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Immer mehr Brandenburgerinnen arbeiten in Teilzeit

Eine Verkäuferin arbeitet am 14.03.2011 in einer Filiale einer Bäckerei in Zwenkau (Landkreis Leipzig). Der Anteil von Frauen, die in Brandenburg in Teilzeit beschäftigt sind, nimmt weiter zu.
Eine Verkäuferin arbeitet am 14.03.2011 in einer Filiale einer Bäckerei in Zwenkau (Landkreis Leipzig). Der Anteil von Frauen, die in Brandenburg in Teilzeit beschäftigt sind, nimmt weiter zu. FOTO: Jan Woitas (dpa-Zentralbild)
Potsdam. Brandenburgs Sozialministerin Diana Golze (Linke) hat vor dem zunehmenden Anteil von Frauen gewarnt, die in Teilzeit beschäftigt sind. Mittlerweile ist es jede dritte, aber nur jeder zehnte Mann. dpa

Das habe Folgen für die Rente bis hin zum Risiko Altersarmut. „Es ist leider das alte Lied: Immer noch stecken meistens die Frauen beruflich zurück, sie kümmern sich um die Erziehung der Kinder oder die Pflege von Angehörigen“, sagte Golze der Deutschen Presse-Agentur. Von den rund 900 000 Beschäftigten in Brandenburg sind etwa 450 000 Frauen.

Unter den berufstätigen Frauen ist fast jede Zweite (45 Prozent) in Teilzeit beschäftigt - einschließlich in Minijobs. Im Westen sind es 54 Prozent der berufstätigen Frauen. „Ins Berufsleben starten Frauen noch etwa auf gleichem Niveau wie Männer“, sagte Golze. Spätestens mit dem ersten Kind komme dann aber der Karriereknick. Zudem arbeiteten Frauen oft in Branchen, in denen Teilzeit ohnehin weit verbreitet sei: Handel, Gesundheits- und Sozialwesen oder Gastgewerbe.

„Die Frauen verpassen Chancen im Berufsleben, sie gelangen seltener in Führungspositionen und verdienen weniger als Vollzeitbeschäftigte“, sagte die Ministerin. Das wirke sich auch auf die Rente aus. Wegen der geringeren Arbeitsentgelte seien die Beitragsleistungen niedriger und damit auch die Rentenanwartschaften. Später drohe dann Altersarmut, warnte Golze. Brandenburger Frauen, die jetzt in den Ruhestand gehen, bekommen nach Statistik der Deutschen Rentenversicherung im Schnitt ein Drittel weniger Rente als Männer.

„Unfreiwillige Teilzeit ist meistens Frauensache“, betonte Golze. Das sei bitter, vor allem in einem Land wie Brandenburg, wo Frauen vor der Wende ganz selbstverständlich als Kranführerinnen oder Anlagenfahrerinnen gearbeitet hätten - ganztags.

„Wir müssen diese Spirale aus Teilzeit und schlechterer Bezahlung durchbrechen“, forderte Golze. Rund ein Viertel der erwerbstätigen Frauen würde ihre Arbeitszeit gern erhöhen. Bei Müttern sei dieser Wunsch sogar noch ausgeprägter als bei Frauen ohne Kinder. Von den Alleinerziehenden wollten sogar 44 Prozent länger arbeiten. Im Schnitt streben die Frauen eine Wochenarbeitszeit von 28 Stunden an.

Von allen in Brandenburg beschäftigten Frauen arbeiten nur acht Prozent in einem Minijob, in Westdeutschland mehr als doppelt so viele (18 Prozent).

Golze verlangte ein Umdenken der Unternehmen, um den zunehmenden Mangel an Fachkräften durch das große Reservoir von weiblichen Teilzeitbeschäftigten zu beheben. Wenn es eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie gebe, könne es noch stärker genutzt werden, sagte sie. In Brandenburg würden bereits viele Betriebe bei der Arbeitszeitgestaltung Rücksicht auf die individuelle Situation der Beschäftigten nehmen. „Auch in der Weiterbildung passiert schon viel“, sagte sie.

Besonders kleine und mittlere Betriebe engagierten sich. „Die Wirtschaft muss mehr Vollzeitstellen mit existenzsichernden Löhnen schaffen“, sagte sie. Es helfe nicht, immer nur Fachkräfteengpässe zu beklagen.