| 02:43 Uhr

"Haltestelle Woodstock": Woidke interveniert in Warschau

Viele Tausende zieht es seit Jahren im August auf das Festivalgelände nahe Kostrzyn. Darunter sind auch viele deutsche Jugendliche.
Viele Tausende zieht es seit Jahren im August auf das Festivalgelände nahe Kostrzyn. Darunter sind auch viele deutsche Jugendliche. FOTO: dpa
Seelow/Kostrzyn. Seit einigen Jahren unterstützen Feuerwehren aus Brandenburg und Berlin das Festival. In diesem Jahr wollen die Nachbarn auf die Unterstützung verzichten. dpa/uf

Im Streit um den Einsatz deutscher Helfer beim Rockfestival "Haltestelle Woodstock" hat Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bei Polens Regierung interveniert. Die Behörden dort hatten Anfang der Woche erklärt, sie wollten auf die Unterstützung von Berliner und Brandenburger Feuerwehren verzichten. Das Spektakel an der Grenze findet vom 3. bis 5. August zum 23. Mal statt und lockt Hunderttausende Besucher an, darunter viele Deutsche.

"Wir beide wissen, dass es an der Oder seit Jahren eine eingespielte grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Feuerwehren gibt, die der Sicherheit der Menschen in der Region dient", schrieb Woidke nach Angaben der Staatskanzlei den Koordinator für die polnisch-deutsche Zusammenarbeit, Staatssekre tär Jakub Skiba. Er hoffe, dass dieses wichtige Thema der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen noch ein mal diskutiert werde, so Woidke.

Verwundert zeigte sich der Regierungschef darüber, dass die polnische Seite die Absage mit der Bedrohung durch potenzielle Terroranschläge begründet habe: "Gerade bei de facto landesübergreifenden Veranstaltungen, wie dem Festival, scheint es angezeigt, der Gefahrenlage durch gute Zusammenarbeit gemeinsam zu begegnen."

Im Ringen mit Polen um das Rockfestival war am Donnerstag sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ins Spiel gekommen. Er hoffe, dass dieser seine diplomatischen Kontakte und das Gewicht seines Amtes nutze, um für eine Verständigung zu sorgen, hatte der Seelower Bundestagsabgeordnete Hans-Georg von der Marwitz (CDU) in einem offenen Brief geschrieben.

Auch die Stadt Frankfurt (Oder) bat Polen darum, die Entscheidung, keine deutschen Helfer auf dem Festival einzusetzen, zu überdenken, erklärte der Amtsleiter für Katastrophenschutz, Helmut Otto.

Was den Veranstalter des Rockfestivals angeht, so hätte dieser offensichtlich auch wieder gerne deutsche Helfer an Bord. Bereits Anfang der Woche erhielt Amtsleiter Otto nach eigenen Angaben ein entsprechendes Schreiben. Allerdings könne eine Kooperation nur zustande kommen, wenn die Anfrage von einer offiziellen polnischen Behörde kommt, erläuterte er.

Seit einiger Zeit schwelt zwischen Veranstaltern und der polnischen Regierung ein Streit um die Sicherheit des Spektakels an der Grenze. Innenminister Mariusz Blaszczak sieht eine erhöhte Terrorgefahr in Deutschland als Bedrohung für das Festival, wie die Zeitung "Rzeczpospolita" unlängst berichtete.

Regierungskritiker werteten die Bedenken der PiS jedoch als Offensive gegen Festivalchef Jerzy Owsiak. Es heißt, der Organisator und das ausgelassene Event seien den nationalkonservativen und der katholischen Kirche nahestehenden PiS-Anhängern ein Dorn im Auge.