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| 01:00 Uhr

Gemeinsame Sache mit den Autoschiebern

Ein Grenzschützer, der mit Autoschiebern gemeinsame Sache gemacht hat, muss für vier Jahre hinter Gitter. Das Frankfurter Landgericht sprach den 27-jährigen Ronny H. Von Jeanette Bederke

gestern wegen banden- und gewerbsmäßiger Hehlerei in 24 Fällen sowie Bestechlichkeit in acht Fällen für schuldig.
Drei weitere Mitglieder einer deutsch-polnischen Schmugglerbande erhielten Freiheitsstrafen zwischen drei und fünfeinhalb Jahren. Gegen den fünften Angeklagten schließlich wurde eine anderthalbjährige Bewährungsstrafe verhängt.
Das kriminelle Quintett im Alter zwischen 27 und 52 Jahren war in die Verschiebung von gestohlenen Nobelkarossen nach Osteuropa und den Schmuggel von Zigaretten gen Westen verwickelt. Der inzwischen aus dem Grenzdienst entlassene Polizeimeister, arbeitete seit Ende der 90er-Jahre am deutsch-polnischen Grenzübergang Küstrin-Kietz. Als der junge Familienvater in Geldschwierigkeiten geriet, hatte er sich gegen Bezahlung von der Bande anheuern lassen.

Nobelkarossen umfrisiert
Telefonisch wurde H. über die Ankunft der betreffenden Luxusschlitten informiert und musste dann dafür sorgen, dass die Fahrzeuge unbehelligt die Grenzkontrolle passieren konnten. Die Nobelkarossen - häufig Geländewagen deutscher Hersteller im Wert von jeweils 100 000 Euro - wurden in ganz Deutschland gestohlen und in versteckten Garagen im Brandenburger Grenzgebiet nahezu perfekt umfrisiert. Bei einer Razzia Ende 2004 war H. verhaftet worden.
Der Prozess konnte bereits nach wenigen Verhandlungstagen abgeschlossen werden, da alle fünf Angeklagten teilweise umfassende Geständnisse ablegten.
Dabei verschonte der Hauptangeklagte Stephan S., von dem der korrupte Grenzschützer die Anweisungen für das Durchwinken der gestohlenen Nobelkarossen erhielt, auch weitere mutmaßliche Mittäter nicht. Das Landeskriminalamt durchsuchte am Donnerstag Wohn- und Geschäftsräume eines Frankfurter Fitnessstudiobesitzers, der ebenfalls in Autoschiebereien verwickelt sein soll. Während der Beweisaufnahme wurde außerdem bekannt, dass zwei weitere Grenzschützer ins Visier der Ermittler geraten sind.
Ein Kollege von Ronny H. wurde ebenfalls entlassen, gegen den Vorgesetzten beider laufen Ermittlungen wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen, bestätigte die Staatsanwaltschaft.

Komplette Schicht im Bordell
Ohnehin muss es bei einigen Bediensteten aus dem Umfeld von H. recht locker zugegangen sein. Laut den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft besuchte die komplette Schicht häufig ein Bordell im polnischen Kostrzyn. In diesem Etablissement traf sich auch S. mit seinen polnischen Kontaktleuten.