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Im Zwiespalt – die evangelische Kirche und ihr Verhältnis zur AfD

Quiz zu Religion
Quiz zu Religion FOTO: getwired
Berlin. AfD-Politiker und zugleich Geistlicher der evangelischen Kirche – ein Fall in Brandenburg treibt die Ekbo in den Zwiespalt. Sie versucht den Spagat zwischen der Distanz zur AfD und der Nächstenliebe für alle. Benjamin Lassiwe / iwe1

Sonntags steigt er in Blankenfelde (Teltow-Fläming) auf die Kanzel und predigt über die Nächstenliebe Jesu. Und an den übrigen Tagen der Woche sitzt er für die Alternative für Deutschland (AfD) in der Stadtverordnetenversammlung im nahen Trebbin. Dietmar Ertel ist Prädikant - also ehrenamtlicher Geistlicher der evangelischen Kirche - und AfD-Politiker. Und in dieser Kombination eine Herausforderung für die evangelische Landeskirche, die sich seit dem Aufkommen der rechtspopulistischen Partei eigentlich darum bemüht hatte, sich so weit wie möglich von ihr zu distanzieren.

"Wir können rechtlich nicht verhindern, dass AfD-Mitglieder und Sympathisanten in unserer Kirche aktiv sind, sofern sie sich nicht selbst menschenverachtend äußern", sagte Landesbischof Markus Dröge gestern vor der in Berlin tagenden Synode der Ekbo. Im Herbst 2015 hatte die Kirchenleitung der Ekbo festgestellt, dass die bloße Mitgliedschaft in der AfD kein Grund sei, Menschen etwa die Mitarbeit in kirchlichen Gremien zu verweigern. "Menschenfeindliche Äußerungen oder Handlungen können im Einzelfall allerdings durchaus dazu führen, dass die Wählbarkeit entfällt", heißt es im Jahresbericht der Kirchenleitung. Sollte es solche Hinweise geben, würden sie von den Generalsuperintendenten und dem Konsistorium geprüft. Bislang habe es aber noch keine derartigen Prüfungen gegeben, bestätigte Kirchensprecherin Heike Krohn-Bräuer gegenüber der RUNDSCHAU.

Die inhaltliche Position der Kirche gegenüber der AfD hat sich indes nicht verändert. "Wir haben aber die moralische Pflicht, solchen Menschen gegenüber sehr deutlich zu sagen, dass wir die Unterstützung einer Partei, die die Grundwerte unserer Gesellschaft aushöhlt, nicht gutheißen können", sagte Dröge. "Man muss vom Christentum nur einen Satz verstanden haben, nämlich die goldene Regel ,Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst‘, um zu erkennen, dass ausgrenzende Positionen, wie sie von der neuen rechtspopulistischen Bewegung vertreten werden, rein gar nichts mit der Botschaft Jesu zu tun haben." Nachhaltiger Widerspruch gegen die Thesen der Rechtspopulisten ist Christenpflicht. Weswegen auf den für den Prädikantendienst zuständigen Kirchenkreis "Zossen-Fläming" in nächster Zeit wohl etwas Arbeit zukommt.