abseits, fast schon auf der Glienicker Brücke, stieg sie aus, huschte über den Platz.

Doch obwohl sie Parteivorsitzende der Linken und einzige anwesende Ministerin war, wurde sie von keinem der Redner namentlich begrüßt. Nur Ministerpräsident Dietmar Woidke hieß die „Frau Ministerin“ willkommen. Und auch am Ende der Veranstaltung, während der Kranzniederlegung, war es Golze, die als erste zum sicheren Auto eilte und davonbrauste.

Zuvor hatte sie aus der letzten Reihe den Reden von Ministerpräsident Dietmar Woidke und Landtagspräsidentin Britta Stark (beide SPD) gelauscht. Beide bezogen zur DDR-Vergangenheit klare Position: „Hier an der Glienicker Brücke spürt man, was es bedeutet, ein ganzes Volk einzusperren“, sagte Stark. „Aber auch, dass es möglich ist, Diktaturen und Grenzen zu überwinden.“

Und Woidke erinnerte daran, dass die deutsche Geschichte auch die Geschichte von einem Land sei, das die Teilung friedlich überwunden und sich zu einer demokratischen, starken Gesellschaft in der Mitte Europas entwickelt habe. „Lassen Sie uns zeigen, dass die Demokratie ohne Alternative ist“, forderte er seine Zuhörer auf. „Wut, Hass, Gewalt, wie sie heute vielfach in die Mitte der Gesellschaft getragen werden, dürfen nicht verfangen.“ Damit ließen sich keine Probleme lösen.

„Überlassen wir das Feld nicht den Hasspredigern und den Engstirnigen“, sagte Woidke. „Halten wir die Erinnerung an das Leben in einer Diktatur wach, um unsere Grundwerte der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu verteidigen.“