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| 20:06 Uhr

Stiefmutter Carola G. vor Gericht
Gequälte Emily: Mordprozess beginnt

 Hinter einer Jacke versteckt: die wegen Mordes angeklagte Carola G. mit ihren Anwälten Bernd Hohmann (l.) und Dirk Zimmermann (r.) im Landgericht Frankfurt (Oder).
Hinter einer Jacke versteckt: die wegen Mordes angeklagte Carola G. mit ihren Anwälten Bernd Hohmann (l.) und Dirk Zimmermann (r.) im Landgericht Frankfurt (Oder). FOTO: Mathias Hausding
Frankfurt (Oder). Die Staatsanwaltschaft hält der Stiefmutter der getöteten Emily aus Eberswalde vor, das Mädchen gequält und vernachlässigt zu haben.

Dunkle Jeans, weißes T-Shirt, von den hochgesteckten, schwarz getönten Haaren war zunächst nichts zu sehen, weil sie sich zum Schutz vor den Kameras im Gerichtssaal eine Jacke über den Kopf gezogen hatte. Seit fast acht Monaten sitzt Carola G. in U-Haft, am Donnerstag nun hat vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) der Mordprozess gegen die Stiefmutter der kleinen Emily aus Eberswalde begonnen.

Zum Auftakt der Verhandlung zeigte sie sich äußerlich unbewegt und verweigerte zunächst die Aussage. Ihr Anwalt Bernd Hohmann kündigte jedoch an, dass sich die Angeklagte zu einem späteren Zeitpunkt umfassend äußern werde.

„Was meiner Mandantin in der Anklageschrift vorgeworfen wird, kann so nicht stehenbleiben“, sagte Hohmann. Er verwies zudem darauf, dass ihm die schriftliche Begründung des Urteils gegen Angelo S. noch nicht vorliege.

Die Sorgfaltspflicht gegenüber seiner Mandantin gebiete es ihm, zu wissen, was der Vater vor Gericht ausgesagt hat.

Der Prozess wurde deshalb nach Verlesung der Anklageschrift unterbrochen. Am Montag geht es weiter. Dann ist der im Juni wegen Mordes verurteilte leibliche Vater des Mädchens als Zeuge geladen.

Weil der Richterspruch gegen ihn noch nicht rechtskräftig ist, bleibt abzuwarten, inwieweit sich Angelo S. äußert.

Staatsanwalt Jochen Westphal wirft der Angeklagten Mord aus niedrigen Beweggründen durch Unterlassen vor. Sie habe die damals zwei Jahre alte Emily im Jahre 2017 gequält sowie auf rohe Art misshandelt und vernachlässigt.

Ferner habe sie die Todesgefahr, in der das Kind schwebte, erkannt, aber nichts zu seiner Rettung unternommen. „Der drohende Tod von Emily war der Angeklagten gleichgültig. Ihr ging es nur darum, das gemeinsame Leben mit Angelo S. und ihren vier leiblichen Kindern weiterführen zu können“, sagte Westphal.

Hätte sie für die maßgeblich vom Vater misshandelte Emily Hilfe geholt, wäre dieses gemeinsame Leben wohl vorbei gewesen, denn dann hätte sich Angelo S. für seine Taten verantworten müssen. Aber Emily hätte überlebt.

Staatsanwalt Westphal, bereits Vertreter der Anklage im Verfahren gegen Angelo S., erinnerte bei Verlesung der Anklageschrift noch einmal an das monatelange Martyrium, das Emily erleiden musste, weil ihr Vater keine Gefühle für sie gehabt habe und sie als Störfaktor empfunden
habe.

So habe er sie zunächst über Wochen nachts ans Bett gefesselt, weil er seine Ruhe wollte. Er habe die Ernährung und die sozialen Kontakte des ursprünglich kerngesunden Kindes immer mehr eingeschränkt. Schließlich habe sie ihr Zimmer gar nicht mehr verlassen dürfen.

Emily entwickelte sich geistig und körperlich zurück, konnte nicht mehr laufen und nicht mehr richtig sprechen. „Sie rief nur noch ‚Hallo’ oder ‚Hilfe’ wenn sie auf die Toilette musste“, sagte der Staatsanwalt. Spätestens im Sommer 2017 hätten dann die schweren körperlichen Misshandlungen begonnen, in deren Folge das Mädchen laut Gerichtsmedizin unter anderem mehrere Hirnblutungen und einen beidseitigen Beckenbruch erlitt.

Anfang Oktober 2017 wurde Emily abgemagert und mit schwersten Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Die Ärzte konnten sie nicht mehr retten. Ein halbes Jahr später starb das Kind in einem Pflegeheim.

Der Staatsanwalt stellte am Rande der Verhandlung klar, dass es keine Absprachen mit der Angeklagten gebe, die ihr Strafmilderung bescheren könnten.

Zwar habe es Gespräche darüber gegeben für den Fall, dass sie umfassend aussagt und damit bei den Ermittlungen gegen Angelo S. hilft. Das sei aber nicht geschehen, betonte Westphal.

 Hinter einer Jacke versteckt: die wegen Mordes angeklagte Carola G. mit ihren Anwälten Bernd Hohmann (l.) und Dirk Zimmermann (r.) im Landgericht Frankfurt (Oder).
Hinter einer Jacke versteckt: die wegen Mordes angeklagte Carola G. mit ihren Anwälten Bernd Hohmann (l.) und Dirk Zimmermann (r.) im Landgericht Frankfurt (Oder). FOTO: Mathias Hausding