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| 18:44 Uhr

Internationale Zusammenarbeit
Brandenburger Polizisten in Palästina

FOTO: Frank May / dpa
Jerusalem. Zwei Beamte vom Brandenburger Landeskriminalamt sind zum wiederholten Mal zu Gast in Palästina. Sie bringen palästinensischen Polizisten den Umgang mit dem AFIS-System zur automatisierten Erfassung von Fingerabdrücken bei. Von Benjamin Lassiwe

Auf einem Bildschirm betrachtet ein Polizeibeamter konzentriert eine Reihe von Fingerabdrücken. Ein anderer Beamter schneidet Fotos von Verdächtigen zurecht. Alltag bei der Spurensicherung der Polizei im Palästinensischen Ramallah. Und René Sablotny und Jens Bülow sind mittendrin dabei. Die beiden Beamten vom Brandenburger Landeskriminalamt sind wieder einmal zu Gast in Palästina – der eine zum fünften, der andere gar zum neunten Mal. Sie leisten hier Entwicklungshilfe: Den Beamten der 8000 Mann starken palästinensischen Polizei bringen sie den Umgang mit dem AFIS-System zur automatisierten Erfassung von Fingerabdrücken bei, das in Brandenburg schon lange eingeführt ist.

Am Mittwoch wurden sie an ihrem vorübergehenden Arbeitsplatz von Ministerpräsident Dietmar Woidke und Innenstaatssekretärin Katrin Lange besucht. „Zu einem rechtssicheren Staat gehört auch eine Polizei, die rechtssicher arbeitet“, sagte die Prignitzerin Lange. Man wolle mit der Ausbildung palästinensischer Beamter in Ramallah, aber auch auf der Landespolizeischule in Oranienburg, dazu beitragen, dass die Menschen Vertrauen in ihre Polizei gewinnen. Und Ministerpräsident Woidke ergänzt: „Ich bin der festen Überzeugung, dass es für die ganze Region gut ist, wenn es eine starke staatliche Struktur in Palästina gibt – und dazu gehört zuallererst auch eine starke Polizei.“

Koordiniert wird die Unterstützung bei der Polizeiausbildung vom Bundeskriminalamt, das auch die Technik zur Verfügung stellt. Aus Brandenburg hingegen kommen die Experten. „Die palästinensischen Kollegen arbeiten mit den gleichen Mitteln und Verfahren wie wir in Brandenburg“, sagt René Sablotny. Und der Polizeichef der palästinensischen Zivilpolizei, Hazem Atallah, betont auch gegenüber dem Besuch aus Deutschland, dass mit Hilfe der von den Brandenburger Ausbildern vermittelten Inhalten schon mancher Fall gelöst werden konnte. „Einmal habe wir ein Marijuana-Labor ausgehoben“, sagt Atallah. „Da kam zu uns ein Mann, und sagte, dass das sein Labor war.“ Das kam den Beamten merkwürdig vor: „Wer gibt denn freiwillig so etwas zu?“ Mit Hilfe der Fingerabdrücke bekamen sie heraus, dass das Labor eigentlich dem Bruder des Mannes gehörte, der seinen geistig behinderten Verwandten vorgeschickt hatte.

Doch wie alles Andere im Westjordanland leidet auch die dortige Polizei unter dem Nahostkonflikt. Denn die Gegenden, in denen die Palästinenser die volle Polizeigewalt ausüben, sind voneinander getrennte Enklaven, die durch Gebiete unter israelischer Kontrolle getrennt sind. Was konkret bedeuten kann, dass sich ein Verbrecher schlicht durch Flucht in das jeweils andere Gebiet der Verfolgung entziehen kann. Doch die Zusammenarbeit mit den Israelis klappe im Großen und Ganzen gut, betonte Polizeichef Atallah. „Und kein Verbrecher kann sich andauernd vor uns verstecken – irgendwann kriegen wir ihn.“