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| 19:46 Uhr

Abgesenkter Grundwasserspiegel
„Grüner Rasen muss nicht sein“: Wasser in Brandenburg weiter knapp

 Grüner Rasen sieht schön aus, doch mit Blick auf den aktuellen starken Wassermangel in Brandenburg sollte das Grundwasser dafür lieber gespart und nur fürs Nötigste verwendet werden.
Grüner Rasen sieht schön aus, doch mit Blick auf den aktuellen starken Wassermangel in Brandenburg sollte das Grundwasser dafür lieber gespart und nur fürs Nötigste verwendet werden. FOTO: dpa / Hauke-Christian Dittrich
Potsdam/Pirna. Brandenburger Umweltministerium ruft zu Sparsamkeit auf. Zurzeit keine Entspannung in Sicht. Wasser aus Sachsens Talsperren trägt zu Entlastung bei.

(dpa/lsc) Ein schöner grüner englischer Rasen, gesprengt mit Grundwasser: Brandenburger sollten sich das Wasser dafür sparen und nur gießen, was unbedingt nötig ist, so der Appell von Kurt Augustin, Leiter der Abteilung Wasser und Boden im Brandenburger Umweltministerium. Denn die anhaltende Trockenheit hat Brandenburg nach wie vor fest im Griff, Wasser ist weiterhin Mangelware.

Dass es in der Spree nach wie vor fließt, sei dem guten Wassermanagement zu verdanken, so werde Wasser von der Talsperre Spremberg in die Spree geleitet. Allerdings: Es fließt weniger in die Talsperre rein als raus. Nach derzeitigem Stand sollte das Wasser der Talsperre dafür noch 45 Tage reichen, ausgehend von einem angestrebten Wasserspiegel von 90 Metern über Normalnull (NN).

Bleibt es aber auch die nächsten Wochen so trocken, dann müssten eventuell die Wasserspeicher der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft angezapft werden. Und der Wasserspiegel der Talsperre Spremberg müsse vielleicht sogar auf 89 Meter über NN gesenkt werden, das brächte rund 40 Millionen Kubikmeter Wasser, um die Spree zu speisen. Allerdings hätte dann das Eisenoxid wohl nicht mehr genug Zeit, sich abzusetzen, die Spree würde vermutlich braun. „Hier muss man dann Prioritäten setzen“, sagt Augustin.

Prioritäten setzen, das sei jetzt generell wichtig. „Ich selbst habe bereits im Mai aufgehört, meinen Rasen zu wässern“, sagt Augustin. Denn auch beim Grundwasser seien die Folgen der Hitze und Trockenheit längst angekommen. So gebe es Grundwasserabsenkungen um 20 Zentimeter bis hin zu 80 Zentimetern. Da Fließgewässer auch durch Grundwasser gespeist werden, sei Sparsamkeit das Gebot der Stunde.

Mittlerweile gebe es in sechs Brandenburger Landkreisen, neuerdings auch in Märkisch-Oderland, Entnahmeverbote für Oberflächenwasser aus Flüssen und Seen. Auch in den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße, Cottbus, Dahme-Spreewald und Elbe-Elster darf zwischen 6 und 21 Uhr aus Flüssen und Seen kein Wasser mehr gepumpt werden.

Eine große Hilfe für Brandenburgs Gewässer sind die Talsperren in Sachsen, von denen Brandenburg jährlich bis zu 20 Millionen Kubikmeter übergeleitet bekommt. Dass es in Sachsen an der Wasserfront gut aussieht, liegt auch daran, dass dort im niederschlagsreichen ersten Quartal dieses Jahres Wasser zwischengespeichert wurde, das nun für die unterschiedlichen Nutzungen abgegeben werden kann, wie die Landestalsperrenverwaltung in Pirna mitteilt.

Wegen der geringen Niederschläge in den vergangenen Wochen sinken die Füllstände aber auch dort, weil die Zuflüsse weniger Wasser führen. „Dies hat jedoch derzeit keinerlei Auswirkungen auf die Rohwasserbereitstellung, weder für Trinkwasser noch für Brauchwasser“, teilte die Behörde mit.

Die für die Trinkwasserversorgung genutzte Talsperre Eibenstock oder auch das Talsperrensystem Mittleres Erzgebirge sind demnach zu 92 Prozent gefüllt. Auch die großen Brauchwasserspeicher haben noch genug Wasser. So ist die Talsperre Pöhl zu 78 Prozent gefüllt und die Talsperre Bautzen zu 79 Prozent. Durch ihre Wasserabgaben entschärfen sie so wie andere Rückhaltebecken die Niedrigwassersituation an den unterhalb liegenden Flüssen, teilt die Landestalsperrenverwaltung mit.

In Brandenburg spüren einige Wasserwerke die anhaltende Trockenheit. „Wegen der anhaltenden Hitzewelle fährt das Wasserwerk Tettau derzeit unter Volllast“, informierte der Wasserverband Lausitz (WAL). Rund 41 000 Kubikmeter Trinkwasser wurden etwa am Donnerstag ins öffentliche Netz abgegeben – an normalen Sommertagen mit moderatem Wasserabsatz sind es etwa 26 000 Kubikmeter. Es werde deshalb jetzt Trinkwasser aus dem Tettauer Neuwerk eingespeist. Damit sei die Versorgungssicherheit durchgängig gewährleistet, heißt es seitens des Wasserverbands.

Alle zwei Wochen trifft sich die Brandenburger AG Niedrigwasser, um zu besprechen, wie der Stand der Dinge ist, was getan werden muss. Kurt Augustin vom Umweltministerium kennt die Lösung: „Es müsste jetzt so richtig regnen.“ Und das am besten vier Wochen lang.

 Mit Blick auf den starken Wassermangel in Brandenburg sollte Grundwasser gespart und nur fürs Nötigste verwendet werden. Den Rasen täglich sprengen, damit dieser schön grün ist, ist zum Beispiel unnötig.
Mit Blick auf den starken Wassermangel in Brandenburg sollte Grundwasser gespart und nur fürs Nötigste verwendet werden. Den Rasen täglich sprengen, damit dieser schön grün ist, ist zum Beispiel unnötig. FOTO: dpa / Hauke-Christian Dittrich
(dpa)