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| 19:36 Uhr

Deutscher Hebammenkongress
Kindern auf die Welt helfen im Akkord

Martina Schulze (l.) und Beatrice Manke.
Martina Schulze (l.) und Beatrice Manke. FOTO: Benjamin Lassiwe
Berlin. Im Mai 2019 wird es für die Cottbuser Hebamme Beatrice Manke sehr viel zu tun geben. „Ich habe schon zehn Frauen angenommen, mehr als sonst im Monat“, sagt Beatrice Manke. „Aber 20 musste ich absagen.“ Denn die Hebamme betreut die Frauen ja nicht nur während der Schwangerschaft, sondern auch nach der Geburt.

Beatrice Manke merkt den Druck, der zunehmend auf ihrem Berufsstand lastet: „Wir haben zu wenige Hebammen in Deutschland.“

Manke ist in diesen Tagen allerdings nicht in Cottbus, sondern in Berlin zu treffen. Denn dort findet der Deutsche Hebammenkongress statt: 220 Geburtshelferinnen aus ganz Deutschland beraten dort über die Situation ihres Berufs. „Vor allem in den Kliniken brauchen wir mehr Hebammen und bessere Arbeitsbedingungen“, sagte die Präsidentin des Verbands, Urike Geppert-Orthofer.

Während eine Hebamme im Ausland 30 bis 40 Geburten pro Jahr betreue, käme eine Hebamme in Deutschland auf 80 oder 90 Geburten pro Jahr. Die Arbeitsbedingungen trügen dazu bei, dass es einen Exodus der Hebammen aus der Geburtshilfe gebe. „Es wurde über viele Jahre am Personal extrem gespart.“

Dass eine Hebamme vier oder fünf Frauen zeitgleich betreue, sei keine Seltenheit. Standard sollte dagegen eine Eins-zu-eins-Betreuung sein. Das DHV-Präsidiumsmitglied Susanne Steppat sprach sich ferner dafür aus, den Kliniken die Vorhaltekosten für einen Kreißsaal und eine Hebamme auch dann zu finanzieren, wenn dort gerade keine Geburt stattfindet. „Eine Feuerwehr wird auch dann finanziert, wenn sie gerade nicht ausrückt“, so Steppat. Das deutsche Gesundheitssystem rechne aber nur tatsächliche Geburten ab.

Und in Brandenburg weiß man nicht einmal, wie viele Hebammen es wirklich gebe, sagt Martina Schulze, die Landesvorsitzende des Hebammenverbandes. Zwar müssten sich alle Hebammen bei den Gesundheitsämtern der Kreise anmelden, in denen sie tätig seien. Aber zum einen seien Hebammen oft in mehreren Kreisen gemeldet – sie selbst zum Beispiel in Potsdam und in Potsdam-Mittelmark –, und zum anderen würden sich Frauen, die ihren Arbeitsumfang aus familiären Gründen reduzierten oder gar nicht mehr als Hebamme tätig seien, oft nicht abmelden.

„Wir haben keine verlässliche Übersicht.“ Dazu komme die Frage nach der Akademisierung der Hebammenausbildung: Derzeit werden Hebammen an Fachschulen in Cottbus und in Eberswalde ausgebildet. Die EU schreibe aber vor, bis Anfang 2020 die Hebammenausbildung zu akademisieren. Davon sei man in Deutschland heute noch weit entfernt. „Dass man 2017 in Eberswalde noch eine neue Fachschule gegründet hat, ist zwar insofern gut, weil dort weitere Hebammen ausgebildet werden“, sagt Schulze. „Aber es ist nie gut, etwas mit alten Vorzeichen neu anzufangen.“

In der Frage, an welcher Brandenburger Hochschule eine Hebammenausbildung stattfinden könnte, will sich Schulze nicht festlegen – theoretisch käme hier natürlich die BTU mit ihrem gesundheitswissenschaftlichen Schwerpunkt infrage. „Wichtig ist uns aber, dass alle die Kolleginnen, die heute Hebammen ausbilden, das trotz der Akademisierung auch künftig weiter tun können – und mit ihrem Expertenwissen nicht im Dreischichtsystem im Kreißsaal landen.“