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Ganz im Zeichen des Dichters

Eine Büste Theodor Fontanes steht in Schloss Ribbeck.
Eine Büste Theodor Fontanes steht in Schloss Ribbeck. FOTO: dpa
Potsdam. 2019 wird in Brandenburg zum Fontane-Jahr. Das Ministerium stellt Millionen zur Verfügung, Fontane-Experten sind trotzdem "irritiert". Benjamin Lassiwe / iwe1

Das Land Brandenburg bereitet sich auf den Geburtstag seines wichtigsten Schriftstellers vor: Theodor Fontane, Schöpfer von "Effi Briest", des "Stechlin", Verfasser von Frontberichten aus dem Deutsch-Dänischen Krieg und nicht zuletzt der Wanderungen durch die Mark Brandenburg, würde im kommenden Jahr seinen 200. Geburtstag feiern. Dazu werden landesweit Veranstaltungen unter dem Titel "fontane.200" stattfinden, teilte das Potsdamer Wissenschaftsministerium am Mittwoch mit. Die Landesregierung stelle dafür von 2017 bis 2020 rund 1,84 Millionen Euro bereit, dazu kämen noch weitere 290.000 Euro für das Kulturland-Themenjahr 2019. Daneben beteiligten sich der Bund, die Stadt Neuruppin sowie weitere Kommunen, Partner und Stiftungen an den Planungen.

"Theodor Fontane ist einer der wichtigsten deutschen Schriftsteller und trägt mit seinen Romanen, seinen Erzählungen, seiner Reiseliteratur und seiner Lyrik bis heute wesentlich zur brandenburgischen Identität bei", sagte Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD). "Mit dem 200. Geburtstag Fontanes und dem Format ‘fontane.200‘ kann Brandenburg sich über das Jubiläum bundesweit und darüber hinaus profilieren und zahlreiche Kulturtouristen ins Land locken." Dabei soll es nicht nur um die Würdigung der Person Fontanes gehen, sondern auch darum, sein Werk und Wirken im Spiegel des 21. Jahrhunderts neu zu entdecken und zu reflektieren. So soll im kommenden Jahr in der Fontanestadt Neuruppin eine zentrale Leitausstellung zu sehen sein. Im Rahmen der Kampagne "Kulturland Brandenburg" werde es landesweit Veranstaltungen zu Fontane geben, außerdem wolle sich das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte mit dem Dichter, seinen Reisebeschreibungen und seinen Vorstellungen eines kulturellen Raums befassen. Zudem solle es einen internationalen Kongress an der Universität Potsdam geben, wo sich auch das "Fontane-Archiv" befinde.

"Irritiert" zeigte sich am Donnerstag indes die international arbeitende "Theodor-Fontane-Gesellschaft", die sich in insgesamt fünfzehn Sektionen der Erinnerung an Leben und Werk des Dichters widmet. "Wir sind seit vier Jahren an der Vorbereitung des Jubiläumsjahrs beteiligt", sagte der stellvertretende Vorsitzende dieser Gelehrtengesellschaft, der Berliner Germanistik-Professor Roland Berbig. "Da wundern wir uns schon, dass wir in der nun vom Ministerium veröffentlichten Liste der Aktivitäten zum Fontane-Jahr gar nicht auftauchen." So solle 2019 die von der Gesellschaft, der Stadt Neuruppin und anderen Akteuren getragene Internationale Fontane-Akademie starten. An der Humboldt-Uni sei ein "Fontane-Universitätstag" geplant, zudem denke man über eine "Lange Fontane-Nacht" nach.