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Freie Schulen: Irgendwie geht es weiter

Zehn Prozent der Schüler im Land Brandenburg lernen derzeit an einer freien Schule.
Zehn Prozent der Schüler im Land Brandenburg lernen derzeit an einer freien Schule. FOTO: dpa
Potsdam. Die Streichung von Landesmitteln traf die freien Schulen in Brandenburg hart. Viele fürchteten vor zwei Jahren um ihre Existenz. Doch die Schließungswelle ist bislang ausgeblieben. Benjamin Lassiwe / iwe1

Vor fast zwei Jahren haben Brandenburgs oberste Richter ihr Urteil gefällt: Die Kürzungen des Landes bei den Schulen in freier Trägerschaft sind rechtmäßig, urteilte das Landesverfassungsgericht im Dezember 2014.

Rund 14,3 Millionen Euro pro Schuljahr sollten die freien Schulträger damals weniger erhalten. Damals warnten die Schulendavor, dass einzelne von ihnen durch die Kürzungen und das Urteil in ihrer Existenz bedroht sein könnten.

Doch zu Beginn des Schuljahres 2016/2017 berichtete das Potsdamer Bildungsministerium davon, dass es im Land noch immer 175 freie Schulen gebe. Die befürchtete Schließungswelle ist also ausgeblieben - und zum neuen Schuljahr nahmen sogar vier neue Schulen in freier Trägerschaft ihren Betrieb in Brandenburg auf.

Wie aber sehen das die Schulträger heute? Die RUNDSCHAU hat nachgefragt.

"Wir haben seit zwei oder drei Jahren eine konstante Situation", sagt Tilo Steinbach, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft "Schulen in freier Trägerschaft" im Land Brandenburg. Vor allem bei den Grundschulen sei die Lage aber weiter angespannt. "Diese Schulform ist die schwierigste geworden", sagt Steinbach. Dort seien die Zuschüsse des Landes um rund 13 Prozent zurückgegangen. "Entsprechend gibt es keine Grundschulgründungen mehr in Brandenburg."

Investitionen verschoben

Um überleben zu können, würden manche Schulen Investitionen zurückstellen - "da ist es ärgerlich, dass freie Schulträger nicht vom Kommunalen Investitionsprogramm des Landes etwa bei der Inklusion profitieren", sagt Steinbach. Und auch Thomas Enkelmann, der Landesvorsitzende des Verbands Deutscher Privatschulen spricht davon, dass die Zuschusskürzungen eine generelle Belastung für die Träger gewesen seien. "Wie das die einzelnen Schulen gemacht haben, darüber tauscht man sich nicht aus."

Tatsächlich dürfte eine Reihe von Trägern bei den Gehältern der Lehrerinnen und Lehrer angesetzt haben. "Ich würde gerne den Lehrern noch mehr Geld bezahlen", sagt Enkelmann über die Situation an seiner Schule, dem Fürstenwalder Aus- und Weiterbildungszentrum. "Wir sind klar in der Situation, dass wir die Gehälter der Lehrerinnen und Lehrer im staatlichen Bereich nicht erreichen."

Tilo Steinbach von der Arbeitsgemeinschaft der Schulen in freier Trägerschaft sieht das anders. "Wir sind ganz klar gezwungen, unseren Lehrern gute Gehälter zu bezahlen", sagt Steinbach. "Denn auch das Land bemüht sich ja darum, Lehrkräfte zu werben - da müssen wir also mithalten können." Und die von der Gewerkschaft GEW erzielten Verbesserungen des Tarifs für den öffentlichen Dienst kämen auch den freien Schulen zugute: Weil die Personalkosten im öffentlichen Dienst steigen, steigen auch die an Hand dessen berechneten Zuschüsse für die freien Schulen.

Gleichbleibende Schülerzahlen

Die Qualität des Unterrichts jedenfalls scheint an den Schulen in freier Trägerschaft bislang nicht gelitten zu haben. Denn noch immer besuchen rund zehn Prozent der Schüler des Landes eine dieser Bildungseinrichtungen - und würde dort explizit schlechte Arbeit geleistet, hätte sich das unter den Eltern wohl längst herumgesprochen.