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| 19:06 Uhr

Stromerzeugung der Zukunft
Speicherkraftwerk soll in Spremberg entstehen

Am Standort Schwarze Pumpe in Spremberg soll ein Speicherkraftwerk entstehen, das mittels regenerativer Energien gasförmigen Wasserstoff erzeugt, der bei Bedarf wieder in Strom umgewandelt werden kann. Dies erfolgt in einem Elektrolyseur (Foto). Die Enertrag AG betreibt eine solche Anlage seit 2011 in Prenzlau.
Am Standort Schwarze Pumpe in Spremberg soll ein Speicherkraftwerk entstehen, das mittels regenerativer Energien gasförmigen Wasserstoff erzeugt, der bei Bedarf wieder in Strom umgewandelt werden kann. Dies erfolgt in einem Elektrolyseur (Foto). Die Enertrag AG betreibt eine solche Anlage seit 2011 in Prenzlau. FOTO: Enertrag / Tom Baerwald
Spremberg. Am Standort Schwarze Pumpe in Spremberg soll bis 2022 eine Demo-Anlage für ein regeneratives Speicherkraftwerk entstehen.

Die Professoren Hans-Joachim Krautz von der BTU Cottbus-Senftenberg und Harald Weber von der Uni Rostock haben ihre Projektskizze für das Referenzkraftwerk Lausitz vorigen Freitag in Brüssel präsentiert.

Anlass war die Tagung der „Plattform der Kohleregionen im Wandel“ der EU-Kommission. Erste Ansätze hatten die Wissenschaftler bereits bei einer Ideenschmiede des Zweckverbands Industriepark Schwarze Pumpe im Mai vorgestellt.

Nach den nun weiter ausgearbeiteten Plänen rechnen Krautz und Weber mit einem Finanzierungsbedarf von 67 Millionen Euro bis 2030. Dafür soll eine Pilotanlage mit einer Leistung von zehn Megawatt gebaut und getestet werden und eine Studie für ein Großkraftwerk entstehen. Mit bis zu 500 Megawatt entspräche dieses etwa den Dimensionen eines Kohlekraftwerksblocks.

„Man könnte dann nach 2030 größere Speicherkraftwerkskomplexe an den alten Standorten wie Schwarze Pumpe, Jänschwalde und Boxberg errichten“, sagte Krautz. „Aber auch dann braucht man noch einige Jahre, sodass realistisch der Ersatz in Richtung 2040 geht.“ Mit der Entwicklung der Speicherkraftwerke würde also in etwa jene Zeit überbrückt, welche die Leag ohnehin für die Nutzung ihrer Braunkohlereviere vorsieht.

Für das Referenzkraftwerk in Spremberg wollen Krautz und Weber im Wesentlichen eine sogenannte Power-to-Gas-Anlage errichten. Mittels Ökostrom wird dabei gasförmiger Wasserstoff erzeugt, wenn viel Wind- und Solarenergie vorhanden sind.

Steigt der Strombedarf, wird das Gas in einer Turbine oder Brennstoffzelle wieder in Elektrizität umgewandelt. Alternativ kann der regenerativ erzeugte Energieträger für Wasserstoffautos zum Heizen oder in Chemiebetrieben wie BASF Schwarzheide verwendet werden.

„Power to Gas“ gilt als Möglichkeit, die Energiewende endlich auch im Verkehr und bei der Wärmeerzeugung voranzubringen und hat derzeit viele Fürsprecher, sowohl in der Industrie als auch bei Umweltverbänden. Eine ähnliche Anlage in kleinerem Maßstab betreibt das Unternehmen Enertrag seit 2011 in Prenzlau.

Krautz und Weber wollen jedoch einen Schritt weitergehen und in Spremberg zeigen, dass ein komplettes Stromsystem auf Basis erneuerbarer Energien jederzeit sicher funktioniert. Dafür wollen sie als eigentliche Innovation ein neues Betriebskonzept erproben, das später von Netzbetreibern genutzt werden könnte.

Windräder oder Solarmodule würden nicht nur mit der „Power to Gas“-Anlage kombiniert, sondern auch mit einer großen Batterie und einem sogenannten Superkondensator als besonders flexiblem Speicher. Aus Sicht eines Netzbetreibers würde das regenerative Speicherkraftwerk dann über alle elektrotechnischen Fähigkeiten verfügen, die jahrzehntelang nur Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke boten. Es könnte blitzschnell Schwankungen im Stromnetz ausgleichen und sogar nach einem Blackout selbstständig wieder hochfahren.

Zunächst suchen Krautz und Weber nun nach einer Anschubfinanzierung von 6,2 Millionen Euro und Partnern aus der Industrie. Der Projektentwickler Energiequelle aus Zossen hat bereits Interesse signalisiert.