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| 16:18 Uhr

Jubilar
Vom Konditor zum Volksmusiker und Rocker

Pechschwarze Sonnenbrille, blondes Haar. Laut Umfragen kennen 98 Prozent der Deutschen Heino.
Pechschwarze Sonnenbrille, blondes Haar. Laut Umfragen kennen 98 Prozent der Deutschen Heino. FOTO: dpa / Daniel Reinhardt
Hamburg/Düsseldorf/Bad Münstereifel. Kultfigur, Witzfigur und Reizfigur: Der Sänger Heino wird heute 80 und geht 2019 auf Abschiedstour.

() „Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung“, das wusste schon Oscar Wilde. Daran gemessen hat Heino vieles richtig gemacht. Unzählige Male wurde der Schlager- und Volksmusiksänger parodiert, vor allem von Otto Waalkes, der ihn in einem Film von 1985 sogar als Zombie mit „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ aus dem Grab auferstehen ließ.

Bis heute ist Heino Kultfigur, Witzfigur und Reizfigur gleichermaßen. „Das ist alles Teil meines Erfolges“, sagt Heino. Am heutigen 13. Dezember feiert der Musiker, der mehr als 50 Millionen Tonträger unter die Leute gebracht hat, seinen 80. Geburtstag.

Anfangs deutete noch wenig darauf hin, dass der in Düsseldorf-Oberbilk geborene Heinz Georg Kramm zu einem der berühmtesten Sänger Deutschlands aufsteigen sollte. Sein Vater, ein Zahnarzt, fällt im Zweiten Weltkrieg, da ist er gerade mal drei Jahre alt. Seine Mutter muss sich und die zwei Kinder allein durchbringen. Im Alter von acht Jahren schenkt sie ihm das gewünschte Akkordeon. Ihr zuliebe macht er eine Lehre als Bäcker und Konditor, bis er sich voll und ganz seiner eigentlichen Leidenschaft – der Musik – zuwendet.

In den 60er-Jahren tritt er mit einem von ihm gegründeten Musiktrio bei einer Modenschau auf. Dort wird er von Schlagersänger Ralf Bendix entdeckt, der ihn auch die nachfolgenden 25 Jahre als Produzent und Komponist begleiten soll. Schon Heinos erste Single 1965 „Jenseits des Tales“ verkauft sich mehr als 100 000 Mal.

Mit dem Album „Kein schöner Land“ gelingt Heino 1967 der endgültige Durchbruch. Es sind überwiegend Volkslieder, mit denen er in den politisierten, von englischen Beatbands dominierten Sechzigern Erfolge feiert.

Während er damit für die einen Identifikationsfigur ist, ist er besonders für politisch Linke mit seiner unkritischen Haltung gegenüber den Liedern, derer sich auch die Nationalsozialisten bedienten, ein Dorn im Auge. In der DDR wird er als „Leitfigur der Reaktion“ sogar verboten. 1972 kommt mit „Blau blüht der Enzian“ Heinos größter Hit; das Lied nimmt er später auch noch mal in einer Rap-Version auf. Im selben Jahr lernt er seine dritte Frau Hannelore Auer kennen. Mit ihr tritt er auch als Heino & Hannelore in gemeinsamen TV-Shows auf.

Immer wieder sorgt Heino für Kontroversen, zum Beispiel als er in den Siebzigern auf Bitten des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger alle drei Strophen des Deutschlandliedes auf Schallplatte aufnimmt.

Sein einziges Nummer-eins-Album in den Charts gelingt ihm als 74-Jähriger mit dem Werk „Mit freundlichen Grüßen“, für das er sich mit Coverversionen populärer Hits als Deutschrocker neu erfindet.

Doch nun soll Schluss sein mit der Musikkarriere. Seinen Abschied besiegelt er mit dem Album „... und Tschüss“, dem 2019 eine letzte Tour folgen soll.

(dpa)