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Karneval
Gute Stimmung bei Brandenburgs Karnevalsvereinen

Potsdam. Brandenburgs Narren wollen die fünfte Jahreszeit im Land so bunt wie möglich gestalten. Nachwuchsprobleme haben sich in vielen Vereinen bereits relativiert. Erfolgsrezepte dagegen sind Netzwerkpflege in der Region und gute Zusammenarbeit mit den Kommunen.

Die Karnevalsvereine in Brandenburg sind in guter Verfassung. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „In vielen Vereinen ist der Mitgliederschwund gestoppt“, sagt der Präsident des Karnevalsverbands Berlin-Brandenburg (KVBB), Walter Kassin, aus Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark). Als Hauptgrund sieht er dafür den Einsatz der Vereine vor Ort in Schulen und Kitas sowie die gute Kooperation mit den Kommunen.

Im Verband sind laut Kassin derzeit 120 Brandenburger und 24 Berliner Vereine mit jeweils durchschnittlich 100 Mitgliedern organisiert. Bis zu 50 weitere Vereine gebe es in der Region darüber hinaus. Eine gute Möglichkeit, auf sich und das Brauchtum aufmerksam zu machen, seien auch die zahlreichen Jubiläen, die viele Vereine in diesem Jahr feiern würden. „Nach dem Mauerbau sind die Vereine aus dem Boden geschossen“, sagt Walter Kassin. Der Karneval sei früher ein Ventil gewesen, politische und gesellschaftliche Missstände unter der Hand zu kritisieren.

Während viele Vereine auf private oder betriebliche Initiativen zurückgingen, war die Gründung der Interessengemeinschaft Cottbuser Carneval (ICC) vor 35 Jahren parteilich angeordnet worden, wie ICC-Präsident Jens Kalliske erklärt. Dort seien Büttenreden auch zensiert worden. Die ICC gehört zu den ältesten Karnevalsvereinen in Cottbus und zählt heute 74 Mitglieder. „Die Tendenz ist leicht steigend“, sagt Kalliske.

Bei den ganz jungen Karnevalisten gebe es keinen Nachwuchssorgen. Über 60 Prozent der Mitglieder sei unter 18 Jahren. Allerdings verzeichne der Verein nach wie vor einen Einbruch bei der Generation zwischen 20 und 40 Jahren. „Viele verlassen Cottbus nach der Schule“, sagt der ICC-Präsident. Neben der Mitgliederentwicklung sei auch eine Veränderung im Publikum zu beobachten. Das bevorzuge vor allem „Show“. Deshalb hätte der ICC jüngst ein Show-Tanz-Tournier im Verband der Lausitzer Karnevalsvereine mit ins Leben gerufen.

Auf mehr Show will auch der Wittstocker Carneval Club (WCC) in Ostprignitz-Ruppin setzen. Der Verein feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. „Eigentlich ist das keine närrische Zahl aber wir lassen es trotzdem krachen“, kündigt WCC-Präsident Egbert Schröder an. 62 Mitglieder sind aktuell im Verein aktiv. Wie in Cottbus fehlt auch in Wittstock die Generation 20 Plus. „Die Talsohle ist aber mittlerweile durchschritten“, sagt der Präsident.

Noch vor drei Jahren habe der Verein fast vor seiner Auflösung gestanden. Die Trainingsräume seien weg gebrochen. Dank der Unterstützung durch die Stadt sei es den Narren aber kurzfristig gelungen, eine neue Bleibe zu bekommen. „Ansonsten sparen wir, wo wir nur können“, berichtet Egbert Schröder und verweist auf Girlanden, die schon über Jahre hinweg benutzt würden. Der WCC-Präsident sieht, wie auch Walter Kassin, den Karneval in der Mark als traditionelles Kulturgut an, das entsprechend vom Land und vom Bund unterstützt werden müsse.

Dank der guten Kooperation mit der Stadt Cottbus gelingt es auch dem ICC und weiteren Vereinen aus dem Umland, jedes Jahr wieder das wohl größte närrische Event Brandenburgs auf die Beine zu stellen: den Karnevalsumzug durch Cottbus. Kalliske zufolge werden bis zu 7000 Narren aus dem ganzen Land mitwirken, 80 000 Schaulustige würden erwartet. „Ein entsprechendes Sicherheitskonzept ist schon lange mit der Polizei und der Stadt ausgearbeitet worden“, sagt der ICC-Präsident. So würden auch Straßenbahnen als Sperren für einen möglichen Terroranschlag durch einen Laster eingesetzt.

„So etwas kann auch nur gelingen, wenn die Stadt voll dahinter steht“, sagt Kalliske. Das sei in Berlin nicht der Fall gewesen, weshalb es dort keinen Umzug in diesem Jahr gebe. Allgemein könnten die Berliner in Sachen Karneval noch einiges von den Brandenburgern lernen, wie Walter Kassin sagt. Aufgrund der Größe der Stadt und Distanz zur Verwaltung und den Vereinen untereinander sei es in Berlin aber schwieriger, das närrische Treiben am Leben zu halten.

(dpa)