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Hochschulen setzen auf Flüchtlings-Integration

Eine Reihe von Flüchtlingen bereitet sich in speziellen Sprachkursen auf ein Studium vor.
Eine Reihe von Flüchtlingen bereitet sich in speziellen Sprachkursen auf ein Studium vor. FOTO: dpa
Potsdam. Manch ein Flüchtling musste bei seiner Flucht auch das Studium abbrechen – nun bemühen sich die Hochschulen in Brandenburg um Angebote. Rochus Görgen

Ein Jahr nach dem großen Zustrom von Flüchtlingen haben die Hochschulen in Brandenburg bereits zahlreiche Projekte zur Integration aufgelegt. Dutzenden Asylbewerbern wird damit die Chance gegeben, nach ihrer Flucht ein Studium aufzunehmen oder fortzusetzen. An diesem Freitag will Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) mit der Brandenburgischen Landesrektorenkonferenz eine Erklärung zur besseren Integration von Flüchtlingen unterzeichnen.

Die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) hatte bereits im vergangenen Jahr das Programm "Welcome@Viadrina" aufgelegt. Das Programm werde derzeit von 25 Geflüchteten genutzt, sagte Sprecherin Ulrike Polley. Die Hälfte seien Gasthörer, die anderen würden sich in einem Collegestudium auf ein reguläres Studium vorbereiten. Daneben wurden im Sommer in einem dreimonatigen Kurs zehn Geflüchtete auf die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) vorbereitet.

Die Technische Universität Cottbus-Senftenberg berichtete von drei Flüchtlingen im Fachstudium, mehr als zwei Dutzend nehmen an verschiedenen Vorbereitungskursen teil oder sind Gasthörer.

Die Potsdamer Filmuniversität Babelsberg bietet Gasthörerschaft und Schnupper-Studium für Geflüchtete, die dabei jeweils von einem Paten begleitet werden. Wie viele Asylbewerber inzwischen regulär eingeschrieben sind, weiß die Uni nicht, weil dies bei der Immatrikulation nicht abgefragt wird. Doch als prominentes Beispiel nennt die Uni ihren aus Syrien stammenden Studenten Firas Alshater. Der Schauspieler und Produzent von Webvideos gilt bereits heute als YouTube-Star.

An der Technischen Hochschule Brandenburg (THB) sind nach Kenntnissen der Pressestelle derzeit vier Flüchtlinge regulär eingeschrieben - vergangenes Wintersemester waren es zwei. Zudem nehmen 16 Teilnehmer an Deutschkursen oder Sprachvorbereitungsseminaren teil. Die Zahl könne aber höher liegen, weil das Merkmal "Flüchtling" nicht erfasst werde, erklärte Sprecherin Heide Traemann.

Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde bietet seit diesem Wintersemester einen studienvorbereitenden Intensiv-Sprachkurs an. Das Angebot werde nicht nur von Geflüchteten im Landkreis Barnim, sondern auch aus der Uckermark, Märkisch-Oderland und Berlin angenommen, berichtete Sprecherin Stefanie Schulze. Auch an der Technischen Hochschule Wildau starten dieses Semester spezielle Kurse zur Studienvorbereitung von Geflüchteten mit gegenwärtig 43 Teilnehmern.

An der Fachhochschule Potsdam werden derzeit 39 Geflüchtete in einer einjährigen Brückenmaßnahme auf ein Studium vorbereitet. Sie sind derzeit Gasthörer in den Bereichen Architektur, Bauingenieurwesen sowie Sozial- und Bildungswissenschaften, wie die Fachhochschule berichtete. Schwierigkeiten sehen viele Hochschulen in den oftmals noch geringen Sprachkenntnissen, die vor dem offiziellen Beginn eines Studiums verbessert werden müssen. Weitere Probleme bestehen, wenn Studenten nur ein kurz befristetes Aufenthaltsrecht haben und so nicht wissen, ob sie ihr Studium abschließen können.