Die Flut kam plötzlich und tsunamiartig. Fünf Meter hoch stand das Wasser der Ahr am 14. Juli 2021 auf den Sportplätzen und in den Vereinsgebäuden des SC Sinzig. „Es ist alles weg oder zerstört, was ein Verein zum Fußball spielen braucht“, sagt Jürgen Saess, der Geschäftsführer des Sportclubs, der in diesem Jahr sein 111-jähriges Bestehen gefeiert hat.
„Als ich die Verwüstung gesehen habe, dachte ich: ‚Das war es. Unser Verein ist tot.’“ Verloren sind neben den zwei Fußballplätzen die dazu gehörenden Flutlichtanlagen sowie nun vor dem Abriss stehende Gebäude wie der Imbiss mit neuer Küche, das kleine Vereinshaus, die Umkleidekabinen, die Sanitäreinrichtungen. Auch sämtliches Equipment der Mannschaften wie Trikots und Hosen wurde ein Opfer der Fluten. Rund 220 Vereinsmitglieder, die Hälfte davon Kinder und Jugendliche, stehen vor dem Nichts.

Der SC Sinzig braucht eine Perspektive

Wenn Jürgen Saess von der Katastrophe erzählt, denkt er nicht zuerst an seinen Verein, sondern an die ganze Region, an die unfassbare Zerstörung, das unsagbare Leid. „Die Arbeit von Generationen wurde in einer Nacht vernichtet.“ Und ihm ist klar, dass die Stadt Sinzig jetzt anderes zu tun hat, als sofort dem Sportverein finanziell unter die Arme zu greifen.
Gleichzeitig war dem pensionierten Berufssoldaten klar, dass schnell etwas passieren muss, damit der Verein eine Perspektive hat. Und da kam Ende Juli wie ein Wunder eine erste Spende aus Brandenburg, nämlich rund 8000 Euro, die der SV Grün-Weiß Ahrensfelde bei einem Benefizspiel gesammelt hat. „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie wichtig das war“, erzählt Saess. „Wir konnten davon Mannschaftstrikots kaufen. Und das bedeutet: Wir sind als Verein wieder da!“

Als die Nachricht von der Spende kam, war Jürgen Saess den Tränen nahe

Gewonnen ist damit aber freilich noch nichts. Insbesondere zu vielen Kindern und Jugendspielern fehlt derzeit schlichtweg der Kontakt, da es keine Gelegenheit zum Kicken gibt. „Wie sorgen wir dafür, dass wir die Jugend nicht verlieren?“, fragt sich der Vereins-Geschäftsführer. Es werde schließlich Jahre dauern, bis die Vereinsanlage wieder hergestellt ist.
„Als in dieser Lage die Nachricht kam, dass wir mit einer großen Spende der Aktion ‚Wir helfen!’ rechnen können, war ich den Tränen nah“, erinnert sich der 65-Jährige. „Ganz ehrlich, ich kann es immer noch nicht fassen, dass es eine so große Summe ist. Wir sind unheimlich dankbar.“

Die Spenden senden ein Aufbruchssignal

Aus dem Topf der gemeinsamen Spendenaktion der Märkischen Oderzeitung, der Lausitzer Rundschau, des Landkreises Märkisch-Oderland und mehrerer Kommunen gehen 100.000 Euro an den SC Sinzig. Jürgen Saess ordnet diese enorme Hilfsbereitschaft und den Nutzen des Geldes in einen größeren Zusammenhang ein.
Er erzählt, wie er 1997 gemeinsam mit seiner Ehefrau im Namen eines Vereins während eines Weinfests Spenden für die Opfer des Oder-Hochwassers gesammelt hat. „Damals haben wir geholfen, jetzt wird uns geholfen.“ Und er beschreibt, wie wichtig die Spenden und damit angeschobene Projekte als Aufbruchssignal und Stimmungsaufheller sind.

Gekauft werden zwei Kleinbusse sowie Trikots, Tore und Toiletten

„Wenn beim SC Sinzig schnell wieder Fußball gespielt wird, gibt das auch anderen Menschen Hoffnung“, ist Saess überzeugt. Die erste Anschaffung von dem Spendengeld sollen deshalb zwei gebrauchte Kleinbusse sein, mit denen Kinder und Jugendliche zu anderen Sportplätzen gefahren werden, um dort zu trainieren und vielleicht auch Spiele auszutragen. Zudem werde man von dem Geld weitere Ausrüstung kaufen, von Trikots bis zu Toren. Hinzu komme die Anschaffung von Toiletten-Containern und möglicherweise weiteren improvisierten Behausungen etwa für Umkleidekabinen und Duschen.
Zunächst jedoch werde jetzt eine Bodenprobe genommen, ob auf dem Fußballplatz womöglich giftige Stoffe angespült wurden. Für den 21. August ist dann ein großer Arbeitseinsatz im Rhein-Ahr-Stadion geplant, bei dem Schlamm und Unrat vom Platz entfernt werden. „Das Ziel ist, in Sinzig so schnell wie möglich zumindest einen Platz wieder bespielbar zu haben“, sagt Saess.

Brandenburg hilft Unwetter-Opfern

Die Bilder aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gehen unter die Haut. In Brandenburg lösen die weinenden Menschen vor ihren zerstörten Häusern Erinnerungen an die Hochwasser von 1997 und 2002 aus. Damals gab es eine bundesweite Welle der Solidarität, die die Not der Menschen gelindert hat. Jetzt ist es Zeit, davon etwas zurückzugeben. Deshalb rufen die Märkische Oderzeitung und die Lausitzer Rundschau in Kooperation mit dem Landkreis Märkisch-Oderland zu einer Spendenaktion „Wir helfen“ auf.
Für die Spenden aus Brandenburg wurde ein Konto eingerichtet: Landkreis Märkisch-Oderland, IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021
Alle Details zur Spendenaktion "Wir helfen" finden Sie hier.