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| 19:22 Uhr

Laut Zeugen aus Notwehr
Holländischer Jagdgast tötet Wolf

 Laut Zeugen Notwehr: Das ist der Wolf, der vergangenen Freitag im Landkreis Potsdam-Mittelmark erschossen wurde, nachdem er Jagdhunde angegriffen haben soll. Die Polizei ermittelt.
Laut Zeugen Notwehr: Das ist der Wolf, der vergangenen Freitag im Landkreis Potsdam-Mittelmark erschossen wurde, nachdem er Jagdhunde angegriffen haben soll. Die Polizei ermittelt. FOTO: Franz-Clemens Hoff
Potsdam. Ein Jäger hat in Brandenburg einen Wolf erschossen. Nach Zeugenaussagen soll der Wolf die Jagdhunde zuvor angegriffen haben. Der Nabu rät Waidleuten, ihre Hunde anzuleinen.

Ein Jäger hat in Brandenburg einen Wolf erschossen. Das Tier sei am Freitagnachmittag während einer Treibjagd im Waldgebiet Rädigke der Gemeinde Rabenstein/Fläming (Landkreis Potsdam-Mittelmark) getötet worden, sagte die Polizeidirektion West am Montag. Von dem Vorfall, der sich am vergangenen Freitag gegen 14 Uhr ereignet haben soll, berichtet auch das Jagd-Portal „Jawina“.

Bei dem Schützen handelt es sich um einen holländischen Jagdgast. Der unter strengem Schutz stehende Wolf soll zuvor Jagdhunde attackiert haben. Es sei nicht gelungen, ihn mit Pfeifen, Schreien und einem Warnschuss zu vertreiben.

Wie auf dem Nachrichtenportal „Jawina“ mit Verweis auf den Jagdleiter ausgeführt wird, sei ein Wolf zunächst in rund zehn Metern Entfernung unbehelligt an dem Jagdgast vorbeigezogen. Kurz darauf soll er zurückgekehrt sein, offenbar weil er in der Nähe Witterung zu Rehen aufgenommen hatte. Auf deren Fährte waren auch Jagdhunde unterwegs, auch wenn Rehe derzeit wegen einer Schonzeit nicht bejagt werden.

Die Hunde sollen von dem Wolf angegriffen worden sein. Da es nicht gelang, das Raubtier zu vertreiben und der Jäger um das Leben der Hunde fürchtete, habe er einen „rechtfertigenden Notstand“ gesehen und einen gezielten Schuss auf den Wolf abgegeben. Das Tier wurde dabei getötet.

Der Jagdleiter habe daraufhin die Polizei und den zuständigen Wolfsbeauftragten gerufen. Der Kadaver des Wolfs sei zur weiteren Untersuchung abtransportiert worden. Mehrere Hunde sollen Blessuren davongetragen haben.

Gegen den Jäger wurde eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gestellt. Über die weiteren Ermittlungen werde nun die Staatsanwaltschaft entscheiden, hieß es weiter. Die Anzeige sollte zeitnah an die Behörde gegeben werden. Das Tier wurde in das Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung gebracht und soll dort untersucht werden, wie das Landesamt für Umwelt mitteilte.

Der Deutsche Jagdverband (DJV) forderte mit Blick auf den Vorfall Klarheit im Umgang mit Wölfen. „Wir brauchen dringend Rechtssicherheit für alle Jägerinnen und Jäger. Sie müssen wissen, wie sie sich in einem derartigen Notstand verhalten sollen“, sagte DJV-Präsident Hartwig Fischer. Der Einsatz von Jagdhunden sei unerlässlich für die tierschutzgerechte Jagd - auch in Wolfsgebieten. Gut ausgebildete Hunde seien dabei unerlässlich.

„Wenn wir hier bald skandinavische Verhältnisse haben werden, wovon auszugehen ist, brauchen wir Klarheit im Umgang mit dem Wolf“, sagte Verbandssprecher Torsten Reinwald. Dort komme es immer wieder zu Angriffen von Wölfen auf Hunde, sagte Reinwald. Der Verband nehme den Vorfall sehr ernst und fordere eine schnelle und lückenlose Aufklärung der Geschehnisse.

Der Bauernbund erklärte am Montag seine Solidarität mit dem Jäger. „Er hat absolut korrekt gehandelt. Gleich ob Jagdhund oder Zuchtkalb – es ist das Recht jedes Tierhalters, besonders wertvolle Tiere in Notwehr gegen angreifende Wölfe zu verteidigen“, sagte Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung.

Der Naturschutzbund Brandenburg (Nabu) hielt sich zunächst mit einer Bewertung des Falles zurück. Es sei nun Aufgabe der Polizei, den Tathergang zu ermitteln, sagte Nabu-Geschäftsführerin Christiane Schröder. Fragwürdig sei jedoch das Verhalten des Jägers vor dem Zwischenfall. „In der Paarungszeit der Wölfe in einem Wolfsrevier mit unangeleinten Hunden unterwegs zu sein, ist nicht gut.“ Hier gelte es, bessere Vorkehrungen für mögliche Wolfsbegegnungen zu treffen.

Es ist nicht der erste Wolf in Brandenburg, der bei einer Jagd erschossen wurde. Bereits im November 2017 ist eine Wölfin auf einer Gesellschaftsjagd bei Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) von einem dänischen Jäger erschossen worden. Die Staatsanwaltschaft Potsdam stellte das Ermittlungsverfahren im August 2018 jedoch gegen die Zahlung einer vierstelligen Geldbuße ein. Die Behörde begründete die Einstellung damit, dass der Mann geständig gewesen sei, seine Tat bereue und nicht vorbestraft sei.

Seit Langem gibt es eine Debatte darüber, ob ein Abschuss von Wölfen - eine streng geschützte Tierart - erleichtert werden soll. Die Wolfsverordnung in Brandenburg regelt, wie man mit Problemwölfen umgeht. Im allerletzten Fall dürfen sie unter behördlicher Begleitung getötet werden. Es gibt aber auch Forderungen, den Wolf zu bejagen.

Der Wolf ist in Deutschland eine streng geschützte Tierart. Derzeit leben nach Angaben des Landesamtes für Umwelt 37 Rudel und ein Paar Wölfe in Brandenburg. Seit 1990 sind der Behörde über 100 tote Wölfe gemeldet worden. 16 davon wurden illegal geschossen. Über 80 Wölfe starben im Straßenverkehr.