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Immer Ärger mit der Bahn

Post aus Potsdam. Anita Tack war offensichtlich sauer. Als vor einigen Wochen hier in der Kolumne von ihrer Kleinen Anfrage zum Eisenbahnverkehr berichtet wurde, in der sie sich nach den Auswirkungen eines zwischen Berlin und Rostock geplanten Intercitys auf den Regionalexpressverkehr zwischen Cottbus, Berlin und Wismar erkundigte, schien die Sache klar: Die ehemalige Ministerin sollte sich vielleicht lieber einmal im Kartenlesen üben. iwe1

Störungen sind aus dieser Konstellation schließlich nicht zu befürchten - denn der IC und der RE fahren auf völlig unterschiedlichen Strecken, lediglich im Berliner Hauptbahnhof begegnen sie sich. Der RE fährt über die Stadtbahn, der IC im Keller.

Soweit, so gut. Was dann kam, erlebt aber auch ein Landtagskorrespondent nur selten. Formvollendet überreichte Fraktionssprecherin Alexa Lamberz nach der darauffolgenden Pressekonferenz der Linken eine Art Akte, bestehend aus der besagten Anfrage, einer Fotokopie der Kolumne und einem Schreiben auf Fraktionspapier. "Sowohl meine berufliche Qualifizierung als auch mein politischer Werdegang hat es stets mit sich gebracht, dass ich mit Karten und Planungsmaterialien sehr vertraut bin und gut umgehen kann", schreibt Tack darin. Ihr gehe es vielmehr um eventuelle Anschlussbeziehungen zwischen den beiden Zügen. "Ich gehe davon aus, dass Sie die Antwort der Landesregierung ebenso öffentlich machen werden", schrieb die ehemalige Ministerin. "Dann gäbe es ja die Möglichkeit, Ihre Unterstellung, ich wäre nicht in der Lage, Streckenkarten zu lesen, öffentlich zu korrigieren."

Tatsächlich liegt die Antwort der Landesregierung auf die Anfrage der Abgeordneten Tack zum "Fernzug Berlin-Rostock" seit Anfang der Woche vor. Auf Frage fünf, "Welche Auswirkung hat der Einsatz des Fernzuges ab Berlin auf den RE 2, der aus Cottbus kommt?", antwortet die Landesregierung in zwei Sätzen: "Keine. Die Züge befahren unterschiedliche Strecken." Ach ja, von irgendwelchen Anschlussbeziehungen ist übrigens weder in der Frage noch der Antwort irgendwie die Rede.