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| 21:00 Uhr

Brandenburg
Im Spreewald eskaliert jetzt der Streit um die Biber

Biber können an Deichen und Dämmen schwere Schäden anrichten. Typisch für die Nager mit den kräftigen Zähnen sind auch die „angespitzten“ Bäume – hier im Lübbener Ortsteil Hartmannsdorf. Die fallen dann irgendwann einfach um und bilden mit andern „gefällten“ Bäumen, Ästen und Sträuchern einen Damm – wie es Biber lieben.
Biber können an Deichen und Dämmen schwere Schäden anrichten. Typisch für die Nager mit den kräftigen Zähnen sind auch die „angespitzten“ Bäume – hier im Lübbener Ortsteil Hartmannsdorf. Die fallen dann irgendwann einfach um und bilden mit andern „gefällten“ Bäumen, Ästen und Sträuchern einen Damm – wie es Biber lieben. FOTO: Bettina Friedenberg
Potsdam. Die Ausweitung des Nagerschutzes stößt auf Ablehnung. Von Frank Thiemig

Es schien ruhig zu werden rund um den Biber in Brandenburg. Die Aufregung um den Wolf und das inzwischen etablierte Bibermanagement samt Sondergenehmigung für den Abschuss einzelner Exemplare hatte den Nager aus den Schlagzeilen verdrängt. Das ändert sich gerade wieder.

Überall im Land werden zurzeit die Managementpläne für die FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitat) aufgestellt. Bei einer entsprechenden Veranstaltung erfuhren die Fischer der Spreewaldregion Anfang Juni, dass der Biber in den Standarddatenbogen aufgenommen werden soll. Das sind jene Kataloge, die für jedes Schutzgebiet nach Brüssel gemeldet werden und diejenigen Arten enthalten, derentwegen der besondere Status ausgesprochen wird. Die Allgemeinheit und die Grundstückseigentümer sind dann verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um die Bestände dauerhaft zu sichern.

Für das FFH-Gebiet „Vetschauer Mühlenfließ – Teiche Stradow“ am Rande des Spreewaldes wurden zu Beginn des vergangenen Jahrzehntes die Rotbauchunke, der Fischotter, der Hirschkäfer und die Bachmuschel aufgelistet und nach Brüssel gemeldet. „Die Biber gab es damals noch gar nicht in der Region“, sagt Lars Dettmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes. Wenn der Biber jetzt als besonderes Schutzziel auf die Liste gelangt, greift das Bibermanagement des Landes nicht mehr, warnt Dettmann. Entnahmen des Nagers seien dann so gut wie unmöglich.

Ramona Oppermann, Geschäftsführerin der Peitzer Edelfisch GmbH, berichtet, dass immer öfter Biber sich in die Dämme der Teiche eingraben und sie aushöhlen. Mitarbeiter seien schon mit ihren Fahrzeugen eingebrochen oder Teiche über Nacht leer gelaufen.

In ihrem Unternehmen wurden bereits im Zuge des Bibermanagements Anträge auf Entnahme von Bibern gestellt und auch umgesetzt. Der Abschuss, berichtet sie, sei selbst für versierte Jäger eine Herausforderung. Künftig könnte das unmöglich werden, fürchtet Oppermann.

Die Verwaltung des Biosphärenreservates Spreewald/Naturparke Süd hatte Oppermann Anfang dieser Woche mitgeteilt, dass der Biber bereits 2017 in die Erhaltungszielverordnung aufgenommen wurde und in den Standarddatenbögen des FFH-Gebietes steht. Ob Maßnahmen zum Erhalt dieser Art geplant werden, stehe noch nicht fest, heißt es in dem Schreiben, das der RUNDSCHAU vorliegt. Die Datenerfassung zum Bestand sei noch nicht abgeschlossen.

Für den Landesfischereiverband ist das ein Unding, in Fischzuchtgebieten die Ansiedlung des Bibers direkt zu befördern. Schon jetzt seien viele Betriebe finanziell überfordert, die Deiche mit Schotter oder Eisengeflecht gegen die Nager zu schützen, erklärt Dettmann.

Er wirft den Naturschutzbehörden vor, einseitig den Schutzstatus des Bibers erhöht zu haben, ohne die Betroffenen in der Region darüber zu informieren. Auf diese Weise sei keine Akzeptanz für die Schutzgebietsausweisung zu erreichen.