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| 10:32 Uhr

ICE-Anbindung auch in der Lausitz schwach
Fernzüge rauschen durch

 Brandenburg weist eindeutig zu wenig Halte von ICE oder Intercity (IC), kritisiert die Brandenburger CDU. Auch die Lausitz leidet unter diesem Manko.
Brandenburg weist eindeutig zu wenig Halte von ICE oder Intercity (IC), kritisiert die Brandenburger CDU. Auch die Lausitz leidet unter diesem Manko. FOTO: dpa / Christoph Soeder
Potsdam. Es ist ein altes Problem: Es hapert bei der ICE-Anbindung in Brandenburg. Land und Kommunen fordern von der Deutschen Bahn eine bessere Anbindung an den Fernverkehr. Mit wenig Wirkung bisher. Von Andreas Wendt

Brandenburgs Städte und das Land bedrängen die Deutsche Bahn, eine bessere Anbindung an den Fernverkehr zu schaffen. In der Landeshauptstadt Potsdam halten lediglich drei Intercity-Expresszüge (ICE) – und das auch nur nachts.

Rainer Genilke, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion und damit Mitglied der Opposition, ist ausnahmsweise mal der gleichen Meinung wie die rot-rote Landesregierung: Das Land Brandenburg weist eindeutig zu wenig Halte von ICE oder Intercity (IC) auf, sagt Genilke am Freitag und reagiert damit auf eine Antwort des Verkehrsministeriums auf eine Anfrage seiner Fraktion.

„Nach Auffassung der Landesregierung reichen die eigenwirtschaftlichen Verkehre der Fernverkehrsunternehmen nicht aus, um eine gute Anbindung der Zentren zu gewährleisten, die abseits der Hochgeschwindigkeitsstrecken liegen“, wird darin etwas holprig formuliert. Verständlicher ausgedrückt: Intercity und Eurocity sind in Brandenburg lediglich auf Durchreise. Kleine Ausnahmen bestätigen die Regel: So halten im uckermärkischen Angermünde immerhin vier ICE und acht Inter- bzw. Eurocity-Züge (EC) am Tag. Eberswalde kann sogar mit vier ICE und elf IC/EC-Stopps punkten.

In Potsdam dagegen sind es drei ICE – und die fahren in den Bahnhof ein, wenn die Landeshauptstadt schläft. „Aus unserer Sicht ist es nicht nachvollziehbar, dass Potsdam als Landeshauptstadt und wachsende Stadt bei der ICE-Anbindung außen vor gelassen wird“, sagt eine Sprecherin der Landeshauptstadt. Sowohl Bahnhof als auch Bahnsteige seien extra ICE-tauglich gebaut worden, die Stadt wachse und habe einen sehr guten Ruf als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort. „Da kann man Professoren schwer zumuten, erst nach Berlin fahren zu müssen, um einen ICE zu erreichen“, sagt sie.

Jens Wieseke, stellvertretender Chef des Berliner Fahrgastverbandes IGEB, sieht das ähnlich. „Ich denke nur an Cottbus. Da geht es auch an die Anbindung in Richtung Leipzig“, betont er. Bislang halten in Cottbus zwei IC zwischen 6 und 20 Uhr. Lübbenau und Lübben gehen gänzlich leer aus.

Frankfurt (Oder) profitiert wiederum lediglich von den internationalen EC-Verbindungen. Immerhin 15 Eurocitys halten pro Tag in der kreisfreien Stadt. Wieseke und auch CDU-Mann Genilke glauben, dass sich die Situation mit dem Ausbau der Potsdamer Stammbahn deutlich verbessern könnte. „Dann müsste das Land schnellstens von den Prüfungsausreden hinsichtlich der Potsdamer Stammbahn zu ernsthaften Planungen übergehen“, sagt er. „Wir brauchen gerade hier vor allem schnell deutlich mehr Infrastruktur in die Schiene.“ Mit ein paar Taktverdichtungen ab 2022 und Infrastrukturversprechungen ab 2030 werde es nicht gelingen, Brandenburg tauglich für Pendler zu machen.

Auf diese Jahreszahlen stützt sich Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) derzeit. Zunächst konnte sie die Bahn überzeugen, ab Ende 2019 die Halte Oranienburg, Flughafen Schönefeld, Doberlug-Kirchhain und Elsterwerda in die alle zwei Stunden fahrenden Intercity-Linie Rostock – Dresden zu integrieren. Weitere Fernverkehrsverbindungen kommen allerdings erst Ende 2022 beziehungsweise 2025 hinzu.