Wenige Tage ist es erst her, als Trading Hub Europe – der Marktgebietsverantwortliche im deutschen Gasmarkt – die Höhe, der von der Bundesregierung beschlossenen Gasumlage bekannt gab. Nun kündigen die ersten Energieversorger an, diese Umlage an die Kunden weiterzureichen.
Die Höhe der Gasumlage beträgt ab Oktober 2,88 Cent pro Kilowattstunde (inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer) und muss von den Energieversorgungsunternehmen abgeführt werden. Zu den Energieversorgern, die diese Mehrkosten auf die Kunden abwälzen, zählt Spreegas, nach eigenen Angaben einer der führenden regionalen Energieversorger in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Doch die Gasumlage ist nicht der einzige Faktor, der die Gasrechnung der Spreegas-Kunden steigen lassen wird. Weitere Umlagen sollen die Kunden tragen. „Auch die Kosten für die gesetzlich vorgesehene Speicherumlage, die erstmals ab Oktober fällig wird, sowie die gestiegene Bilanzierungsumlage werden in der tatsächlich anfallenden Höhe weitergegeben.“ Das geht aus einer Pressemitteilung des Energieversorgers hervor, die am Freitag, 19. August, veröffentlicht wurde. Die Gasbeschaffungsumlage und die Speicherumlage wurden von der Bundesregierung eingeführt, um das Energiesystem stabil zu halten und die Versorgung über den Winter zu sichern.

So teuer wird Gas für Spreegas-Kunden

Dadurch steigt der Arbeitspreis für Erdgas in der Grundversorgung um insgesamt 3,63 Cent pro Kilowattstunde. Der Grundpreis bleibt unverändert. Bei einem Verbrauch von 18.000 Kilowattstunden, das entspricht dem durchschnittlichen Verbrauch eines Einfamilienhauses, zahlen Kunden in der Grundversorgung mit den drei Umlagen ab Oktober insgesamt rund 225 Euro im Monat. Das sind monatlich 54,40 Euro mehr als zuvor, ein Plus von rund 30 Prozent. Alle Preisangaben enthalten die derzeit gültige Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Sobald diese für Gas gesenkt wird, wird Spreegas den Endkundenpreis um die reduzierte Mehrwertsteuer senken.

Berlin

Die drei verschiedenen Umlagen im Detail

Die stark gestiegenen Einkaufspreise können den wirtschaftlichen Betrieb von Gasimporteuren sowie Weiterverteilern bis hin zur Insolvenz gefährden, weil diese die fehlenden Erdgasmengen aus Russland zu den aktuell sehr hohen Preisen auf dem europäischen Energiemarkt erneut einkaufen müssen. Das könnte wiederum negative Folgen für die gesamte Energieversorgung nach sich ziehen. So begründet Spreegas seine Entscheidung, die Umlagen an die Kunden weiterzureichen.
Mit Blick auf die Gas-Versorgungssicherheit hat die Bundesregierung zudem eine Regelung im Energiewirtschaftsgesetz geschaffen, die konkrete Mindestfüllstände der Gasspeicher an bestimmten Stichtagen vorgibt. Gefüllte Speicher tragen dazu bei, dass im Winter auch bei einem Ausfall von Gasimporten die Gasversorgung in Deutschland gesichert ist. Um die mit den neuen Verpflichtungen verbundenen Kosten zu decken, wurde eine neue (Gas-)Speicherumlage eingeführt. Auch diese Umlage wird erstmalig am 1. Oktober 2022 in Höhe von 0,059 Cent pro Kilowattstunde, Brutto 0,07 Cent pro Kilowattstunde, erhoben.
Dazu kommt nun auch noch die Bilanzierungsumlage. Die gibt es bereits seit dem Jahr 2015. Nur wurde sie nie fällig, da sie jahrelang 0 Cent pro Kilowattstunde betrug. Jetzt werden – ebenfalls ab 1. Oktober 2022 – 0,57 Cent pro Kilowattstunde (Brutto 0,68 Cent pro Kilowattstunde) fällig.
Doch wofür wird diese benötigt? Die Umlage fließt an Trading Hub Europe, der Marktgebietsverantwortliche im deutschen Gasmarkt. Dessen Aufgabe ist es, die gesamten Ein- und Ausspeisemengen von Erdgas im Marktgebiet zu bilanzieren und auszugleichen. Hierfür muss Gas gekauft oder verkauft werden. Durch diesen Ausgleich wird die Systemstabilität des gesamten Gasnetzes gewährleistet. Auch diese Umlage, die in die Beschaffungskosten einfließt, gibt Spreegas an ihre Kunden weiter.

Gas könnte in den kommenden Jahren noch teurer werden

Spreegas betont, ausschließlich die gesetzlich festgelegten Umlagen auf die Kunden abzuwälzen. Es seien keine weiteren Aufschläge für die inzwischen unabhängig von den Umlagen sprunghaft gestiegenen Beschaffungskosten geplant. Das sei nur deshalb möglich, weil für das Jahr 2022 die wesentlichen Erdgasmengen für den bestehenden und bis zum Jahresende kalkulierten Kundenbestand schon eingekauft wurden. Die neu eingeführte Gasbeschaffungsumlage ermögliche es den Vorlieferanten, sich an die geschlossenen Verträge zu halten.
Doch Spreegas kündigt an, dass Preiserhöhungen in der Zukunft bei unveränderter Marktlage möglich sind. Aktuell bewegen sich die Einkaufspreise beim Erdgas für die Jahre 2023 und 2024 mit mehr als 200 Euro pro Megawattstunde in nie dagewesenen Höhen, heißt es in der Pressemitteilung des Energieversorgers. Diese Einkaufspreise werden perspektivisch an die Kunden weitergegeben werden müssen. Umso wichtiger sei es, dass Verbraucher und Verbraucherinnen ihre Abschlagshöhen prüfen und anpassen sowie ihre individuellen Energiesparmöglichkeiten ausloten.

So will Spreegas seine Kunden unterstützen

Spreegas kündigt in seiner Pressemitteilung an, Kunden, die durch die Umlagen in Zahlungsschwierigkeiten kommen, zu unterstützen. Ratenzahlungen oder vorübergehende Stundungen könnten vereinbart werden, ebenso werde zu Energiesparmöglichkeiten beraten. Damit Unterstützung angeboten und Vereinbarungen getroffen werden können, sei es wichtig, dass sich betroffene Kunden beim Kundenservice melden. Das geht auch online über ein Kontaktformular.
Auch ein konkreter Zählerstand könne helfen und zu einer genaueren Abrechnung beitragen. Damit Spreegas den Verbrauch nicht schätzen muss, sondern die Abrechnung verbrauchsgerecht erstellen kann, sollten Verbraucher ihren Zählerstand mitteilen. Spreegaskunden können das über das Online-Portal Meine Spreegas machen. Zählerstandsmeldungen sind aber auch beim Netzbetreiber möglich. Für das Gas-Grundversorgungsgebiet von SpreeGas bietet die NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg dazu die App NetzinfoBB.