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Holperpisten sollen verschwinden

Die Landesregierung will dem weiteren Verfall von Ortsdurchfahrten ein Ende bereiten. Auch mehrere Brücken werden erneuert.
Die Landesregierung will dem weiteren Verfall von Ortsdurchfahrten ein Ende bereiten. Auch mehrere Brücken werden erneuert. FOTO: dpa
Potsdam. Manche Gemeinden warten schon seit der Wende darauf, dass marode Durchgangsstraßen endlich saniert werden. Nun startet die Landesregierung ein Ausbauprogramm für Holperstrecken. Ch. Taubert/dpa

Bröckelnder Asphalt, fehlende Radwege und lärmende Pflasterstrecken sollen ein Ende haben: Mit zusätzlichen 100 Millionen Euro will Brandenburgs Landesregierung in den nächsten vier Jahren in mehr als 60 Gemeinden marode Durchgangsstraßen sanieren. Allein in der Lausitz sind 19 Vorhaben geplant, darunter Ortsdurchfahrten von Kolkwitz, Burg, Vetschau, Finsterwalde, Mühlberg, Lübbenau oder ein Brückenbauwerk in Doberlug-Kirchhain.

"Mehr als 60 Prozent der Ortsdurchfahrten sind in einem schlechten Zustand", sagte Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (parteilos) am Freitag bei der Vorstellung des Straßenbauprogramms in Potsdam. "Wir wollen den weiteren Wertverlust stoppen." Fünf Brücken sollen erneuert und Bahnübergänge durch Tunnel ersetzt werden.

Für den Bürgermeister von Finsterwalde, Jörg Gampe, ist das eine gute Botschaft aus Potsdam. Auf der Langen Straße im Zen-trum der Sängerstadt "mussten wir aufgrund des schlechten Straßenzustandes bereits Tempo 30 anordnen", schildert der CDU-Rathauschef. Jetzt hoffe man, dass nach dem gerade begonnenen zweiten Bauabschnitt mit den neuen Landesmitteln die Arbeiten auch zeitnah zu Ende geführt werden können. Nach Angaben der Ministerin werden in diesem Jahr 7,5 Millionen Euro in die ersten Baumaßnahmen investiert, ab dem kommenden Jahr sind jährlich 20 bis 25 Millionen Euro geplant. Für die stellvertretende Bürgermeisterin von Teltow (Potsdam-Mittelmark) eine langersehnte Nachricht. "Diese Holperstrecke stammt wohl noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs", sagte Beate Rietz. "Da fahren jeden Tag 10 000 Fahrzeuge, darunter viele Lkw zum Gewerbegebiet. Auch Bürgersteige und Radwege fehlen."

Der Amtsdirektor von Gartz (Uckermark), Frank Gotzmann, rechnet mit deutlich mehr Lebensqualität, wenn die Landesstraße 27 im Ortsteil Casekow saniert wird. "Das haben wir schon seit 1995 angemeldet", sagte er. Neben dem Sonderprogramm investiert das Land pro Jahr rund 25 Millionen Euro in die insgesamt 5800 Kilometer Landesstraßen. Aus Sicht des Fachverbands Bau Berlin und Brandenburg ist das aber viel zu wenig. "Die Summe ist deutlich zu niedrig für ein Aufhalten des fortschreitenden Werteverzehrs", sagte Hauptgeschäftsführer Reinhold Dellmann. "Notwendig wären pro Jahr rund 85 Millionen Euro für Landesstraßen."