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"Hilfe für Milchbauern kam zu spät"

Noch immer ist für die Milchproduzenten kein Ende der Krise in Sicht. Allein in Brandenburg mussten 90 Betriebe aufgeben.
Noch immer ist für die Milchproduzenten kein Ende der Krise in Sicht. Allein in Brandenburg mussten 90 Betriebe aufgeben. FOTO: dpa
Teltow. Brandenburger Bauern leiden immer noch unter dem Preisverfall für Milch. Finanzielle Hilfen kamen oft zu spät, wird kritisiert. Die Krise ist für die Landwirte nicht vorbei. Gudrun Janicke

Trotz der Hilfspakete für Milchbauern angesichts des Preisverfalls hat sich die Lage der Branche in Brandenburg nach Angaben des Bauernverbands nicht entscheidend verbessert.

In den vergangenen zwei Jahren mussten im Land 90 Milchbetriebe aufgeben, wie der Sprecher des Landesbauernverbandes, Sebastian Scholze, auf Anfrage sagte. Es deute sich zwar eine Entspannung auf dem Weltmarkt an. "Vor Ort ist davon aber nichts zu spüren", betonte Scholze. "Die Milchpreiskrise ist für uns noch nicht vorbei." Aktuell stehen in Brandenburg etwa 138 000 Milchkühe in den Ställen, 16 000 Tiere weniger als noch zu Beginn 2015. Wegen Abschaffung der europaweiten Milchquote gibt es ein Überangebot. Damit kann Milch nicht mehr kostendeckend produziert werden.

2015 hatten die Landwirte teilweise nur 20 Cent je Kilogramm Milch erhalten. Die derzeitigen durchschnittlichen Erlöse von 31 Cent pro Kilogramm seien kein Grund zum Jubeln, sagte Scholze. Das sei zwar mehr als noch vor ein paar Monaten. "Ehe jedoch nicht ein dauerhaftes Preisniveau von 35 Cent erzielt werden kann, arbeiten die Landwirte weiterhin nicht kostendeckend", sagte Scholze.

Hilfspakete, mit denen Folgen für Landwirte abgefedert werden, haben nach Ansicht des Landesbauernverbandes zu spät gegriffen. Damit sollten die Milchmengen reduziert werden. Wie das Agrarministerium mitteilte, wurden 144 Anträge auf finanzielle Hilfen vollständig beziehungsweise gekürzt bewilligt. Damit wurden von Oktober 2016 bis Januar 2017 rund 18 000 Tonnen weniger produziert - etwa 1,3 Prozent der 2015 im Land erzeugten Menge.

Pro Liter nicht gemolkener Milch erhielten die Landwirte 14 Cent. "Das sollte ein Anreiz sein, von vornherein weniger Milch in den Markt zu bringen", sagte der Sprecher des Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade. Damit allein sei die Milchpreiskrise allerdings nicht zu bewältigen.

Aus Sicht der Bauernverbandes haben insbesondere die Molkereien den Ernst der Lage noch nicht erkannt. Nach wie vor sei nicht klar, welche Menge zu liefern sei. "Und die Bauern erfahren erst Wochen nach der Abgabe, was sie eigentlich verdient haben", kritisierte Verbandssprecher Scholze. "Eigentlich kann man nicht wirklich vom Verkauf sprechen, sondern lediglich vom Abliefern", sagte er.

Zum Thema:
Das größte deutsche Molkereiunternehmen Deutsches Milchkontor (DMK) will höhere Milchpreise bezahlen. Die Molkerei habe mit Händlern höhere Preise für Trinkmilch, Joghurt und Quark aushandeln können, wie ein Sprecher dieser Tage bestätigte. (die RUNDSCHAU berichtete). Auch für Butter seien die Preise gestiegen. Ein Sprecher hatte weiter gesagt, dass man auch bei Käse in Verhandlungen sei - mit guter Tendenz. Das bedeutet für Bauern mehr Einnahmen, für Verbraucher höhere Preise für Milchprodukte im Supermarkt. Die DMK-Gruppe gehört mit einem Umsatz von 4,6 Milliarden Euro zu Europas größten Unternehmen in der Milchwirtschaft.