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Früh um fünf beginnen in Neuzelle Gebete

Blick auf das Kloster in Neuzelle mit dem Klostergarten im Vordergrund, der evangelischen Kirche (l.) der katholischen Kirche (M.) und dem Gymnasium im Stift Neuzelle (r.).
Blick auf das Kloster in Neuzelle mit dem Klostergarten im Vordergrund, der evangelischen Kirche (l.) der katholischen Kirche (M.) und dem Gymnasium im Stift Neuzelle (r.). FOTO: dpa
Neuzelle. Um fünf Uhr früh soll es am Montag, 28. August, losgehen. Dann werden in der imposanten barocken Stiftskirche St. Marien in Neuzelle (Kreis Oder-Spree) wieder die Kerzen entzündet. Vier Mönche aus dem österreichischen Stift Heiligenkreuz werden im Kloster ihre Arbeit aufnehmen. Benjamin Lassiwe / lwe1

Und Pater Simeon, Pater Kilian, Pater Philemon und Pater Aloysius Maria werden in ihren schwarz-weißen Ordensgewändern lateinische Gesänge anstimmen und die Vigilien, das Nachtwachegebet des Zisterzienserordens beten. Denn am Sonntag rollt der Umzugswagen: Dann werden die vier Mönche aus dem österreichischen Stift Heiligenkreuz ganz offiziell und dauerhaft nach Neuzelle übersiedeln und zunächst im dortigen katholischen Pfarrhaus Quartier nehmen. Vier weitere Mönche sollen dann im kommenden Jahr zu ihnen stoßen.

Damit hat die vom katholischen Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt, initiierte Neugründung eines Zisterzienserklosters in dem 1817 verstaatlichten Stift Neuzelle einen neuen Schritt erreicht. Offiziell gegründet werden soll das Priorat Neuzelle erst im kommenden Jahr.

Doch schon bei der Görlitzer Bistumswallfahrt, zu der am 3. September mehrere Tausend Gläubige sowie der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke in Neuzelle erwartet werden, sollen die Mönche offiziell im Bistum willkommen geheißen werden.

"Und schon ab Montag werden wir jeden Tag unsere Chorgebete halten und das lateinische Konventhochamt feiern", sagt der 40-jährige Pater Kilian Müller. Einer der Mönche, Pater Philemon, wird dann als Religionslehrer in der integrativen Grundschule der katholischen St. Florian-Stiftung in Neuzelle anfangen. Für die übrigen drei Brüder werde es zunächst darum gehen, die Voraussetzungen für ein gutes Klosterleben in Neuzelle zu schaffen, sagt der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt.

Nach der Gründung des Klosters im kommenden Jahr sollen sie die Betreuung der katholischen Pfarrei, von Wallfahrern und Klosterbesuchern übernehmen. Denn seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als die hiesigen Katholiken nicht mehr in die Wallfahrtsorte Schlesiens pilgern konnten, wurde die hoch über dem Odertal gelegene Stiftskirche auch zu einem der wichtigsten Marienwallfahrtsorte Ostdeutschlands. Sogar ein eigenes "Neuzeller Wallfahrtslied" findet sich heute in katholischen Gesangbüchern.

Unklar allerdings ist immer noch, wie das Kloster in Neuzelle erweitert werden kann. Denn die weitläufige Anlage ist heute im Besitz der staatlichen Stiftung Stift Neuzelle. Und die hat große Teile der Gebäude bereits belegt. Beraten wird derzeit, ob die Mönche eventuell ins Kanzleihaus des Klosters umziehen können. In den vergangenen Monaten gab es deswegen bereits Gespräche zwischen Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) und Bischof Ipolt, die nach Aussage aller Beteiligten in positiver Grundstimmung verliefen, aber noch keine endgültige Klärung brachten.

"Wir sind mit dem Stift demnächst zum Frühstück verabredet", sagte Pater Kilian. "Ich denke aber, die Dinge lassen sich einfacher klären, wenn wir erst einmal vor Ort sind und uns schnell und unkompliziert treffen können." Und auch Ipolt sagt, dass man die Gespräche jetzt erst einmal "verlangsamt" habe. Wichtiger sei, dass die Mönche nun erst einmal ankämen.