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| 16:55 Uhr

Wolfsverordnung ab 2018
In Brandenburg droht gefährlichen Wölfen der Abschuss

Die Brandenburger Wolfsverordnung soll den Umgang mit den Raubtieren im Spannungsfeld zwischen dem Schutzstatus der Tiere und dem Schutzbedürfnis der Menschen sowie der Nutztierhalter regeln.
Die Brandenburger Wolfsverordnung soll den Umgang mit den Raubtieren im Spannungsfeld zwischen dem Schutzstatus der Tiere und dem Schutzbedürfnis der Menschen sowie der Nutztierhalter regeln. FOTO: Patrick Pleul / dpa
Potsdam. Als erstes Bundesland erlässt Brandenburg eine Wolfsverordnung. Ab Januar 2018 gelten Regeln für den Abschuss von Wölfen - wenn Gefahr für Menschen besteht. Umweltschützer sagen, sie könnten damit leben - dem Landesbauernbund reicht das nicht. Von Benjamin Lassiwe

Brandenburg hat als erstes Bundesland überhaupt verbindliche Regeln für den Abschuss von Wölfen geschaffen. Am Donnerstag unterzeichnete Brandenburgs Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) in Potsdam die Wolfsverordnung des Landes. Sie kann damit zum 1. Januar 2018 in Kraft treten.

Die Verordnung sieht vor, dass ein Wolf, der Menschen angreift, geschossen werden kann. Bei Wölfen, die mehrfach dieselbe, hinreichend geschützte Nutztierherde angreifen, entscheiden Experten des Landesamtes für Umwelt, ob die Tiere geschossen, gefangen oder vergrämt werden sollen.

„Der Wolf steht weiter national und international unter Schutz“, sagte Vogelsänger (SPD) am Donnerstag in Potsdam. „Unter diesen Bedingungen brauchen wir neben einem guten Herdenschutz klare rechtliche Regelungen, die Behörden einen Handlungsrahmen vorgibt, wenn Wölfe sich auffällig verhalten oder lernen, die anerkannten Schutzeinrichtungen in Nutztierhaltungen zu überwinden.“

Eine Anlage zur Wolfsverordnung regelt künftig, was unter einer hinreichend geschützten Nutztierherde zu verstehen ist: Bei Schafen und Ziegen werden neben dem Einsatz von Herdenschutzhunden beispielsweise „bodennah abschließende stromführende Zäune von mindestens 120 Zentimeter Höhe und einer Mindestspannung von 4000 Volt“ empfohlen.

Die Kosten für eine derartige Schutzmaßnahme werden den Betrieben bis zu einem Betrag von 15 000 Euro erstattet. Bei höheren Beträgen wäre ein EU-Beihilfeverfahren vorgeschrieben. Die Tötung von Wölfen obliegt zunächst dem jeweiligen Jäger, sollte dieser allerdings verhindert sein, würde das Landesamt eine andere geeignete Person beauftragen.

Auf vorsichtige Kritik stieß die Verordnung bei den im „Forum Natur Brandenburg“ zusammengeschlossenen Verbänden des ländlichen Raums. Zwar erinnere ein Abschnitt der Verordnung, der das „Jedermannsrecht“ der Vertreibung von Wölfen durch Steinwürfe und Stockhiebe regelt, an eine „satirische Glosse“. Dennoch würden die Verbände anerkennen, dass Agrarminister Vogelsänger bereit sei, rechtliches Neuland zu betreten.

Die Bestimmung, dass ein Wolf nicht mehr zweifelsfrei, sondern nur noch „mutmaßlich“ als derjenige identifiziert werden müsse, der einen Schutzzaun im Wiederholungsfall überwinde, mache trotz enormer Praxisferne des Verordnungsentwurfes deutlich, dass man zumindest nach praktikablen Lösungen suchen wolle. Das Bundes- und das Europarecht machten konkretere Regelungen jedoch schwer.

„Das Zurückkehren oder Wiedererstarken einstmals annähernd verschwundener Tierarten von Biber über Elch und Wisent bis hin zum Wolf, zeigt überdeutlich, dass der staatliche und verbandliche Naturschutz an seinen eigenen Erfolgen zu scheitern droht“, so der Präsident des Landesbauernbundes, Henrik Wendorff, der auch Vorstand im „Forum Natur“ ist. „Wenn Verordnungen und Gesetze, die das Management von Tierarten ermöglichen sollen, nicht praktikabel sind, dann untergräbt das das Vertrauen in den Gesetzgeber. Das ist heute noch kein guter Tag für das Wolfsland Brandenburg.“

Dagegen erklärte Mario Sitte vom Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND), man könne „im Großen und Ganzen mit der Verordnung leben.“ „Letztlich sind wir darauf gespannt, wie das Landesamt bestimmte Fälle in der Praxis wertet“, sagte Sitte gegenüber der RUNDSCHAU. „Wir gehen aber davon aus, dass die Verordnung den rechtlichen Rahmen so ausschöpft, dass keine weitergehenden Forderungen machbar sind.“

Der umweltpolitische Sprecher der Brandenburger CDU, Dieter Dombrowski, forderte dagegen ein schnelleres Handeln im Umgang mit dem Wolf. Wenn immer erst eine Entscheidung des Landesumweltamtes abgewartet werden müsse, werde die Wolfsverordnung die Konflikte zwischen Weidetierhaltern und Wölfen nicht lösen. Im Um­welt­amt herrsche seit Jahren Personalmangel und die Unsitte, Fachleute nur mit befristeten Verträgen einzustellen. „Bei Problemwölfen müssen jedoch schnelle Entscheidungen getroffen werden.“ Auch Schutzjagden nach schwedischem Vorbild dürften kein Tabu mehr sein.