Der US-Elektroautobauer Tesla will in seiner Fabrik in Grünheide bei Berlin bis zu 12 000 Menschen beschäftigen. Das schreibt das Unternehmen auf seiner neuen Internetseite für die geplante Fabrik in Grünheide. Zum Vergleich: Momentan beschäftigt das Unternehmen rund 5500 Menschen europaweit. Der Bau der Fabrik soll in diesem Jahr beginnen, die Produktion im nächsten Jahr starten – zunächst 10 000 Fahrzeuge des Models Y pro Woche, das sind rund 500 000 Fahrzeuge im Jahr.

Tesla bietet für Grünheide über 60 verschiedene Stellen an

Auf der Tesla Webseite heißt es, dass Unternehmen wolle die Stellen in Grünheide mit Anwohnern und Menschen aus ganz Europa besetzen. Die ersten Stellen wurden bereits im November vergangenen Jahres ausgeschrieben. Aktuell können Interessierte 61 verschiedenen Job-Angebote auf der Firmenwebseite für Berlin und Brandenburg finden. Gute Englischkenntnisse sind allerdings notwendig. Die Stellenbeschreibungen sind dort bisher nur in englischer Sprache abrufbar.

Die Stellen sind in zehn verschiedenen Kategorien sortiert. Angefangen bei Berufen im Ingenieurswesen (Engineering & Information Technology) und der Herstellung (Manufacturing) über Personal- (HR) sowie Rechtswesen (Legal & Government Affairs) bis hin zur Lieferkette (Supply Chain) und Service- und Energieinstallationen.

Gesucht werden unter anderem Kfz-Mechatroniker, Verfahrenstechniker, Recruiter, Serviceberater und verschiedene Ingenieure und Manager.

Fließende Deutsch- und gute Englischkenntnisse werden erwartet, ebenso die entsprechenden Berufsabschlüsse. Tesla legt wert darauf, dass sich Mitarbeiter mit der Unternehmensphilosophie identifizieren. „Von jedem Teammitglied wird nicht nur erwartet, sich Herausforderungen zu stellen, sondern auch selbst herauszufordern, um Neues zu schaffen“, heißt es in der Jobbeschreibung.

Tesla ist Konkurrent bei Anwerbung von Fachkräften

Die Ansiedlung des US-Elektroautoherstellers beschäftigt die Arbeitsvermittler schon jetzt. „Wir sind dabei abzugleichen, welche Profile werden benötigt, welche Qualifikationen brauchen Arbeitssuchende“, sagt Bernd Becking, der Chef der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg. Die neuen Stellen bei Tesla seien eine Chance für Menschen in der Region, die ihre Arbeit verlieren.

Die Suche nach Fachkräften dürfte durch die geplante Fabrik auch für andere Betriebe schwieriger werden. „Ich glaube, das wird eine Herausforderung für Unternehmen, die schlechter zahlen“, sagte Becking.

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Cottbus

Wirtschaftsminister Steinbach berichtet über Stand der Tesla-Ansiedlung

Zum ersten Mal nach dem vorläufigen Stopp der Rodung auf dem Gelände der geplanten Fabrik berichtete die Brandenburger Landesregierung über den Stand der Ansiedlung. Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) stand am Mittwoch im Wirtschaftsausschuss des Landtags den Abgeordneten Rede und Antwort.

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte die Baumfällarbeiten von zunächst rund 90 Hektar auf dem Gelände nach einer Beschwerde des Umweltverbands Grüne Liga vorläufig gestoppt. Die Grüne Liga hält die Zulassung für den vorzeitigen Beginn der Rodung für rechtswidrig. Bisher war geplant, dass ein Waldstück bis Ende Februar gerodet wird. Grünen-Landtagsfraktionschef Benjamin Raschke hält die Rodung auch während der Vegetationsperiode für möglich.

Die offene Gerichtsentscheidung zur Frage der Rodung könnte nach Ansicht der Landesregierung noch in dieser Woche vorliegen. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg habe zugesagt, die Entscheidung zeitnah zu treffen, sagte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). Er hoffe, „dass diese Entscheidung zwischen dem heutigen Tag und dem kommenden Freitag kommt“. Die Regierung frage aber nicht beim Gericht nach. „Wir vermeiden jeden Eindruck, der in irgendeiner Form Druck ausübt.“

Minister Steinbach sagte zudem der „Bild“-Zeitung, er befürchte, dass Tesla „bei einer Verzögerung von mehr als einem halben Jahr“ möglicherweise abspringen könnte. „Wenn wir denen zu lange zu große Schwierigkeiten machen, würde ich durchaus dieses Risiko sehen. Wir sind ein bisschen nervös.“ Der vorläufige Stopp der Rodung hatte in der deutschen Wirtschaft teils zu Entrüstung geführt und eine Debatte über Hürden für Genehmigungen ausgelöst.

Die Polizei sichert das Gelände der künftigen Fabrik bei Grünheide. Dort waren unter anderem mehrere Fahrzeuge im Einsatz. Am Montag waren zwei Umweltaktivistinnen auf Bäume geklettert.

(mit dpa)