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| 06:19 Uhr

Fernsehen hat nachgefragt
Im LDS lebt es sich am besten

FOTO: LR / Johanna Lenth
Cottbus. Der Trend zum Leben auf dem Land steigt immer weiter an – das belegt eine aktuelle Studie des ZDF über die Wohnsituation der Deutschen. Der Lankreis LDS rangiert hierbei auf Platz zwei der beliebtesten Wohnorte in Brandenburg. Von Jenny Theiler

Das Meinungsforschungsinstitut „Forschungsgruppe Wahlen“ hat im März 2018 im Auftrag des ZDF eine Umfrage durchgeführt. Insgesamt wurden 1214 Personen – unabhängig von beruflichen oder privaten Einschränkungen – zu ihrer bevorzugten Wohnsituation befragt. Das Ergebnis der Studie zeigt, dass sich 44 Prozent der Deutschen ein Leben auf dem Land in einem Dorf wünschen. 39 Prozent würden auch gern in einer Kleinstadt wohnen und nur noch 16 Prozent der Befragten würden sich für ein Leben in der Großstadt entscheiden.

401 deutsche Kreise und Städte sind in 53 Kriterien untersucht und unter dem Motto: „Wo lebt es sich am Besten?“ ausgewertet worden. Der Süden Brandenburgs fällt mit Cottbus und den vier Landkreisen Dahme-Spreewald (LDS), Oberspreewald-Lausitz (OSL), Elbe-Elster (EE) und Spree-Neiße (SPN) in die Raumkategorie Ländlicher Raum.

Auf Platz 107 – und damit das beste Gesamtergebnis unter den südbrandenburgischen Landkreisen – hat der Landkreis Dahme-Spreewald erzielt. Insbesondere in der Kategorie „Arbeit und Wohnen“ konnte der Landkreis 60 von 100 möglichen Punkten erreichen. Roland Gefreiter, der Bürgermeister der Gemeinde Schönwalde, kann das positive Ergebnis seines Landkreises nachvollziehen. „Allein im vergangenen Jahr sind über 40 Familien nach Schönwalde gezogen“, weiß der Bürgermeister. Die jungen Familien, die nach Schönwalde ziehen, stammen meistens aus Berlin und Umgebung. Hohe Grundstücks- und Mietpreise, sowie die Anonymität und Hektik der Großstadt, treiben viele Berliner immer weiter in den Süden. Aber vor allem die erstklassige Verkehrsanbindung und die gesicherte Kitabetreuung seien für junge Familien mit Kindern sehr verlockend. „Die Leute besinnen sich wieder auf traditionelle Werte und nehmen auch die natürliche Umgebg wieder bewusster war“, weiß Roland Gefreiter. Vor allem die Zugezogenen aus Berlin würden die Großstadt zum Arbeiten zwar jederzeit bevorzugen, möchten dort aber nicht länger mit ihren Kindern leben.

Für das Land Brandenburg ist diese Trendentwicklung keine große Überraschung, weiß auch Jens Graf, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Berlin/ Brandenburg: „Der Gedanke, dass vor zehn Jahren alle jungen Leute aus Brandenburg weg wollten, hat sich mittlerweile ganz stark ins Gegenteil umgekehrt.“ Trotzdem könne man den Wunsch nach dem Leben auf dem Land nicht verallgemeinern. „Die großen Städte wachsen in Brandenburg trotzdem weiter. Es kommt immer darauf an wie die Lebensumstände der Menschen sind und dementsprechend suchen sie sich auch ihren Wohnort aus“, erklärt Jens Graf.“

Das bestätigt auch die ZDF-Studie. Das Leben in der Großstadt sei vor allem bei jungen Menschen zum Zwecke der Ausbildung oder des Studiums noch immer sehr attraktiv. Von den unter 30-jährigen Befragten, möchte etwa jeder Vierte, rund 26 Prozent, in einer Großstadt mit über 100 000 Einwohnern leben – wenngleich der Sicherheitsfaktor in ländlichen Gegenden und Kleinstädten durchschnittlich höher ist, als in Großstädten.

Im Bereich „Sicherheit und Gesundheit“ büßt Dahme-Spreewald ein paar Punkte ein. Die vielen Landstraßen und die Autobahnanbindung sorgen im Landkreis für eine hohe Unfallrate. Die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten und Verletzten liegt zwischen 2014 und 2016 bei 565. Damit übersteigt LDS den südbrandenburgischen Durchschnitt von 402 Unfallopfern.

Ein vorbildlicheres Ergebnis in der Kategorie Sicherheit und Gesundheit, können die benachbarten Landkreise aus Ostsachsen vorweisen. Görlitz und Bautzen haben die niedrigste Einbruch-Diebstahl-Rate in der gesamten Lausitz. Auf 10 000 Einwohner kommen weniger als 7 Wohnungseinbrüche pro Jahr. Zudem liegt die Quote der Altersarmut sowohl in Bautzen als auch in Görlitz jeweils unter einem Prozent.

Allerdings ist die Zahl der Pflegebedürftigen in beiden sächsischen Landkreisen mit jeweils über 400 pro 10 000 Einwohnern höher als der südbrandenburgische Durchschnitt mit 390 Pflegebedürftigen. Wenngleich in den ländlichen Gegenden auch die Verteilung der Senioren höher ist als in größeren Städten, so ist der Wunsch nach einem Leben auf dem Land bei den über 70-Jährigen mit 39 Prozent etwas geringer ausgeprägt, als bei jüngeren Befragten. Vor allem die Nähe zur Natur würden viele ältere Menschen – trotz schwierigerer Verkehrsanbindungen – am Dorfleben schätzen.

In der Kategorie „Natur und Freizeit“ sichert sich der Landkreis Dahme-Spreewald Platz 39 von 401. Dieses beachtliche Ergebnis wird nur noch von Cottbus übertroffen. Die Lausitz-Metropole schafft es mit ihren reichhaltigen Natur- und Freizeitangeboten deutschlandweit auf Rang 19. Ein weiterer Hinweis dafür ist die hohe Anzahl der durchschnittlichen Sonnenstunden in der Lausitz. Der langjährige Mittelwert liegt zwischen den Jahren 1981 und 2010 bei insgesamt 1732. Damit scheint in keinem anderen Lausitzer Landkreis die Sonne so oft wie in Cottbus.