Klirrende Kälte hatte Brandenburg und Berlin auch am Sonntag, 18. Dezember, noch im Griff. Doch am Montag, 19. Dezember, droht der Wetterumschwung mit gefährlichem Glatteis. Bereits in der Nacht zu Montag wurde es deutlich ungemütlicher.
Von Westen her komme Regen auf, der im Norden und Teilen der Mitte in gefährliches Glatteis übergehen könnte, erklärt Meteorologe Florian Bilgeri vom Deutschen Wetterdienst (DWD). „Auch unwetterartige Entwicklungen sind durchaus denkbar“, sagt der DWD-Meteorologe.
Wir berichten über die aktuelle Lage in Brandenburg und Berlin:

Polizei: Kein Chaos auf Straßen durch Glätte

Die befürchteten Glätteunfälle sind in Brandenburg bis zum Montagnachmittag ausgeblieben. Es gebe keine dramatische Lage, sagte ein Sprecher des Lagedienstes. Er sprach von zwei bis vier Glätteunfällen im gesamten Land. Die Autofahrer seien rechtzeitig informiert und dadurch offensichtlich gewarnt worden, schätzte er ein. Die Autofahrenden rief er auf, sich den Witterungsverhältnissen anzupassen und vorsichtig zu fahren.
Für den Südwesten hatte der Deutsche Wetterdienst amtliche Unwetterwarnungen wegen gefrierenden Regens und Glatteis herausgegeben. Zwischen Prignitz, Havelland und Fläming sollte es der Prognose zufolge bei Temperaturen zwischen 1 und 4 Grad gefrierenden Regen geben, der sich weiter nach Berlin und andere Teile Brandenburgs ausbreiten sollte.
Auch die Feuerwehren im Nordosten des Landes berichteten auf Nachfrage von wenigen Unfällen. In den Landkreisen Barnim, Oberhavel und Uckermark seien vereinzelt Personen auf Gehwegen gestürzt, sagte ein Sprecher. Es habe aber keine größeren Einsätze der Rettungskräfte gegeben. Ähnliches berichtete die Regionalleitstelle für die Stadt Brandenburg an der Havel und die Landkreise Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming.

Vermehrt Stürze wegen Glätte bei Berliner Feuerwehr gemeldet

Glatte Straßen haben am Montag vermehrt für Einsätze der Berliner Feuerwehr gesorgt. Am Montagnachmittag hätten sich die Meldungen gehäuft, dass Menschen ausgerutscht und gestürzt seien, sagte ein Feuerwehrsprecher. Einige von ihnen wurden demnach mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Einsatzkräfte von 16 freiwilligen Feuerwehren aus Berlin seien wegen der Wetterlage zusätzlich in den Dienst gerufen worden. „Das hilft uns, dass wir immer noch Herr der Lage sind“, sagte der Sprecher.
Nach Angaben von Polizei und Feuerwehr gab es am Nachmittag kein erhöhtes Aufkommen von Verkehrsunfällen wegen der Wetterlage.

Fahrbahn der A4 bei Weißenberg (Landkreis Bautzen) aufgerissen

Nässe und Frost haben ein Teilstück der Autobahn 4 im Landkreis Bautzen aufgerissen. Zwischen Weißenberg und Bautzen Ost wurden am Sonntag mindestens zwölf Fahrzeuge bei der Fahrt durch das Schlagloch beschädigt, wie die Polizei am Montag mitteilte. Die Autobahnmeisterei konnte den Schaden beheben.

Glatteis in Sachsen – Zug prallt bei Neukirch (Landkreis Bautzen) gegen einen umgestürzten Baum

In Sachsen könnte es im Laufe des Montags zu erheblichen Einschränkungen im Straßenverkehr durch Glatteis kommen. „Wir bereiten uns auf ein Verkehrschaos vor, wenn der erste Regen auf die gefrorenen Straßen fällt“, sagte ein Sprecher des Sächsischen Verkehrswarndienstes am Morgen auf Anfrage. Bis zum Mittag blieb es allerdings relativ ruhig. Lediglich auf der Bundesstraße 171 bei Hennersdorf im Landkreis Sächsische Schweiz Osterzgebirge seien mehrere Lastwagen aufgrund von Schneeverwehungen stehengeblieben.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte eine Unwetterwarnung wegen akuter Glatteisgefahr ausgesprochen. Eine Warmfront werde den Dauerfrost beenden, bringe aber Regen mit sich, der auf den gefrorenen Böden zu Glatteis werde, teilte der DWD mit. „In dem Dreieck Leipzig, Chemnitz, Dresden liegen die Bodentemperaturen bereits im Plusbereich. Lediglich auf den kleineren Straßen könnte sich noch Glatteis bilden“, sagte der Meteorologe Florian Engelmann. Dagegen sorge kalte Luft aus dem Osten vor allem im Vogtland, dem Osterzgebirge und dem Lausitzer Bergland noch für Gefahren.
Am Morgen war ein Zug der Länderbahn bei Neukirch (Landkreis Bautzen) gegen einen umgestürzten Baum geprallt. Der Zugführer sei verletzt und in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte eine Sprecherin der Länderbahn mit. Der Baum war wegen des Sturms oder Schneemassen umgestürzt und hatte die Gleise blockiert. Die Reisenden kamen nach Angaben der Sprecherin mit dem Schrecken davon. Sie mussten gut drei Stunden in dem Zug ausharren und wurden nach Bischofswerda gebracht, nachdem die Strecke wieder freigegeben werden konnte.
Bis zum Mittag blieb es auf den Straßen relativ ruhig. Nach Angaben der Polizeidirektionen gab es zwar vereinzelt witterungsbedingte Unfälle, dabei blieb es aber meist bei Blechschäden. Auch die Busse und Bahnen fuhren in Sachsen nach Angaben der Verkehrsbetriebe zumindest bis zum Mittag noch weitgehend störungsfrei. Das sei aber noch eine Momentaufnahme, sagte eine Sprecherin der Leipziger Verkehrsbetriebe auf Anfrage.
Das Wetter hatte die Deutsche Bahn am Montagmorgen zeitweise ausgebremst. Man habe die Höchstgeschwindigkeit der Züge abgesenkt, hatte das Unternehmen zunächst informiert. Wenig später waren die Züge nach Angaben der Deutschen Bahn aber wieder mit voller Geschwindigkeit unterwegs.
Wegen des vorhergesagten Glatteises ist der Weihnachtsmarkt am Montag in Chemnitz zunächst geschlossen geblieben. Der Markt inklusive Erzgebirgsdorf und Klosterweihnacht wird erst um 14.00 Uhr geöffnet, wie die Stadt mitteilte. Der Wochenmarkt an der Ernst-Enge-Straße blieb am Montag geschlossen.

Warnung vor Glatteis in Parks und Gärten in Berlin und Brandenburg

Auf Ausflüge und Spaziergänge in Parks und Gärten in Potsdam, Berlin und Brandenburg sollten Besucher wegen Glätte vorerst verzichten. Dazu hat die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) am Montag geraten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor Glatteis durch gefrierenden Regen.
Die Stiftung bat ihre Gäste, diese Warnung zu beachten. Im Verbund der SPSG sind über 30 Schlösser und Gärten in Berlin und Brandenburg. Neben den berühmten Hohenzollernresidenzen Sanssouci in Potsdam und Charlottenburg in Berlin gehören in Brandenburg die Schlösser Rheinsberg, Caputh, Königs Wusterhausen, Oranienburg und Paretz dazu.

Tierpark Berlin schließt wegen Gefahr vor Glatteis

Wegen Glatteisgefahr hat der Tierpark in Berlin am Montag, 19. Dezember, seine Tore geschlossen. Mitarbeiter haben am Montagmorgen damit begonnen, den Park zu räumen, wie eine Sprecherin mitteilte. „Tiere, für die das Glatteis eine Gefahr darstellen könnte, bleiben vorsorglich in ihren Ställen.“
Am Dienstag, 20. Dezember, sollte der Tierpark laut Angaben der Sprecherin wieder öffnen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte am Montag vor Glatteis in Berlin und Brandenburg gewarnt.

Auch die Feuerwehr mahnt zur Vorsicht

Angesichts der Glättegefahr in Berlin am Montag hat die Feuerwehr die Menschen zur Vorsicht aufgerufen. Grundsätzlich warnte sie davor, gefrorene Gewässer zu betreten. Man könne nicht sehen, ob eine Eisschicht dick genug und begehbar sei, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Montag. „Gerade bei fließenden Gewässern ist Vorsicht geboten, das Wasser fließt unter der Schicht ja weiter.“ Eisflächen auf Flüssen, Seen oder Teichen sollten Menschen allgemein nicht betreten.

Warnung vor Unwettergefahr: Regen kann Straßen in Eisbahnen verwandeln

Der Deutsche Wetterdienst warnt am Montag, 19. Dezember, vor Unwettergefahr ab dem Vormittag von Westen her kommend. Demnach beginnt es zwischen Prignitz, Havelland und Fläming. Dort beginnt es zu regnen, der Regen trifft auf die tief gefrorenen Böden – es bildet sich gefährliches Glatteis. Der gefrierende Regen kann einen dicken Eispanzer bilden. Autofahrer sollen laut DWD vorsichtig fahren, möglichst volltanken und Decken sowie warme Getränke mitnehmen.
Gegen Mittag erreicht der Regen den Berliner Raum und am frühen Nachmittag droht auch an Oder und Neiße Regen, der die Straßen in gefährliche Eisbahnen verwandelt. Im weiteren Tagesverlauf, in den westlichen Landesteilen beginnend, Milderung und wieder abnehmende Glatteisgefahr.
Und es wird wärmer. Die Temperaturen erreichen am Montag, 19. Dezember, Höchstwerte zwischen 1 Grad Celsius an der Oder und bis 4 Grad Celsius im Havelland. Es herrscht überwiegend mäßiger Südwind.

Der Wetterexperte erklärt, wie Glatteis entsteht

Laut ARD-Wetterexperte Donald Bäcker war die Nacht von Dienstag auf Mittwoch (14.12.) die bisher kälteste des Jahres 2022. In Doberlug-Kirchhain im Landkreis Elbe-Elster war es sogar minus 15,0 Grad Celsius. Bäcker hatte das Glatteis in Brandenburg bereits in der vorherigen Woche für diesen Montag, 19. Dezember, vorhergesagt. „Ab Montag schieben atlantische Tiefausläufer zuerst in höheren Atmosphärenschichten milde Luft nach Brandenburg.
Daher fällt Regen, der auf dem kalten Erdboden sofort gefriert“, erklärt der gebürtige Neuruppiner, der in Walsleben im Landkreis Ostprignitz-Ruppin lebt. Dieser gefrierende Regen wird auch Glatteisregen oder Blitzeis genannt und ist die schärfste Form der Glätte. „Eine gefährliche Glatteis-Situation in weiten Teilen von Brandenburg ist zu befürchten“, sagt Bäcker.
Regenfälle auf gefrorenen Boden sorgen binnen kurzer Zeit für gefährliches Blitzeis auf Straßen und Schienen. Darüber hinaus besteht auch die Gefahr von Eisbruch, wenn sich binnen kurzer Zeit etwa auf Bäumen oder Masten massive Eisanhaftungen oder größere Mengen nassen Neuschnees ansammeln.