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| 18:44 Uhr

Sprengbanden mit neuen Methoden
Immer mehr Angriffe auf Geldautomaten – aber nicht in der Lausitz

 Ein gesprengter Geldautomat liegt in Bonn in Trümmern.
Ein gesprengter Geldautomat liegt in Bonn in Trümmern. FOTO: dpa / Axel Vogel
Wiesbaden/Cottbus. Die schlechte Nachricht: Geldautomtensprenger gehen immer radikaler in Deutschland vor. 2018 ist die Zahl ihrer Angriffe erneut um 38 Prozent gestiegen. Die gute Nachricht: Um die Lausitz machen die Banden mittlerweile einen Bogen. Von Bodo Baumert

369 Sprengattacken auf Geldautomaten hat es 2018 in Deutschland gegeben. Im Vergleich zum Vorjahr ist das erneut ein drastischer Anstieg um 38 Prozent, wie aus dem gerade veröffentlichten Lagebild des Bundeskriminalamtes (BKA) hervorgeht. Seit 2015 hat sich die Zahl der Angriffe damit noch einmal verdoppelt – und da waren die Zahlen schon erschreckend hoch.

Schwerpunkte der Angriffe durch die Sprengbanden bleibt Nordrhein-Westfalen, mit über 100. In fast allen Bundesländern ist aber eine Zunahme zu beobachten. „Die deutlichen Anstiege der Fallaufkommen in Berlin und Bayern stellen hierbei eine neue Entwicklung dar“, so die Einschätzung des BKA.

Lausitz ist kaum noch betroffen

Auch in Sachsen ist die Zahl der Angriffe 2018 gestiegen, auf nun 17. Brandenburg hingegen verzeichnet einen deutlichen Rückgang von 22 auf 14. Erfreulich aus Lausitzer Sicht: Die Region, bisher immer ein Schwerpunkt, ist fast gar nicht mehr betroffen. Mehrere Ermittlungserfolge der Polizei dies und jenseits von Oder und Neiße haben den hier größtenteils operierenden regionalen Banden das Handwerk weitgehend gelegt.

 Attacke in Mücka 2018
Attacke in Mücka 2018 FOTO: Danilo Dittrich

Verbrechernetzwerk aus den Niederlanden

Maßgeblich verantwortlich für die Sprengattacken in ganz Deutschland ist mittlerweile ein Verbrechernetzwerk aus den Niederlanden. „Nach Erkenntnissen der niederländischen Polizei handelt es sich um mehrere hundert Personen, vornehmlich niederländische Staatsangehörige mit marokkanischer Herkunft. Bei der Tatausübung gehen die Personen hochprofessionell vor. Sie sind in der Lage, Geldautomaten innerhalb weniger Minuten zu öffnen und verwenden zur Flucht hauptsächlich hochmotorisierte Kraftfahrzeuge, aber auch Motorroller“, so die Einschätzung des BKA.

Neun Angriffe auf Geldautomaten innerhalb von drei Wochen – im vergangenen Sommer haben die reisenden Bankomatensprenger aus den Niederlanden auch in Berlin und Brandenburg Station gemacht. in München gelang der Polizei im vergangenen Herbst erstmals ein Schlag gegen die Niederländer. Dennoch setzen diese ihre Angriffe bisher fort.

Neue Tricks der Bankomatensprenger

Auffällig ist laut BKA, dass die Täter nicht mehr nur mit Gas als Sprengmittel operieren. In 20 Fällen versuchten es die Täter auch mit Pyrotechnik sowie selbstgebauten oder gewerblichen Sprengstoffen.

Sicherheitsvorkehrungen helfen

Längst nicht immer sind die Attacken von Erfolg gekrönt. Denn auch die Banken haben – vor allem in der Lausitz – aufgerüstet. Die Schutzvorkehrungen reichen von nächtlichen Schließzeiten über Kameras auch an entlegenen Standorten bis hin zu modernen Geldautomaten, die mit eigenen technischen Tricks ausgestattet sind, um etwa das Gas zu neutralisieren. In so weit hat die Angriffsserie der vergangenen Jahre auch ihre Gutes: Lausitzer Banken sind mittlerweile so gut vorbereitet, dass die reisenden Banden sich lieber nach anderen Zielen umschauen.

Dass Sicherheitsvorkehrungen wirken, zeigt die Zahl der gescheiteren Sprengversuche: 232 waren es 2018. Die Zahl der erfolgreichen Angriffe ist hingegen nur leicht gestiegen. Doch schon der Versuch kann drastische Schänden hinterlassen. Denn längst nicht immer gelingt es selbst den Profisprengern, die Menge des Gases so genau zu bestimmen, dass nur der Automat samt Geldkassette geöffnet wird. Drastische Beispiele finden sich in der Vergangenheit in Altdöbern, Lübben oder Burg.

 Der Geldautomat einer Bank in Altdöbern ist in einer Juni-Nacht 2015 gesprengt worden. Durch die Explosion ist das Gebäude des Supermarktes in Brand geraten und stürzte teilweise ein.
Der Geldautomat einer Bank in Altdöbern ist in einer Juni-Nacht 2015 gesprengt worden. Durch die Explosion ist das Gebäude des Supermarktes in Brand geraten und stürzte teilweise ein. FOTO: Uwe Hegewald

Verletzt wurde bei den Attacken 2018 zum Glück niemand. Die Gefahr sei aber weiterhin sehr hoch. „Unabhängig vom Aufstellort des Geldautomaten bergen Trümmerteile und Splitter Risiken, die von den Tätern nicht abgeschätzt werden können. Zudem können Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei einer erheblichen Gefährdung ausgesetzt sein“, so die Lageeinschätzung des BKA.

18 Millionen Euro erbeutet

Die Ermittler schätzen den Schaden, der 2018 durch die Sprengattacken entstanden ist, auf rund 50 Millionen Euro. Die Geldsummen, die die Täter erbeutet haben, sind im Vergleich dazu gering. Bargeld im Wert von rund 18 Millionen Euro soll es 2018 gewesen sein.