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| 19:38 Uhr

Wie gesund ist der Wald?
Gemischte Bilanz

 Es ist nicht gut bestellt um die Wälder in Sachsen und Brandenburg. Wetterkapriolen, Brände und Schädlinge sorgten für große Schäden in den Forstrevieren.
Es ist nicht gut bestellt um die Wälder in Sachsen und Brandenburg. Wetterkapriolen, Brände und Schädlinge sorgten für große Schäden in den Forstrevieren. FOTO: dpa / Klaus-Dietmar Gabbert
Dresden/Potsdam. Sachsen und Brandenburg haben am Mittwoch ihren jeweiligen Waldzustandsbericht vorgestellt. Von Benjamin Lassiwe

In Sachsen ist der Wald akut bedroht, in Brandenburg sieht die Situation deutlich besser aus. Beide Bundesländer stellten am Mittwoch auf Pressekonferenzen in Potsdam und Dresden den jährlichen Waldzustandsbericht vor. Und vor allem Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) schlug laut Alarm. „Wir erleben in diesem Jahr die verheerendsten Waldschäden in Sachsen seit der Wiedervereinigung“, sagte Schmidt.

Erst seien den starken Winterstürmen „Herwart“ und „Friederike“ rund 2,5 Millionen Kubikmeter Holz zum Opfer gefallen. „Danach musste der sächsische Wald lange Hitzephasen und eine die ganze Vegetationsperiode andauernde Dürre ertragen.“ Anschließend hätten sowohl die großen Mengen Wurf- und Bruchholz als auch die durch lang anhaltende Trockenheit geschwächten Bäume ideale Bedingungen für eine massive Vermehrung der Borkenkäfer geboten. Allein deren wichtigster Vertreter, der Buchdrucker, habe im Jahr 2018 zu Schäden an der in Sachsen häufigsten Baumart Fichte in Höhe von mehr als einer halben Million Kubikmeter Holz geführt.

In Brandenburg stellt sich die Situation dagegen deutlich besser dar. Als die Erhebung im Juli und August durchgeführt wurde, sei der Zustand der märkischen Wälder noch gut gewesen. „Die Auswirkungen der Trockenheit sind noch nicht bei allen Baumarten sichtbar geworden“, sagte Brandenburgs Forstminister Jörg Vogelsänger (SPD) in Potsdam.

Im nächsten Jahr sei deswegen mit einer deutlichen Verschlechterung des Waldzustands zu rechnen, zumal es bis in den November hinein zu Waldbränden gekommen sei. Insgesamt wiesen in Brandenburg im Juli und August elf Prozent der Waldfläche deutliche Schäden auf. Vor allem der Zustand der Eichenbestände, die anders als die in Brandenburg überwiegend vorhandene Kiefer Wasser nur über relativ kurze Zeit speichern könnten, habe sich deutlich verschlechtert, sagte Ralf Kätzel vom Landeskompetenzzentrum Forst in Eberswalde.

Bei den Eichen seien mittlerweile 37 Prozent der Bestände „beeinträchtigt“. Den Buchen gehe es dagegen gut, und auch der Zustand der Kiefer sei konstant. Doch auch in Brandenburg ist bei den Stürmen des vergangenen Winters rund eine Million Kubikmeter Schadholz angefallen, das bis heute nicht vollständig beseitigt wurde. Die Forstleute rechneten deswegen – ähnlich wie in Sachsen – mit einer Zunahme von Schädlingen, wie dem Kiefernspinner, der Nonne oder der Kiefernbuschorn-Blattwespe. Einer der prominentesten Schädlinge der zurückliegenden Jahre, der Eichenprozessionsspinner, spielte dagegen im vergangenen Jahr keine große Rolle mehr: Nur noch 21 Hektar Waldfläche mussten wegen des Auftretens der Insekten besprüht werden.

Scharfe Kritik am Waldzustandsbericht der Brandenburger Landesregierung äußerte der Spreewälder Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke (Bündnis 90/Die Grünen): „Fünf Prozent unserer Bäume weisen Schäden auf, elf Prozent deutliche Schäden: Dass Umweltminister Jörg Vogelsänger hier trotzdem von einem guten Waldzustand spricht, ist abwegig“, sagte Raschke. 2018 sei das Jahr, in dem großen Teilen der Bevölkerung klar geworden sei, dass der Klimawandel längst in Brandenburg angekommen ist.

„In unseren Wäldern lässt sich das schon lange ablesen. „Nächstes Jahr wird die Schadensbilanz voraussichtlich noch düsterer aussehen, weil sich die extreme Trockenheit mit Verzögerung auswirkt.“ Und auch der Vorsitzende der „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“, Gregor Beyer, warnte davor, dass man die „verheerenden Hitzeschäden“ frühestens im kommenden Jahr merken werde.

„Wenn wir in zehn bis zwanzig Jahren die Bäume fällen, werden wir das Jahr 2018 an den Jahresringen erkennen können“, sagte Beyer. Zudem müsse man sich in Brandenburg gerade angesichts der Situation bei den Eichenbeständen sehr genau ansehen, welche Baumarten eigentlich noch für den Waldbau in der Region geeignet seien. „Wir müssen uns fragen, ob unser Wald noch zukunftsfähig ist.“