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| 14:13 Uhr

Händler wehrt sich gegen Vertriebsverbot
Gerichtsentscheid im Lunapharm-Skandal zieht sich hin

 Der Sitz des Pharmahändlers Lunapharm in Blankenfelde-Mahlow. Weil das Unternehmen gefälschte Krebsmedikamente vertrieb, wurde ihm die Betriebserlaubnis entzogen. Lunapharm legte Widerspruch ein. Die Entscheidung des Gerichts steht noch aus.
Der Sitz des Pharmahändlers Lunapharm in Blankenfelde-Mahlow. Weil das Unternehmen gefälschte Krebsmedikamente vertrieb, wurde ihm die Betriebserlaubnis entzogen. Lunapharm legte Widerspruch ein. Die Entscheidung des Gerichts steht noch aus. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Potsdam. Der Skandal um gestohlene Krebsmedikamente erschütterte im Sommer 2018 die rot-rote Landesregierung in Brandenburg. Eine Ministerin trat zurück und dem betroffenen Pharmahändler wurde das Geschäft verboten. Doch ausgestanden ist der Fall immer noch lange nicht.

Nach dem Skandal um gestohlene Krebsmittel zieht sich der juristische Streit zwischen dem Brandenburger Gesundheitsministerium und dem Pharmahändler Lunapharm weiter hin. Nach dem Verbot der Herstellung von Arzneien und des Handels mit Medikamenten habe der Brandenburger Pharmahändler mit Sitz in Blankenfelde-Mahlow beim Verwaltungsgericht Potsdam beantragt, den Vollzug dieser Verbote auszusetzen, sagte Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) diese Woche im Gesundheitsausschuss des Landtags. Es gebe bislang noch keine Entscheidung des Gerichts und die Verbote seien weiter in Kraft, betonte die Ministerin.

Das Unternehmen hatte in einem Offenen Brief dem Landesgesundheitsamt vorgeworfen, bislang noch nicht auf die Widersprüche von Lunapharm gegen die Verbote reagiert zu haben. Karawanskij begründete dies im Ausschuss mit dem Gerichtsverfahren. „Nach der Entscheidung des Gerichts wird das Landesgesundheitsamt die Widerspruchsbescheide erlassen“, sagte die Ministerin. „Der Vollzug ist erfolgt.“

Lunapharm-Geschäftsführerin Susanne Krautz-Zeitel weist die Vorwürfe gegen das Unternehmen nach wie vor komplett zurück. Sie warf der Ministerin Untätigkeit vor. „Eine weitere Klärung erscheint uns daher politisch nicht gewollt“, hieß es in dem Schreiben. „Opfer sind und bleiben in erster Linie die tief verunsicherten Patienten und die damit allein gelassenen Ärzte und Apotheker“, erklärte Krautz-Zeitel am Mittwoch nach der Ausschusssitzung des Gesundheitsministeriums und kündigte eine Schadenersatzklage an. Zudem kündigte die Geschäftsführerin an, sie wolle im Juli auf einer Pressekonferenz zu dem gesamten Vorgang Stellung nehmen.

Der illegale Handel mit gestohlenen Krebsmitteln war im Juli vergangenen Jahres durch Recherchen des ARD-Magazins „Kontraste“ aufgeflogen. In Brandenburg hatten rund 300 Patienten das möglicherweise unwirksame Präparat eingenommen.

Weil das zuständige Landesgesundheitsamt trotz frühzeitiger Hinweise von griechischen Behörden zunächst nicht reagiert hatte, musste die damalige Landesgesundheitsministerin Diana Golze (Linke) Ende August zurücktreten.

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(dpa/lsc)