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| 19:41 Uhr

Dreifachmord-Prozess
Gutachter: Angeklagter schuldfähig

Der Angeklagte (M.) im Gespräch mit seinem Anwalt Stefan Böhme (r.).
Der Angeklagte (M.) im Gespräch mit seinem Anwalt Stefan Böhme (r.). FOTO: Patrick Pleul / dpa
Frankfurt (Oder). Am Montag hat ein psychatrischer Gutachter im Dreifach-Mordprozess in Frankfurt (Oder) ausgesagt. Der Angeklagte hatte seine Oma und zwei Polizisten umgebracht. Der Experte hält den Mann für voll schuldfähig.

Der Angeklagte im Dreifachmordprozess von Ostbrandenburg ist aus Sicht eines Gutachters schuldfähig. Es gebe keine psychiatrischen Gründe, die seine Schuldfähigkeit infrage stellen würden, sagte der Professor für forensische Psychiatrie am Montag in der Verhandlung vor dem Landgericht Frankfurt (Oder).

Der Beschuldigte soll Ende Februar zuerst seine Großmutter in ihrem Wohnhaus in Müllrose (Oder-Spree) und danach – etwas weiter entfernt – auf der Flucht vor der Polizei zwei Beamte an einer Bundesstraße totgefahren haben. Die Taten hat er im Prozess zugegeben. Er soll seinerzeit, Ende Februar, unter dem Einfluss von Drogen und Psychopharmaka gestanden haben.

Was die Fluchtfahrt und den Tod der Polizisten betrifft, geht das psychiatrische Gutachten von voller Schuldfähigkeit aus. Auf eine Einschränkung der Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten deute nichts hin, betonte der Gutachter. Er habe eine klare Zielrichtung gehabt, nämlich die Flucht durchzuziehen. „Er hatte Zeit zu realisieren, in welcher Lage er sich befindet.“

Das psychiatrische Gutachten macht aber eine Einschränkung, was den Tatablauf in Müllrose angeht, der sich vor der Fluchtfahrt ereignete. Weil der Angeklagte dort noch stärker unter dem Einfluss von Drogen gestanden habe, könne nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass das zu einer Einschränkung der Steuerungsfähigkeit führte, erläuterte der Gutachter. Deshalb könne es sein, dass der Beschuldigte bei diesem Tatkomplex vermindert schuldfähig war.

Der Gutachter sprach von einer „emotional instabilen Persönlichkeitsstörung“ bei dem Angeklagten. Eine schizophrene Erkrankung, wie von anderer Stelle in den Vorjahren diagnostiziert worden war, liege aber nicht vor. Diese Einschätzung geht mit der eines Arztes einher, der den Angeklagten seit seiner Festnahme in einer psychiatrischen Einrichtung in Brandenburg/Havel betreut. Auch er hatte vor Gericht gesagt, dass der Angeklagte nicht an einer schizophrenen Erkrankung leide.

In einem früheren Raubprozess gegen den beschuldigten Deutschen war er hingegen wegen einer „undifferenzierten Schizophrenie“ für schuldunfähig erklärt worden.

(dpa/bl)