ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:48 Uhr

Missbrauch in der Kirche
„Wir machen uns keine Illusionen“

Die Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ war der wichtige Tagesordnungspunkt des viertägigen Treffens der deutschen Bischöfe in Fulda.
Die Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ war der wichtige Tagesordnungspunkt des viertägigen Treffens der deutschen Bischöfe in Fulda. FOTO: dpa / Arne Dedert
Görlitz. Görlitzer Generalvikar Alfred Hoffmann spricht von einem Missbrauchsfall in der Lausitz. Heute setze das Bistum auf Prävention. Von Benjamin Lassiwe

Als die Deutsche Bischofskonferenz am Dienstag ihre Studie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche vorstellte, gingen Schockwellen durch Deutschland. Mehr als 3600 Menschen wurden in den vergangenen Jahrzehnten Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester, Diakone oder männliche Ordensangehörige. Und die Dunkelziffer ist hoch, weil zum Beispiel die Archive der Orden gar nicht erst für die Studie herangezogen wurden, und sexueller Missbrauch durch Ordensbrüder, die nicht bei einem Bistum angestellt waren, nicht erfasst wurde.

Aber wie sieht es eigentlich in der Lausitz aus? Im Bistum Görlitz ist bislang nur ein einziger Missbrauchsfall bekannt, sagt Generalvikar Alfred Hoffmann. „2011 hatte sich ein Betroffener bei uns gemeldet – es ging um einen Fall, der Jahrzehnte zurücklag und einen Priester, der zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war.“ Für das Bistum klang die Geschichte des Mannes trotzdem glaubwürdig. Er erhielt, so wie es in anderen Bistümern auch üblich ist, eine Zahlung für das erlittene Leid in Höhe von 4000 Euro.

Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch wurde zudem ein zweiter Fall eines heute noch in der Oberlausitz lebenden, pensionierten Priesters angesprochen, der 1964 sexualisierte Gewalt gegen zwei Jungen angewandt haben soll. Die beiden Betroffenen hätten sich aber bislang noch nicht beim Bistum gemeldet, sodass dem noch nicht nachgegangen werden konnte.„Ich möchte unser Bistum nicht mit anderen Bistümern vergleichen“, sagt Hoffmann. Die Zahl der Missbrauchsfälle wirke gering – „aber wir haben eben auch nur 29 500 Katholiken und 29 aktive sowie 26 im Ruhestand befindliche Priester.“ Doch im Gespräch mit der RUNDSCHAU sagte der Görlitzer Generalvikar: „Wir machen uns keine Illusionen.“ Es sei gut möglich, dass es auch im Bistum Görlitz eine Dunkelziffer von Menschen gebe, die in der katholischen Kirche missbraucht wurden und sich bisher nur nicht trauten, sich zu melden. „Ausschließen kann man das nach der Studie wohl nicht“, sagt Hoffmann.

Im Bistum gebe es deswegen zwei Beauftragte für Missbrauchsopfer, an die sich Betroffene wenden könnten. „Wir werden allen zuhören und niemanden abweisen“, sagte Hoffmann. „Denn das wäre das Schlimmste, was wir tun könnten.“

Heute setze das Bistum, ähnlich wie die übrigen Diözesen, auf Prävention. So gebe es im Bistum mittlerweile einen Präventionsbeauftragten. Für alle Priester und Pastoralreferenten und alle Mitarbeiter in Kindertagesstätten fänden verpflichtende Schulungen statt. Angehende Pfarrer erhielten schon während ihres Propädeutikums in Bamberg und dann während des Theologiestudiums in Erfurt oder Frankfurt am Main entsprechende Ausbildungen.

„Als ich vor dreißig Jahren Kaplan war, war vom Thema sexueller Missbrauch noch überhaupt keine Rede“, sagte Hoffmann. „Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt, konnte es mir nicht vorstellen und habe es auch nie mitbekommen – aber vielleicht waren wir damals einfach alle etwas naiv.“