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| 07:52 Uhr

Countdown läuft für „Pol'and'Rock“
Neuer Name für polnisches Kult-Open-Air

Aus „Haltestelle Woodstock“  wurde „Pol'and'Rock“. Die Veranstalter des kostenlosen Festivals erwarten auch in diesem Jahr Hunderttausende Gäste. Mit von der Partie sind unter anderem die britische Heavy-Metal-Band Judas Priest und der Reggae-Star Alpha Blondy von der Elfenbeinküste.
Aus „Haltestelle Woodstock“ wurde „Pol'and'Rock“. Die Veranstalter des kostenlosen Festivals erwarten auch in diesem Jahr Hunderttausende Gäste. Mit von der Partie sind unter anderem die britische Heavy-Metal-Band Judas Priest und der Reggae-Star Alpha Blondy von der Elfenbeinküste. FOTO: dpa / Sven Hoppe
Küstrin/Kostrzyn. „Haltestelle Woodstock“ war einmal: Polens größtes Open-Air-Festival erwartet vom 2. bis 4. August unter dem neuen Namen „Pol‘and‘Rock“ Hunderttausende Gäste. Getrübt wird die Vorfreude wieder von einem Streit mit Polens Regierung. Von Natalie Skrzypczak, dpa

Der Countdown für Festival-Fans läuft: Ab Donnerstag können sie wieder drei Tage lang bei Polens größtem Open-Air feiern. Allerdings heißt das Event, das als „Haltestelle Woodstock“ zum Kult wurde, ab diesem Jahr „Pol‘and‘Rock“.

„Die Zeit für eine Änderung und einen neuen Namen war gekommen“, sagte Festival-Chef Jerzy Owsiak. Als Grund nannte er Markenstreitigkeiten mit den bisherigen Namensgebern der ausgelassenen Party im Freien, die jährlich Hunderttausende Besucher an die Oder lockt.

Bisher durften die polnischen Veranstalter den Namen des legendären Musikfests „Woodstock“, das 1969 in den USA stattfand, nutzen. Doch die US-Amerikaner änderten 2018 die Konditionen. Würde das Festival weiter „Woodstock“ heißen, müsste man von den Besuchern Eintrittsgeld verlangen. Dies lehnten die polnischen Organisatoren ab.

„Wir sind nicht auf Profit aus“, betonte Owsiak. Grundidee des Festivals ist es, freiwilligen Helfern zu danken, die jedes Jahr in Polen Spenden für Kinderkrankenhäuser sammeln. Das Event an der Oder, zu dem jährlich Hundertausende Menschen aus Polen, Deutschland und Resteuropa anreisen, bleibe kostenlos. „Das wird sich nie ändern“, versicherte Festivalchef Jerzy Owsiak. Und er fährt auch in diesem Jahr ein großes Line-up auf.

Auf vier Bühnen sind mehr als 100 Auftritte polnischer und internationaler Bands geplant. Mit von der Partie sind unter anderen die britische Heavy-Metal-Band „Judas Priest“, die New Yorker Electro-Formation „Balkan Beat Box“ und der Reggae-Star „Alpha Blondy“ von der Elfenbeinküste.

„Wir können es kaum erwarten“, freuen sich die Veranstalter, die auch zahlreiche Workshops mit Künstlern sowie Sportevents anbieten.

Allerdings wird das bunte Event erneut vom Streit um die Sicherheit der Veranstaltung überschattet. Die Terrorgefahr sei seit dem Anschlag 2016 im rund 100 Kilometer entfernten Berlin erhöht, meint Polens Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit PiS. Nach der Macht­übernahme durch die Nationalkonservativen wurde das Festival das dritte Jahr in Folge von Behörden als „Veranstaltung mit erhöhtem Risiko“ eingestuft.

Im Vorjahr gingen die polnischen Behörden so weit, dass sie Feuerwehrleuten aus Brandenburg und Berlin eine Absage für ihre sonst schon zur Tradition gewordene Mithilfe erteilten. Das Land Brandenburg versuchte erfolglos, dies rückgängig zu machen.

Brandenburgs damaliger Beauftragter für Internationale Beziehungen, Staatssekretär Martin Gorholt, nannte den Verzicht auf deutsche Helfer kurz vor dem Festivalstart „irrational“. Dies sei der Versuch, den Festival-Organisatoren Sand ins Getriebe zu streuen.

Diese Einschätzung entspreche nicht der Realität, kritisiert „Pol‘and‘Rock“-Sprecher Krzysztof Dobies. „Die Sicherheit unserer Festival-Gäste steht bei uns bei der Organisation der Veranstaltungen an absolut erster Stelle“, sagt er. Schließlich investiere man den größten Teil des Budgets in Sicherheitsmaßnahmen.

Regierungskritiker werten die Bedenken der PiS als Offensive gegen Festivalchef Owsiak. Es heißt, der Organisator und das ausgelassene Event seien den nationalkonservativen und der katholischen Kirche nahestehenden PiS-Anhängern ein Dorn im Auge.

Auch Tausende Anwohner Küstrins und ehemalige Festivalbesucher ergriffen bei Facebook Partei für das Open-Air. „Es ist ein wunderbares sicheres Event mit sehr freundlich eingestellten Menschen und null Aggressionen“, schrieb eine Polin, die ihren fünfjährigen Sohn schon mit zu der Veranstaltung genommen hat. „Wir sind in diesem Jahr wieder dabei.“

Mehr Informationen rund ums  Festival und das diesjährige Programm gibt es im Internet unter
https://en.polandrockfestival.pl