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| 18:40 Uhr

Prozess gegen Geldautomatensprenger in Frankfurt (Oder)
Vier Banküberfälle, aber kein Geld

 Immer wieder wurden im vergangenen Jahr im Land Brandenburg Bankautomaten gesprengt. Zwei mutmaßliche Täter stehen jetzt vor Gericht.
Immer wieder wurden im vergangenen Jahr im Land Brandenburg Bankautomaten gesprengt. Zwei mutmaßliche Täter stehen jetzt vor Gericht. FOTO: dpa / Julian Stähle
Frankfurt (Oder). Prozess-Auftakt In Frankfurt (Oder) stehen zwei Vorbestrafte vor Gericht, die sich vor einem Jahr mehrfach vergeblich als Geldautomaten-Knacker im Landkreis Oder-Spree versuchten. Von Dietrich Schröder

Als die beiden Angeklagten in den Gerichtssaal geführt werden, begrüßen sie sich mit breitem Grinsen und freundlichem Hallo. Der Berliner Roman M. und der Frankfurter Ronny B. haben sich lange nicht gesehen. Seit sie im November festgenommen wurden, sitzen die beiden getrennt voneinander in Untersuchungshaftanstalten.

Wegen dieser beiden Männer war vor einem Jahr die Soko „Geld“ der Brandenburger Polizei verstärkt worden. Denn seinerzeit häuften sich die Anschläge auf Bankautomaten. Dabei waren die beiden gar keine Leute vom Fach, saßen jedoch nach Informationen unserer Zeitung zuvor schon wegen anderer schwerer Delikte in Haft. Der 56-jährige Roman M. wegen versuchten Mordes und Totschlags seiner Frau, der 43-jährige Ronny B. wegen brutalen sexuellen Missbrauchs eines Mannes.

 Wiedersehen im Gerichtssaal: Die beiden Angeklagten Ronny B. (l.) und Roman M. waren im November 2018 festgenommen worden. Seither befinden sie sich in Untersuchungshaft.
Wiedersehen im Gerichtssaal: Die beiden Angeklagten Ronny B. (l.) und Roman M. waren im November 2018 festgenommen worden. Seither befinden sie sich in Untersuchungshaft. FOTO: MOZ / Dietrich Schröder

„Ich hab’ hier überhaupt nichts zu sagen.“ Mit dieser betont schnoddrigen Reaktion auf die Frage des Vorsitzenden Richters Ulrich Karkmann nach seinen Personalien deutet Roman M. an, dass seine Taktik im Prozess darin bestehen wird, nichts auszusagen. Auch Ronny B. nickt, als ihn der Richter fragt: „Und Sie wollen auch schweigen?“

Dann hat B. aber doch noch eine Frage: Weshalb muss er während der Verhandlung Fußfesseln tragen und Roman M. nicht? Nach kurzem Blättern in den Akten stellt der Richter fest, dass eigentlich beide Angeklagte wegen ihrer Vorstrafen und teils aggressiven Verhaltens bei den Vernehmungen Fußfesseln tragen sollten. Er sagt trocken zu Ronny B.: „Bitte fühlen Sie sich nicht benachteiligt. Beim nächsten Termin wird auch ihr Mitangeklagter Fußfesseln tragen.“

Wegen des Schweigens der Angeklagten steht ein Indizienprozess bevor, denn eine Verständigung mit den Angeklagten über das Strafmaß hat es laut Karkmann auch nicht gegeben. Dafür wird als Nächstes das Licht im Gerichtssaal gelöscht und es beginnt eine längere Foto-Betrachtung.

Zu sehen sind Aufnahmen, die Überwachungskameras in den Filialen Storkow und Müllrose der Raiffeisen Volksbank beziehungsweise Ziltendorf und Neuzelle der Sparkasse Oder-Spree in den Nächten zum 28. Mai und zum 16. Juli 2018 gemacht haben. Übereinstimmend sind darauf zwei kräftige vermummte Männer zu sehen, die jeweils in Sekundenschnelle mit Brecheisen die Geldautomaten aufstemmen. Der eine Mann trägt immer die gleichen Turnschuhe, auch die roten Brechstangen sind dieselben.

Eigentümlicherweise kommen jedoch das Acetylen-Gas und die Zündschnüre, die für eine Automatensprengung vorbereitet waren, nirgendwo zum Einsatz. Stattdessen wurden die Angriffe jeweils abgebrochen. Schon unmittelbar nach den Vorfällen war der Polizei aufgefallen, dass die Verdächtigen dilettantisch vorgingen. Sie sorgten zwar für hohen Sachschaden an den Automaten, gelangten aber selbst nicht an Geld.

Besonders groß dürfte ihr Frust in der Filiale in Müllrose gewesen sein. Denn das dort aufgebrochene Gerät erwies sich als Kontoauszugsdrucker. Den Geldautomaten, der früher dort stand, hatte die Bank kurz zuvor weggeräumt.

Dass die Täter „keine professionellen Automatensprenger sind, sondern sich neu in diesem Bereich versuchen“, hatte ein Kriminalist schon während der Ermittlungen vermutet. Auf eine heiße Spur kamen die Ermittler auch deshalb, weil die Täter vor einer weiteren Bankfiliale – in Lieberose (Dahme-Spreewald) – in einer Nacht zwei Mal kurz mit ihrem Fahrzeug geparkt hatten, ohne dort einzubrechen. Deshalb wurden bei der Polizei Fahndungen nach einem alten blauen BMW eingeleitet, der schließlich bei einer Kontrolle im Herbst 2018 auffiel. Seinerzeit sollen die Verdächtigen versucht haben, noch während der Verfolgung durch die Polizei eine Gasflasche und anderes belastendes Material aus dem Auto zu werfen.

Bis zum nächsten Verhandlungstermin gab der Vorsitzende Richter den Angeklagten mehr als 60 Dokumente aus den Untersuchungsakten als Lektüre in die Untersuchungshaft mit. „Damit die Akten nicht alle vorgelesen werden müssen“, wie er süffisant bemerkte.

BU

Wiedersehen im Gerichtssaal: Die beiden Angeklagten Ronny B. (l.) und Roman M. waren im November 2018 festgenommen worden. Seither befinden sie sich in Untersuchungshaft. ⇥Foto:  Dietrich Schröder