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| 19:07 Uhr

Es wird heiß
Hitzewelle in Deutschland rollt auch auf Lausitz zu

Am Großkoschener Strand des Senftenberger Sees ist Hochbetrieb. Das Wasser hat schon 22 Grad Celsius – und es wird noch wärmer.
Am Großkoschener Strand des Senftenberger Sees ist Hochbetrieb. Das Wasser hat schon 22 Grad Celsius – und es wird noch wärmer. FOTO: Steffen Rasche
Cottbus/Senftenberg. Erste echte Hitzewelle des Sommers rollt jetzt zwischen Spreewald und Elbe-Elster-Land an. 

Die Lausitz ist klimatechnisch voll auf der Sonnenseite. Das haben Experten des Deutschen Wetterdienstes der Stadt Senftenberg auch in der Beurteilung als Staatlich anerkanntem Erholungsort bescheinigt. Der Nachweis einer „landschaftlich bevorzugten und klimatisch begünstigten Lage“ ist eine zwingende Voraussetzung für das Prädikat. Für das Gutachten ist vor allem auf die verlässlich erhobenen Werte der Wetterwarte Cottbus zugegriffen worden. Diese Wetterdaten liegen seit dem Jahr 1981 lückenlos vor.

Und Mutter Natur hält sich derzeit an das Gutachten: Der heiße Sommer wird jetzt zwischen Spreewald und Kmehlener Bergen noch heißer. Eine neue Hitzewelle rollt auf die Lausitz zu. Bis Mitte nächster Woche soll das Thermometer auf 35 Grad Celsius klettern und das über mehrere Tage, und bei schwachem Wind. Die gefühlte Temperatur liegt bei Mensch und Tier noch um gute zwei bis drei Grad Celsius höher. Zwölf bis 15 Stunden Sonne satt und kein Tropfen Regen verheißt die Sieben-Tage-Vorhersage.

Die neuen Ufer im Lausitzer Seenland sind während der großen Ferien in Brandenburg und Sachsen voll. An den Stränden des Senftenberger Sees aalen sich die Badegäste. Tausende suchen jetzt täglich Abkühlung im Nass. Dabei ist der See selbst jetzt schon 22 Grad Celsius warm.

Die Lausitzer Kliniken sind auf Hitzeopfer eingestellt. Das versichert Dr. Olaf Konopke, Leiter der Zentralen Notaufnahme des Carl-Thiem-Klinikums (CTK) Cottbus. Wenn sich die Temperatur des Umfeldes der des Körpers nähert, muss der Organismus Sonderschichten schieben. Das belastet den Kreislauf. Der Mediziner bestätigt: „Wir erwarten am Wochenende und in der kommende Woche mehr Patienten – vor allem ältere.“ Zu beziffern sei das zwar nicht, aber Stress sei dann im Anmarsch.

Die Patienten seien in Wetterperioden mit anhaltend hohen Temperaturen dehydriert, der Elektrolythaushalt sei durcheinander – und dann spiele der Kreislauf verrückt. „In der Regel reicht eine Infusion, und nach drei bis vier Stunden in der Notaufnahme können die Patienten wieder nach Hause“, sagt der Mediziner. Einige Patienten aber werden den Erfahrungen zufolge, wenn der Zustand ernster ist, auch stationär aufgenommen. An Hitzetagen könne auch die Anzahl von Patienten mit Knochenbrüchen steigen: „Wenn der Kreislauf zusammenbricht und die Betroffenen stürzen, dann kann es auch schneller zu Knochenbrüchen kommen“, sagt Konopke. Sein dringender Rat: ausreichend trinken und sich möglichst nicht der Hitze aussetzen. Also dann besser morgens oder abends einkaufen gehen.

Kluge Tipps, der Hitze kühl zu begegnen, gibt es reichlich: natürlich viel und auch wohltemperiert trinken. Am besten erfrischen Getränke knapp unterhalb der Zimmertemperatur. Leicht gesalzener, abgekühlter Tee wird ausdrücklich empfohlen. Gute Dienste leisten auch Wärmflaschen – befüllt mit kaltem Wasser und zwei Stunden lang im Kühlschrank aufbewahrt, sind sie ebenso eine Wohltat für die heißen Füße wie Einlegesohlen, die aus dem Kühlschrank direkt in den Schuh wandern. Besonderen Schutzes bedarf der Kopf. Hier bringt’s ein Hut. Aber auch ein paar Tropfen Teebaumöl im Haar-Shampoo bewirkt an einem Hitzetag Wunder auf der Kopfhaut. Bockshornkleesamen, die in der Apotheke zu haben sind, im lauwarmen Badewasser beruhigen die Schweißdrüsen. Denn das Deodorant versagt dieser Hitzetage auch viel schneller und gnadenlos.

Das überaus sonnige Senftenberg liegt im bereits stärker kontinental beeinflussten Binnentiefland der Niederlausitz. Das Relief der Landschaft ist flach und offen. Großräumige Luftströmungen werden dadurch kaum beeinflusst oder gebremst. Recht große Jahresschwankungen bei den Temperaturen, wärmere Sommer und kältere Winter, jährlich geringere Niederschlagsmengen und mehr Ostwind werden den Wetterforschern zufolge registriert.

Im Jahresmittel hat die Cottbuser Wetterwarte in den vergangenen 35 Jahren 51 Sommertage registriert. Die Höchsttemperatur hat also 25 Grad Celsius erreicht oder überschritten. Die meisten im Juli und August sowie im April. Hitzetage und damit mehr als 30 Grad Celsius sind seltener gewesen und in vielen Jahren laut offiziellen Wetteraufzeichnungen auch gar nicht registriert worden.

Cottbus hat im Schnitt 1745 Sonnenstunden im Jahr. Senftenberg liegt mit einer mittleren jährlichen Sonnenscheindauer zwischen 1621 und 1660 Stunden noch dahinter – wird aber nachweislich besser beschienen als die als sonnenverwöhnt geltende Ostsee-Insel Usedom. Im Mittel sind das für die Lausitzer trotzdem nur 37 garantiert heitere Tage im Jahr. Die trüben fallen mit 140 deutlich mehr ins Gewicht. Am Wochenende und in den kommenden Tagen gibt es aber mit größter Wahrscheinlichkeit nur eitel Sonnenschein.