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| 15:04 Uhr

Fälle in Deutschland und Tschechien
Gefahr durch aggressive Autoschieber auf den Autobahnen

Immer wieder hat es die Polizei mit aggressiven Autoschiebern zu tun, die ihre Grenzen nicht kennen.
Immer wieder hat es die Polizei mit aggressiven Autoschiebern zu tun, die ihre Grenzen nicht kennen. FOTO: Fotolia
Cottbus/Prag. Sie werden für 1000 Euro angeheuert, dröhnen sich zu und brettern dann in gestohlenen Autos Richtung Osten. Kuriere der Auto-Klau-Mafia werden schnell zur Gefahr – nicht nur auf deutschen Autobahnen. Von Bodo Baumert

Freitagnachmittag an der deutsch-polnische Grenze. Zollbeamte wollen bei Forst einen verdächtigen Transporter kontrollieren. Der Fahrer gibt Gas und versucht zu entkommen. Zwischen Bahren und Zelz endet die rasante Flucht jäh in einer Rechtskurve. Der Fahrer verliert die Kontrolle und rast geradeaus in den Wald. Feuerwehrleute müssen den Mann aus dem Wrack befreien, ein Rettungshubschrauber bringt ihn schwer verletzt ins CTK. Im Transporter entdecken die Beamten ein Quad, das bereits in Berlin als gestohlen in Fahndung stand sowie ein E-Bike. Zudem finden sie im Fahrzeug betäubungsmittelverdächtige Substanzen. Die Drogen, vermutlich Cannabis und Amphetamine, werden sichergestellt. Die Ermittlungen laufen.

Kein Einzelfall. Anfang vergangener Woche entdecken Bundespolizisten au der A15 einen gestohlenen Wagen. Als sie das Fahrzeug kontrollieren wollen, überholt der Fahrer und jagt Richtung Polen davon. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd soll der Fahrer unter anderem einen Lkw abgedrängt haben. Bei Roggosen verlässt der Fahrer dann die Autobahn und flüchtet mit großer Geschwindigkeit weiter Richtung Polen. Eine weitere Streife der Bundespolizei muss nach Angaben der Pressestelle in letzter Sekunde ausweichen, um eine Kollision zu verhindern. Das Polizeiauto landet im Straßengraben. Der Dieb setzt seine Fahrt fort und wird in Polen von der dortigen Polizei verfolgt.

Für die Polizei in der Lausitz sind solche Einsätze Alltag. „Wir haben es immer wieder mit Autokurieren zu tun. Viele von ihnen unter Drogeneinfluss“, bestätigt Polizeisprecherin Ines Filohn in Cottbus. Mit Amphetaminen im Blut reagieren die Fahrer oft unberechenbar, können Gefahren für sich und andere kaum einschätzen.

Das Ergebnis sind Szenen wie sie die Polizei im Juli in Ostsachsen erlebt. Fast eine Stunde lang verfolgen die Polizisten in der Nacht bei Görlitz einen gestohlenen Pkw. Erst auf einem Acker in Polen endet die Flucht der beiden Täter. Zuvor haben die Männer Bauzäune gerammt, einen Anhänger in wilder Fahrt abgekoppelt und versucht, ein verfolgendes Fahrzeug abzudrängen.

Auch die Polizei in Tschechien hat es immer öfter mit aggressiven Autoschiebern zu tun. Wie die Prager Zeitung „MF Dnes“ am Montag berichtet, versuchen diese, in Deutschland oder Österreich gestohlene Autos so schnell wie möglich über Tschechien nach Polen, Weißrussland und in die Ukraine zu bringen.

Für die Überführung der gestohlenen Fahrzeuge, darunter Luxusautos, zahlten internationale Banden im Schnitt rund tausend Euro. „Die meisten dieser Fahrer stammen aus sozial schwachen Schichten“, sagte ein Kriminalbeamter dem Blatt. Für den Autodiebstahl selbst seien andere zuständig: „Das sind Profis.“

Bei Verfolgungsjagden mit der Polizei komme es zu brenzligen Situation. „Viele dieser Kriminellen stehen unter Drogeneinfluss, damit sie ohne Unterbrechung durchfahren können“, sagte der Ermittler. Im Mai musste die Polizei auf der Autobahn D10 einen Lastwagen quer auf die Fahrbahn stellen, um die Fahrt eines Autoschiebers zu stoppen.

Lebhaft in Erinnerung sind Lausitzer Polizisten auch noch die Erinnerungen vom September 2015. Damals rammten besonders dreiste Kuriere ein verfolgendes Polizeifahrzeug von der A15. Zwei Polizisten wurden damals verletzt.

(mit dpa)