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Für Grenzregionen gibt's jetzt Geld aus Brüssel

Potsdam. Fördergelder der Europäischen Union sind seit Jahren gerade in deutschen Grenzregionen fest eingeplant. Für Projekte mit Polen können jetzt wieder Anträge gestellt werden. Benjamin Lassiwe / iwe1

In Brüssel ist noch viel Geld vorhanden: Vereine, Verbände und Organisationen im Land Brandenburg, die gemeinsame Projekte mit Partnern aus Polen planen, können sich jetzt um insgesamt 16 Millionen Euro aus dem "Kleinprojektefonds" des EU-Förderprogramms "Interreg V A" bewerben. Damit sollen konkrete Begegnungen zwischen Deutschen und Polen gefördert werden - etwa deutsch-polnische Sportfeste oder Regionalmessen.

Viele kleine Projekte wichtig

"Ich freue mich, dass wir nunmehr das Herzstück des Kooperationsprogramms auf den Weg gebracht haben", sagt Europastaatssekretärin Anne Quart (Linke). Bei der europäischen Zusammenarbeit seien gerade die vielen kleinen Projekte, in welchen Menschen einander in der gemeinsamen Region begegnen, ein Schlüssel zum Erfolg. "Denn Begegnungen sind das einfachste Mittel, um Fremdheit und Distanz zu überwinden." In der vergangenen Förderperiode wurden etwa deutsch-polnische Dorffeste, Musiktheaterprojekte oder auch die Beteiligung deutscher Läufer am polnischen Zisterzienserlauf unterstützt. Und 2012 standen 12 000 Euro sogar für das von den Gemeinden Deszczno und Prötzel ausgerichtete "Fest des Brathähnchens", das die Amateurmeisterschaften der Grenzregion im Geflügelgrillen beinhaltete, zur Verfügung. Ebenso gab es Geld für ein Schiffertreffen auf der Oder, für einen Pokalwettbewerb im Friseurhandwerk oder ein deutsch-polnisches Treffen von Blasorchestern.

Bedingung für die Förderung ist aber, dass sich die Projekte in der Grenzregion befinden beziehungsweise mit Partnern von dort durchgeführt werden. Was auf deutscher Seite vor allem die Landkreise Spree-Neiße, Oder-Spree und Märkisch-Oderland sowie die kreisfreien Städte Cottbus und Frankfurt (Oder) betrifft. Sachsen indes können von diesem Geld nicht profitieren. Denn die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen ist beim Interreg-Programm auch die Grenze zwischen zwei Förderregionen: Während Brandenburg mit Mecklenburg-Vorpommern und Polen kooperiert, hat Sachsen einen eigenen Fördertopf mit anderen polnischen Partnerregionen.

Insgesamt 100 Millionen Euro

Zudem fällt am 27. Oktober auch der Startschuss für den sogenannten zweiten Call. In diesem Rahmen können bis zum 13. Januar Natur- sowie Tourismusprojekte zum Erhalt und der Erlebbarkeit des Kultur- und Naturerbes beim Gemeinsamen Sekretariat in Frankfurt (Oder) eingereicht werden. In diesem Fördertopf sind weitere 19,2 Millionen Euro vorhanden, die für grenzüberschreitende Projekte zur Verfügung stehen. Insgesamt hat das Interreg-Programm für Brandenburg und Polen derzeit ein Volumen von 100 Millionen Euro. Dazu kommen Mittel des Landes Brandenburg in Höhe von 17 Millionen Euro. Der Anteil der EU-Gelder an den ausgezahlten Fördergeldern beträgt also 85 Prozent.

"Bei der grenzübergreifenden Interreg-Förderung geht es darum, dass eine ganze Region zusammenwächst und fit gemacht wird, um im Europa der Regionen eine gute Rolle zu spielen", sagt Brandenburgs Europa-Minister Stefan Ludwig (Linke). "Unsere enge Kooperation wird dazu beitragen, dass wir die verbliebenen Grenzen in den Köpfen wirklich überwinden und uns auf unsere gemeinsamen Stärken besinnen. Davon wird die ganze Oder- und Neißeregion profitieren."

Zum Thema:
Das "Interreg"-Förderprogramm der EU wurde vor 25 Jahren ins Leben gerufen. Es hat das Ziel, dafür zu sorgen, dass "nationale Grenzen kein Hindernis für eine ausgewogene Entwicklung und Integration des europäischen Raumes sind". Für den Zeitrahmen von 2014 bis 2020 stehen für die ganze EU insgesamt 10,1 Milliarden Euro für Projekte zur Verfügung, die aus den Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) stammen. Gefördert werden sollen insbesondere der gemeinsame Erhalt des Natur- und Kulturerbes, die Anbindung an transeuropäische Netze und Verkehre, die Stärkung grenzübergreifender Fähigkeiten und Kompetenzen sowie die Integration der Bevölkerungen und Zusammenarbeit der Verwaltungen. Weitere Informationen sind bei den Euroregionen Viadrina und Spree-Neiße-Bober erhältlich. www.euroregion-viadrina.de/ueber-kpf-2014-2020/ und interregva-bb-pl.eu/